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Hochschule der Medien

3D-Drucker

Spielzeug für Geeks?

Schmuck, Autos, Waffen oder Häuser entstehen heute mit dem heimischen 3D-Drucker. Solche Produkte sollen das Leben der Menschen und die Druckerei-Branche revolutionieren. Auch die Hochschule der Medien (HdM) nutzt die neue Technik in Versuchen und Projekten.

Zur Detailansicht Die Kunststofffigur hat HdM-Professor Schaschek mit einem 3D-Drucker reproduziert, Foto: Franziska Böhl.

Die Kunststofffigur hat HdM-Professor Schaschek mit einem 3D-Drucker reproduziert, Foto: Franziska Böhl.

Zum Wintersemester 2011/12 hat sich Professor Dr. Karl Schaschek vom Studiengang Druck- und Medientechnologie für die Lehrveranstaltung "Direkt angewandte Forschung" einen 3D-Drucker-Bausatz gekauft. Es ist der zweite 3D-Drucker an der HdM: Beispielsweise nutzt der Studiengang Verpackungstechnik einen, um Modelle für Verpackungen wie für Flaschen herzustellen. Schaschek ging es aber nicht um die reine Verwendung des Geräts, sondern um dessen Funktionsweise.

Mit seinen Masterstudenten untersuchte er den "Do-it-yourself-3D-Drucker", den er von der deutschen Firma ShaperCube für rund 1200 Euro gekauft hat. In Eigenarbeit bauten sie den 40 mal 40 Zentimeter großen Kasten mit der neuen Drucktechnik zusammen und versuchten, die Software und die Konstruktion der Maschine zu verbessern.

Schwierigkeiten beim 3D-Druck

Der "Do-it-yourself-3D-Drucker" kann Figuren aus Kunststoff drucken, die bis zu 20 Zentimeter breit, 20 Zentimeter tief und 17,5 Zentimeter hoch sind. Zuletzt hat Schaschek die Figur einer sitzenden Frau reproduziert, die der französische Bildhauer Auguste Rodin vor über 100 Jahren entworfen hat. An der Figur wird sichtbar, dass der 3D-Druck nicht einwandfrei ist: Am Po wirkt alles ein wenig verrutscht. "Die Überhänge sind schlecht darzustellen. Bei Profi-Geräten, die mit mehreren Materialien arbeiten, nutzen meist eines davon als Stützmaterial, damit zum Beispiel der Bogen bei einem Rundbogen auch gelingt und dieser nicht versetzt dargestellt wird", sagt Schaschek.

An der Figur sind auch die einzelnen Druckfäden mit einer Stärke von 0,5 Millimeter sichtbar. Zwar gibt es 3D-Drucker zu einem höheren Preis, die mit 0,1 Millimeter dicken Fäden arbeiten, aber Schaschek glaubt, dass die Fäden dann immer noch sichtbar wären. Für ihn ist es ein deutlicher Grund, wieso 3D-Drucker für glänzende und matte Oberflächen wie für Schmuck nicht geeignet sind. Ebenfalls schwierig ist es bei 3D-Druckern, geeignete Vorlagen herzustellen. Für die braucht ein Nutzer einen leistungsfähigen Computer, auch wenn es mittlerweile Programme gibt, die zum Beispiel aus Fotos 3D-Vorlagen machen. Außerdem unterliegt das Material einem Schrumpfprozess, den man bei Einzelanfertigungen nie genau vorhersagen kann.

Chance für die HdM

Der Professor sieht aber auch die Vorteile: "Man braucht zum Beispiel für die Bereitstellung von Kunststoffteilen auf einem Flugzeugträger kein Lager mehr, sondern nur noch eine Festplatte." 3D-Drucker können schließlich noch andere Materialien verarbeiten, zum Beispiel Gummi. Deshalb bietet der 3D-Druck besonders jenen Formen eine Chance, die über den Guss nicht hergestellt werden können. Schaschek kann sich auch vorstellen, dass 3D-Drucke mit leitfähigen Teilen verknüpft werden, so dass bewegliche Figuren entstehen. Doch wenn er sich seine Plastikfigur ansieht, fragt er sich immer wieder: "Wer würde sich eine solche Figur in die Wohnung stellen?" Deshalb lautet sein aktuelles Fazit: "3D-Drucker sind interessant, aber im Moment sind sie nur ein schönes Spielzeug für Geeks." Auf dem Massenmarkt sieht er sie noch länger nicht, denn dafür fehle es an massentauglichen Ideen - aber die könnten ja an der Hochschule der Medien mitentwickelt werden ...

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

11. April 2013

KONTAKT

Prof. Dr. Karl Schaschek

Print Media Technologies

Telefon: 0711 8923-2046

E-Mail: schaschek@hdm-stuttgart.de

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