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Hochschule der Medien

7000 Kilometer-Radtour - 2. Teil

North Carolina: Wenn ein Kühlschrank wärmer als die Gepäcktasche ist...

Seit dem 1. März ist der Drucktechnik-Student Michael Hering auf dem Fahrrad unterwegs von New York nach San Francisco. Ungefähr ein Sechstel der Tour ist schon geschafft. Und dieser Teil war vor allem eines: extrem kalt.

Die ersten zehn Tage der abenteuerlichen Reise
(Fotos: Michael Hering)

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So entspannt wie es auf dem Bild aussieht, ist die Reise nicht immer. Vor allem nicht, wenn's richtig kalt wird.

So entspannt wie es auf dem Bild aussieht, ist die Reise nicht immer. Vor allem nicht, wenn's richtig kalt wird.

Beim Start an der Brooklyn Bridge war noch bestes Wetter. Michael Hering und sein Freund Thomas Warbeck verließen voller Vorfreude auf das große Abenteuer Manhattan entlang des Hudson River Greenway. Die Route war festgelegt, sie mussten zur Washington Bridge, weil das die einzige Brücke ist, die man auch mit dem Fahrrad überqueren kann. 140 Kilometer lautet das Tagesziel - unabhängig von den Bedingungen. Und wenn die Muskeln am Abend langsam müde werden, müssen die beiden auch noch einen geeigneten Schlafplatz finden. In den meisten Fällen heißt das: Zelt aufschlagen, sich in die Schlafsäcke einpacken und versuchen, trotz der Kälte zu schlafen.

Minustemperaturen und taube Füße

Die Temperaturen waren eisig, kreisten immer um den Gefrierpunkt herum. „Als wir aufwachten, zeigte das Thermometer minus 2,3 Grad Celsius", berichtet Hering. Zwischen drei und viermal am Tag mussten die beiden Abenteurer sich aufwärmen. Da ist es nicht immer leicht, den Zeitplan genau einzuhalten. Aber es bleibt keine andere Wahl, wenn Füße oder Finger taub und die Wange vor Kälte rot werden.

Aber die beiden müssen nicht nur gegen das Wetter ankämpfen: Der US-Bundesstaat Pennsylvania ist bekannt für die steilen Anstiege und Abfahrten. Die beiden sehen es sportlich, bei der Steigung fühlen sich die Minustemperaturen gleich etwas wärmer an.

Campen im Sumpfgebiet

Der vierte Staat der insgesamt 19 Staaten, den Hering und sein Kumpan mit den Fahrrädern erreichten, ist Delaware. In einer Bar gingen die beiden Cokes für so viel sportlichen Ehrgeiz spontan auf's Haus. Doch das war leider die letzte Freundlichkeit für den Tag: Sie sprachen viele Einwohner an und suchten nach einem Schlafplatz, doch das Glück war nicht auf ihrer Seite. Sie mussten die extrem kalte Nacht unmittelbar an der Delaware Road #9 versteckt in einem dreckigen, nassen Feld verbringen, ständig in der Angst, dass sie jemand aus den Schlafsäcken ziehen könnte. „Als Frosch hättest du es hier gut", scherzt Hering. „Delaware ist ein echtes Sumpfgebiet." Die Härteprobe zwar mit gefrorenen Füßen überstanden, trafen die beiden am folgenden Tag auf hilfsbereite Farmer, die für sie Frühstück machten und auch noch Heizung und Donuts hatten.

Keine Insekten, weniger Schweiß und ein mobiler Kühlschrank

Auch in den folgenden Tagen blieben die Füße von Michael Hering kalt. Die Lösung: Zwei Paar Socken und zwei paar Überschuhe. Ocean City zurückgelassen, zwang der Gegenwind die beiden dazu, dass sie nur mit halber Geschwindigkeit der Vortage fahren konnten. Dinner gab es dann bei „unglaublich warmen fünf Grad Celsius", abseits der Straße. Aber Hering sieht das positiv: „Erstens gibt es bei einer solchen Kälte keine Insekten und zweitens schwitze ich weniger", erzählt er. Aber das Beste sei, dass Salami, Käse und Milch ewig frisch bleiben. „Jeder Kühlschrank ist wärmer als unsere Gepäcktaschen!"

Von der amerikanischen Gastfreundschaft gesund geworden

In Washington kamen die beiden bei einem sympathischen amerikanischen Paar, Anne und Carl, unter. Doch Erholung sieht anders aus: Infolge der kalten Nächte wurde Hering krank und die beiden Fahrradfahrer blieben zwei Nächte dort, um wieder zu Kräften zu kommen. Aber mit der berühmt berüchtigten Gastfreundschaft, viel Tee und gesundes Essen von Anne, war Hering schnell wieder fit genug, sich schon am folgenden Tag auf sein Sitzfahrrad zu setzen und weiter zu strampeln.

Mittlerweile sind die beiden in Asheville in North Carolina angekommen, knapp 1300 Kilometer der insgesamt 7000 Kilometer sind geschafft. Die HdM-Redaktion verfolgt weiterhin die abenteuerliche Reise durch die 19 US-Staaten und berichtet bald wieder, was Michael Hering erlebt und wie er dem großen Ziel, der Golden Gate Bridge in San Francisco, Tag für Tag näher kommt.

 

Michael Hering im Skype-Gespräch

Drei Fragen an den Abenteurer, geführt am Montagabend, 11. März 2013.

HdM-Redaktion: Was vermissen Sie bisher am meisten?

Michael Hering: Ganz klar, deutsches Brot. Jedes mal wenn wir einkaufen gehen, tasten wir uns durch die Brotabteilung, um das festeste Brot zu finden. Selbst das Vollkornbrot ist hier manchmal so weich, dass man einen ganzen Laib problemlos mit zwei Fingern durchdrücken könnte.

Gab es Momente, in denen Sie daran gezweifelt haben, dass Sie das Ziel in San Francisco rechtzeitig erreichen?

Bis jetzt noch nicht. Bisher lagen wir im schlechtesten Falls genau im Zeitplan, meist immer davor. Wenn jetzt am Anfang etwas schief laufen sollte, gibt es genug Abkürzungen auf unserer Route, sodass wir das ausgleichen können.

Meinen Sie, dass die größte Hürde bezüglich der Kälte bereits hinter Ihnen liegt?

Nein, das extremste Wetter und vermutlich auch die niedrigsten Temperaturen werden wir wohl in den Rockies und den Wüsten in Oklahoma und Nevada erfahren. Aber das liegt ja zum Glück noch vor uns.

Mira Kleine

VERÖFFENTLICHT AM

12. März 2013

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