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Umstrittene Nordkorea-Doku

BBC wegen Undercover-Bericht unter Beschuss

Die BBC wird von der London School of Economics scharf kritisiert, weil sie eine Undercover-Reportage aus Nordkorea ausgestrahlt hat. Das Pikante daran: Der TV-Bericht für das Polit-Magazin "Panorama" konnte nur entstehen, weil BBC-Reporter John Sweeney eine Studentengruppe der Universität zur Tarnung für sein Filmteam nutzte.

Foto: von Zizzu02, Lizenz: [<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0">CC-BY-SA-3.0</a>], <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ABBCBroadcastingHouse.JPG">via Wikimedia Commons</a>

Foto: von Zizzu02, Lizenz: [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Heiligt der Zweck wirklich die Mittel? Diese Frage beantwortet die BBC derzeit mit einem klaren "Ja". Der Sender verteidigt die Entstehung einer Dokumentation, die zehn Studenten potentiell in Lebensgefahr brachte: Reporter John Sweeney schleuste sich, seine Frau und einen weiteren BBC-Journalisten mithilfe einer Studentengruppe der London School of Economics (LSE) in Nordkorea ein. Dies allerdings ohne die Studenten vorher darüber zu informieren, dass dort eine Undercover-Reportage für das Politmagazin "Panorama" gedreht wird. Damit habe er nicht nur die Studenten in "ernste Gefahr" gebracht und sie als "menschliche Schutzschilde" benutzt, sondern auch den Ruf der Universität geschädigt und alle momentanen und künftigen Forschungsprojekte gefährdet, klagt die LSE.

Die renommierte Wirtschaftsuni hatte von der BBC eine Entschuldigung verlangt und darauf bestanden, dass der Sender auf die Ausstrahlung verzichtet. Doch die Reportage lief wie geplant am Montag, den 15. April 2013 um 20.30 Uhr auf BBC One. Eine Berichterstattung aus dem abgeschotteten Land sei im Interesse der Öffentlichkeit, rechtfertigten der Fernseh-Nachrichtenchef Ceri Thomas die Entscheidung des TV-Senders, sowie das Vorgehen bei der Recherche.

Von den Reportern nichts gewusst?

Der Streit war vergangene Woche entbrannt, als die LSE von der Dokumentation erfahren hatte. Gestritten wird insbesondere um die Frage, in wieweit die Studenten über die Anwesenheit der Journalisten in ihren Reihen unterrichtet waren, und ob sie genügend Informationen bekommen, hätten um abschätzen zu können, in welcher Gefahr sie sich befänden, falls die Tarnung auffliegen würde. Die BBC hält an der Aussage fest, dass die Studenten bereits in London zweimal darüber informiert wurden, dass ein Journalist bei der Reise anwesend sein werde,  und dass die Studenten festgehalten und verhaftet werden könnten, falls dieser entdeckt würde. Gleichzeitig gibt der Sender zu, die Studenten erst während der Reise in Peking darüber aufgeklärt zu haben, dass es sich bei dem Journalisten um  John Sweeney handle und dass auch ein Kamerateam mit von der Partie sei. Damit hätte die BBC den Studenten bereits von vornherein die Option eines Ausstiegs verwehrt, argumentiert die Universität.

"Jeder von Ihnen hätte uns verraten können", sagte Sweeney in einem BBC-Interview. Die Tatsache, dass sie es nicht getan hätten, sieht Sweeney offenbar als stille Zustimmung der Studenten an. Entstehen konnte die Undercover-Reportage nur, weil John Sweeneys Frau Tomiko - selbst Absolventin der LSE - die Reise nach Nordkorea über einen studentischen Verein der Uni beworben hatte.

Quellen:

www.spiegel.de
www.berliner-zeitung.de
www.20min.ch
www.bbc.co.uk
www.independent.co.uk
businessetc.thejournal.ie

Kristina Simic

VERÖFFENTLICHT AM

17. April 2013

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