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Hochschule der Medien

Kleinkinder am Smartphone

"Werkzeug für die isolierte Einzelarbeit"

Kleinkinder sind die wahren "digital natives". Keiner wächst so intensiv mit digitalen Technologien auf wie sie. Intuitiv wissen selbst Zweijährige, wie ein Tablet oder Smartphone funktioniert. Die Vor- und Nachteile dieser Kulturtechnik beurteilen die HdM-Professoren Mangold und Burmester.

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Zur Detailansicht Mit authentischen Lernspaß-Handys lernen selbst Kleinkinder schnell mit moderner Technik umzugehen, Quelle: http://www.fisher-price.com/de_DE/product/57009.

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Einst dominierten Plüschtiere, Bausteine und Bilderbücher die Kinderzimmer, heute kommen Spielekonsolen, Tablets und Smartphones dazu. Die Spielzeugbranche hat sich längst darauf eingestellt: Erste Smartphones gibt es bereits für Babys ab einem halben Jahr. Auch Tablets locken mit ihrer farbenfrohen Aufmachung Kinder und Eltern gleichermaßen an. Bedienen können die Klein- und Vorschulkinder die Touchscreen-Geräte meist intuitiv.

"Das entspricht dem natürlichen Umgang mit den Dingen der realen Welt", sagt Prof. Dr. Michael Burmester, Prodekan der Fakultät Information und Kommunikation an der HdM und Professor im Studiengang Informationsdesign. "Der Trick ist, dass diese Art von Benutzungsschnittstellen an bereits vorhandenes Vorwissen anknüpfen." Dem kann sein Kollege, Prof. Dr. Roland Monagold, der im Studiengang Informationsdesign unter anderem Kommunikations- und Medienpsychologie lehrt, nur beipflichten. "Kleine Kinder ertasten als Erstes ihre Welt durch Berühren", sagt Mangold. Deshalb kämen Kleinkinder mit Touchscreen-Geräten zurecht, während sie einen klassischen Computer mit Maus und Tastatur nicht benutzen können.

Kein Ersatz für reale Interaktion

Bereits in der frühen Kindheit würde man lernen, Objekte zu greifen und erfahren, dass Objekte Schwerkraft und Reibung haben, weiß Burmester. "Im Human-Computer-Interaction-Bereich spricht man von 'reality-based-interaction' oder 'natural user interfaces'", so der Prodekan. Neben der intuitiven Bedienung kommt die kindgerechte Aufbereitung der Touchscreen-Geräte dazu: Die Elemente sind meist groß, gut erkennbar und farbig gestaltet. Besonders bei Kleinkindern ist die Gestaltung der Bedienungselemente wichtig, denn bei ihnen ist die Feinmotorik noch nicht gut entwickelt. "Wenn dann die Bedienungselemente noch so gestaltet sind, dass sie auch bei der fehlenden Feinmotorik der Kleinkinder noch trennscharf bedienbar sind, steht einer Interaktion mit dem Rechner nichts mehr entgegen", sagt Mangold.

Obwohl die interaktiven Medien heute als Kulturtechnik gelten und Kleinkinder zahlreiche neue Spiel-, Lern- und Arbeitsformen damit entdecken können, hat Mangold bedenken: "Digitale Medien sollten nicht die reale Interaktion mit Objekten und Menschen ersetzen." Kleinkindern, die zu früh mit Tablets spielen, gehe konkrete Erfahrung verloren, beispielsweise wenn sich ein Kind am Herd die Finger verbrennt. Am Tablet könnte das zwar nachgestellt werden, aber es tut nicht weh. Außerdem seien Tablets trotz Social Media "Werkzeuge für die isolierte Einzelarbeit", denn "Computerspiele verführen dazu, alleine gespielt zu werden". Die soziale Funktion von Gesellschaftsspielen gehe in elektronischen Spielen verloren.

Digitale Technik bei Kleinkindern umstritten

Auch Rebekka Henschel, die im Studiengang Informationsdesign ihre Bachelorarbeit über die Entwicklungspsychologie von Null- bis Dreijährigen geschrieben hat, empfiehlt Eltern, ihren Kindern erst ab drei Jahren Touchscreen-Geräte zu geben – und dann auch nur zeitlich eingeschränkt. "Kleinkinder entwickeln erst ab 18 Monaten einen bildlichen Tiefensensor", sagt Henschel. Erst dann begreifen sie, dass nahe Objekte groß wirken und umgekehrt weit entfernte Objekte klein. Ein Bildschirm kann die Realität nicht abbilden. Wenn Eltern ihren Kindern Bilderbücher zeigen, sollten sie dazu kein Tablet benutzen. "Kleinkinder lernen beim Umgang mit Büchern essentielle Dinge, zum Beispiel, dass sie aus Büchern Informationen bekommen, Seiten umgeblättert werden können und im westlichen Kulturkreis von links nach rechts und von oben nach unten gelesen wird."

Ob der frühe Umgang von Kleinkindern mit digitaler Technik für die Entwicklung gut ist, ist in der Literatur umstritten. Es gibt für beide Seiten Argumente. Henschel ist dagegen. "In der Frühpädagogik kann man keine Entwicklung vorziehen, aber diese unterstützen."

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

06. Mai 2013

KONTAKT

Prof. Dr. Michael Burmester

Informationsdesign

Telefon: 0711 8923-3101

E-Mail: burmester@hdm-stuttgart.de

Prof. Dr. Roland Mangold

Informationsdesign

Telefon: 0711 8923-3119

E-Mail: mangold@hdm-stuttgart.de

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