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Spiegel-Chefredakteur

DPA-Chef soll's machen

Jetzt ist es raus: Wolfgang Büchner ist neuer Chefredakteur des "Spiegels". Der Chef der Deutschen Presseagentur (dpa) steht vor einer großen Aufgabe: die Internetredaktion und die des gedruckten "Spiegels" zu vereinen.

Zur Detailansicht Wolfgang Büchner ist neuer Spiegel-Chefredakteur, Foto: Michael Kappeler/dpa picture alliance

Wolfgang Büchner ist neuer Spiegel-Chefredakteur, Foto: Michael Kappeler/dpa picture alliance

Nachdem der Spiegel-Verlag am 9. April 2013 den Rauswurf der beiden Spiegel-Chefredakteure, Georg Mascolo und Matthias Müller von Blumencron, bekannt gab, wurde ein Nachfolger gesucht. Die Suche gestaltete sich ähnlich schwierig wie beim letzten Wechsel von 2008, als sich Stefan Aust vom Nachrichtenmagazin trennte. Nach knapp drei Wochen steht nun der Nachfolger fest: Wolfgang Büchner.

Der Spiegel-Verlag setzt große Hoffnungen in den 46-jährigen Journalisten. Büchner soll die "publizistische Zukunft der Medienmarke Spiegel erfolgreich gestalten". Um das zu schaffen, muss er schwierige Aufgaben bewältigen: Einerseits soll er die Zusammenarbeit zwischen Print- und Online-Redaktion verbessern, andererseits muss er auch die Auflage des gedruckten Heftes wieder steigern. Seine Erfahrung sollte ihm helfen: Schon früh arbeitete er für die Nachrichtenagenturen Associated Press und Reuters, zuletzt war er seit 2011 Chefredakteur von dpa. Erfahrungen mit dem Spiegel sammelte er ebenfalls ausreichend: Zwischen 2001 und 2009 – da wechselte er zu dpa – war er für Spiegel-Online tätig, zunächst als geschäftsführender Redakteur, dann Stellvertreter des Chefredakteurs.  

Büchner war der heißeste Kandidat

Büchner war aber nicht die einzig denkbare Lösung. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung fragte sogar, ob es nicht ein "lebendiger Augstein" machen sollte. Immerhin: Zwei Kinder des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein sind ebenfalls Journalisten geworden. Sohn Jakob Augstein ist Chefredakteur der linksliberalen Wochenzeitung "Freitag" und Tochter Franziska Augstein schreibt für das Feuilleton der Süddeutschen Zeitung (SZ). Auch ihr Lebensgefährte Heribert Prantl vom SZ-Ressort Innenpolitik galt als Kandidat. Andere potentielle Nachfolger waren Cicero-Chefredakteur Christopf Schwennicke, WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz, der stellvertretende Bild-Chefredakteur Nikolaus Blome, Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, der stellvertretende SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach oder Gabor Steingart, der Vorsitzende der "Handelsblatt"-Geschäftsführung.

Warum mussten sie gehen?

Warum die Mitarbeiter-KG Macolo und Blumencron rauswarfen, erklärte der Verlag in einer Pressemitteilung vom 9. April 2013. Darin hieß es, die Chefredakteure seien "wegen unterschiedlichen Auffassungen zur strategischen Ausrichtung mit sofortiger Wirkung abberufen und beurlaubt worden". Ove Saffe, Geschäftsführer des Spiegel-Verlags, bedankte sich darin bei den beiden "exzellenten Journalisten", die "Kreativität und Führungsstärke bewiesen haben". Weiter sagte er: "Als Chefredakteure haben sie maßgeblich dazu beigetragen, den Spiegel als ein weltweit beachtetes kritisches Magazin und Spiegel Online als führendes journalistisches Angebot im deutschsprachigen Internet zu positionieren und weiterzuentwickeln."

Anders gingen Mascolo und Blumencron mit ihrem Rauswurf um. Über 20 Jahre arbeiteten sie beim Spiegel. Mascolo war für die Print-Ausgabe verantwortlich, während sich Blumencron um Spiegel-Online kümmerte. Blumencron hielt vor der Online-Redaktion eine Abschiedsrede und erhielt dafür Applaus. Von seinem Ex-Stellvertreter Rüdiger Ditz wurde er sogar als "Mr. Spiegel Online" bezeichnet. Mascolo war bei der Printredaktion weniger beliebt und er stand wegen des starken Auflagenrückgangs und einer verfehlten Titelpolitik in der Kritik. Seit 2008 ist die Auflage von 1.050.000 auf 891.000 Exemplare gesunken.

Wird es Büchner schaffen?

Nun soll Wolfgang Büchner neuen Wind hineinbringen. Ob er die nebeneinander arbeitenden Print- und Online-Redaktionen vereinen kann, bleibt fraglich – immerhin entwickelte sich Spiegel Online seit 1994 zu einer eigenständigen Newsredaktion. Allerdings gilt Büchner als "pragmatischer Redaktionsmanager" und einer, der mit Online "groß geworden ist". Da er sich bei Spiegel-Online aber bereits als gut arbeitender Co-Chef bewiesen hat, stehen die Chancen gut.

Quellen:
www.spiegelgruppe.de
www.meedia.de
www.wz-newsline.de
www.faz.net
www.diepresse.com
www.abendblatt.de
www.welt.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

29. April 2013

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