DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

7000 Kilometer-Radtour - 3. Teil

Oklahoma: Ein Shawnee-Native und gefrorene Nutella

13 der insgesamt 19 Bundesstaaten sind schon geschafft. Seit dem 1. März ist der Drucktechnik-Student Michael Hering auf dem Fahrrad unterwegs von New York nach San Francisco. Sie treffen auf faszinierende Menschen und Geschichten, in Oklahoma sogar auf einen echten Indianer.

Von North Carolina bis Oklahoma
(Fotos: Michael Hering)

Klicken Sie auf ein Bild um die Fotostrecke zu starten.


Bei dem letzten Bericht war Michael Hering mit seinem Freund im beschaulichen Asheville angekommen, eine Stadt gar nicht typischen amerikanisch, in der jeder Shop und jedes Café wie ein Ort voller Kunst und Liebe zum Detail ist. Von da aus machen sich die beiden Fahrradfahrer wieder fit für die weitere Tour über den südlichen Teil des Blueridge Parkway. „Wir packen uns ordentlich voll mit richtig gesundem Essen", berichtet Hering. „Denn auf der Strecke, die uns jetzt bevor steht, wird über 100 Kilometer kein einziger Shop, eine Tankstelle oder irgendetwas anderes sein." Und dann waren auch noch Temperaturen von bis zu minus sieben Grad Celsius angesagt.

Auf der Strecke erreichten die beiden ihre Grenzen: Beim letzten Teil der geplanten Tagesstrecke am Gipfel angekommen, kam ein heftiger Schneesturm und sie mussten spontan umdisponieren. „Das war das erste Mal bei der Tour, dass ich unbedingt ein Motel finden wollte, weil wir den ganzen Tag gefroren haben", erzählt Hering. Zum Glück fanden die beiden Unterschlupf in Cherokee Valley, wenn auch der Spalt zwischen der Tür und Türrahmen so groß war, dass sie alle Handtücher in die Lücke stopfen mussten. Aber immerhin war es wärmer als ihr Zelt.

Sweet Home Alabama, where the skies are NOT blue...

Nach einem kleinen Sonnenbad in Chattanooga ging die Tour weiter durch Georgia nach „Sweet Home Alabama". Und wo landeten die beiden kurz vor Mitternacht? Richtig, im berühmtesten 24/7 Fast-Food-Restaurant in Mississippi. Dort trafen sie eine Frau, die kaum glauben konnte, dass sie an dem Tag knapp 200 Kilometer gefahren sind. Sie wollte unter keinen Umständen, dass die beiden Abenteurer bei der Kälte in einem Zelt schlafen und packte sie kurzerhand samt ihrer Fahrräder in ihr Auto, einem Zweisitzer-Pickup-Truck.

Kurioserweise waren Hering und Warbeck das einzige, was die Nachtkrankenschwester aus dem McDonalds mitgenommen hatte. „Da standen wir auf einmal mitten im Wohnzimmer einer amerikanischen Großfamilie", berichtet Hering. Drei Kinder, zwei Enkelkinder und zwei weitere, die nicht von ihr sind. Auf dem großen Verstärker mitten in der Küche war zum Glück noch Platz, die mittlerweile kalten Burger zu essen. Um sie herum tobten die Kinder und spielten eine Art Counterstrike. Als sich die Mutter zu ihrer Nachtschicht aufmachte, wollten sie nicht weiter stören, deshalb schlugen sie am Ende ihr Zelt im Garten zwischen den Haustieren auf. „Die Hunde hielten uns die halbe Nacht vom Schlafen ab." So war ein vermeintlich freundliches Angebot zwar wenig erholsam, dafür aber eine unvergessliche Erinnerung.

Motivations-Schokoriegel von einem echten Indianer

Ohne es bewusst mitbekommen zu haben, sind die beiden mittlerweile im 13. Staat der insgesamt 19 Staaten, die sie durchqueren, in Oklahoma, angekommen. „Manchmal sieht man die Schilder kaum, weil sie so klein am Straßenrand sind", lacht Hering.  Oklahoma ist ein außergewöhnlicher Teil ihres Trips: Sie bewältigen dort mit 1000 Kilometern mehr Meilen als in jedem anderen Staat, weil die beiden auch das so genannte Olkahoma-Panhandle durchqueren, auch bekannt als „No man's land". In den 1830ern waren dort viele indianische Stämme unterwegs. „Wir dachten noch, Oklahoma würde der langweiligste Teil unserer Reise werden."

Weit gefehlt: Die beiden treffen sogar auf einen echten Native American, Mr. Wakole. Sein indianischer Name ist „Firm bear". Er gehört zu dem nordamerikanischen Indianerstamm Shawnee. Nach einem kurzen Gespräch verschwand er für ein paar Minuten und kam mit vier Schokoriegel und drei Softgetränken wieder. Am Abend zelteten die beiden „cyclemaniacs" - wie Hering es ausdrückt - in der Nähe des Thunderbird-Sees. Die Temperaturen waren wieder unter Null. Oder wie ist es sonst zu erklären, dass am Morgen der Schokoladenbrotaufstrich gefroren war? Wie das aussieht, sehen Sie oben in der Bildergalerie.

Bald ist Halbzeit: Am 29. April wollen Hering und sein Freund mit den Fahrräder in San Francisco sein. Bis jetzt liegen sie gut in der Zeit. Wie es weiter geht und was sie im westlichen Teil der USA noch alles erleben, wird die HdM-Redaktion weiterhin verfolgen.

 

Michael Hering im Skype-Gespräch

Drei Fragen an den Abenteurer, geführt am Montagabend, 11. März 2013.

HdM-Redaktion: Sind Sie gesundheitlich wieder vollkommen fit?

Michael Hering: Ja, zum Glück. Ich weiß mittlerweile auch, dass es eine Mageninfektion war, die ich mir eingefangen hatte. Der schlimmste Tag war grad an unserem Ruhetag in Washington. In den darauf folgenden Tagen hatte ich noch Probleme mit dem Essen. Für eine Banane habe ich etwa eine halbe Stunde gebraucht. Doch schon fünf Tage später in Asheville war alles wieder normal.

Feiern Sie beide bestimmte Etappen, wie zum Beispiel die ersten geschafften 1000 Meilen?

Nein, überhaupt nicht - sonst würden wir aus dem Feiern gar nicht mehr rauskommen: Erste Woche, ein Tag später tausend Kilometer, dann bald die ersten tausend Meilen, gefolgt vom ersten Viertel und dann kommen schon die 2000 Kilometer und so weiter. Gefeiert wird, wenn wir am Ziel sind! Bis dahin kann noch viel passieren.

Was ist in Ihrem Reisealltag meistens der härteste Moment des Tages? 

Nach den Aufwärmpausen wieder loszufahren, wenn es draußen immer noch oder schon wieder kalt ist und windet. Aber ohne Pausen geht es ja auch nicht.

Mira Kleine

WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren