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Kommentardeutung

"Gefährliche Invasion in die Privatsphäre"

Wer Beiträge "liked" ist links, wer sie kommentiert ist rechts – das will ein Schweizer Wissenschaftler herausgefunden haben. Erst im März erschien eine andere Studie über Eigenschaften von Nutzern, die Facebook-Beiträge "liken". Doch das Internet weiß viel mehr ...

Zur Detailansicht Die Ergebnisse der US-Studie zu den Facebook-Likes überraschten, Quelle: http://www.pnas.org/content/early/2013/03/06/1218772110.full.pdf

Die Ergebnisse der US-Studie zu den Facebook-Likes überraschten, Quelle: http://www.pnas.org/content/early/2013/03/06/1218772110.full.pdf

… zum Beispiel ob jemand weiß oder schwarz, schwul oder heterosexuell, intelligent oder extrovertiert ist. Neben zahlreichen Daten lassen sich Persönlichkeitseigenschaften herauslesen. Die neueste Studie macht Aussagen über die politische Ausrichtung: Thomas Friemel, Oberassistent am Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Universität Zürich, befragte knapp 4000 Personen, die online bei Zeitungen wie der "Neuen Züricher Zeitung", den "20 Minuten" oder auf "Newsnet" Beiträge kommentierten oder den "Gefällt mir"-Button drückten. Weil die Zeitungen selbst auf einer Links-Rechts-Skala eingewordnet werden konnten, schloss er auf die Leser. Sein Ergebnis: "Kommentiert wird von denen, die leicht rechter sind als der Durchschnitt, geliked wird eher von denen, die leicht linker sind als der Durchschnitt der jeweiligen Zeitung."

"Likes" offenbaren Persönlichkeit

Intensiver mit Facebook-Likes beschäftigten sich Michal Kosiskia, David Stillela und Thore Graepelb von der Universität Cambridge und vom US-Konzern Microsoft. Für ihre Studie untersuchten sie die "Gefällt mir"-Angaben von fast 58.500 Facebook-Nutzern aus den USA. Mit einem mathematischen Modell ermittelten die Forscher beispielsweise, ob jemand Weißer oder Afroamerikaner (95 Prozent) war. Sichere Aussagen konnten sie auch zur sexuellen Orientierung (88 Prozent), politischen Ausrichtung (85 Prozent) oder Religionszugehörigkeit (82 Prozent) machen. "Likes" verraten ebenso, ob jemand raucht, trinkt, Drogen nimmt oder welchen Beziehungsstatus ein Nutzer hat.

Die "Likes" ließen noch weitere Persönlichkeitsmerkmale erkennen, zum Beispiel ob jemand freundlich, extrovertiert, gewissenhaft oder offen ist. Rückschlüsse auf die Intelligenz waren ebenfalls möglich. Demzufolge galten Zuschauer der politischen Comedy-Satire-Sendung "Colbert Report" oder von Filmklassikern wie "Der Pate" als intelligent, während Anhängern von Harley Davidson, von Bret Michaels, dem Sänger der Rockband "Poison", oder der Country-Band "Lady Antebellum", weniger Intelligenz zugesprochen wurde.

US-Wissenschaftler warnen

Solche Nutzerdaten sind vor allem für die Werbung von großem Interesse, denn so können die Unternehmen konkreter auf ihre Zielgruppen eingehen. Doch die US-Wissenschaftler warnen, dass die zielgerichtete Werbung auch "zu einer gefährlichen Invasion in die Privatsphäre" führen kann, denn so manche Information würde sicher nicht jeder Nutzer gerne preisgeben, unter anderem welche sexuelle Orientierung er hat.

Ein Selbsttest auf der Webseite von "You Are What You Like" ("Du bist, was du likest") zeigt, was die eigenen "Likes" über die Persönlichkeit aussagen. Auch die Suchanfragen bei Google lassen Rückschlüsse auf das wahrscheinliche Alter, Geschlecht und die Interessen zu. Umfassender sind die Ergebnisse auf Personensuchseiten wie Yasni.de: Wohnort, Musikgeschmack, Freundeskreis – zahlreiche Spuren werden hier zusammengetragen, die ein Nutzer tagtäglich beim Surfen im Internet hinterlässt, sei es durch Einträge in Gästebüchern, Foren, Online-Netzwerken, Einkaufsplattformen oder Telefonbüchern.

Suchmaschinen bewusst verwirren

Wer seine Daten nicht öffentlich machen möchte, sollte keine privaten Daten angeben und am Besten überall andere Angaben machen – das verwirrt die Suchmaschinen. Weitere Tipps gibt es auf den zahlreichen Datenschutzseiten wie Netzausglas.de.

Quelle:
www.bild.de
www.computerbild.de
www.sueddeutsche.de
www.edito.ch
www.derwesten.de

Franziska Böhl

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