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„About:Kate“ bei ARTE 22. Mai 2013

Multimediale Therapiebegleitung

Florian Hager im Interview


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Florian Hager, stellvertretender Programmchef von ARTE verknüpft TV und Social Media. Foto: Jens Becker/lensemann.de
Florian Hager, stellvertretender Programmchef von ARTE verknüpft TV und Social Media. Foto: Jens Becker/lensemann.de

Florian Hager (37) hat an der HdM Audiovisuelle Medien studiert. Heute ist er stellvertretender Programmdirektor von ARTE, nachdem er zwei Jahre lang Hauptabteilungsleiter Neue Medien war. Er verantwortet in seiner jetzigen Funktion die Bereiche Programmplanung, Programmkonzeption und Edition/ Sendeleitung/ Senderegie sowohl für TV als auch für die neuen Medien. Ein Gespräch über die Herausforderung neuer TV-Formate und über das Konzept hinter „About:Kate".

HdM-Redaktion: Sind transmediale TV-Formate die Zukunft?

Florian Hager: Ich kein Fan von Orakeln. Worüber ich berichten kann, sind die Erfahrungen, die wir jetzt und heute bei ARTE machen. Das gilt sicher nicht im Allgemeinen für die komplette TV-Landschaft.

Wo genau liegt da der Unterschied?

Wir müssen dafür sorgen, dass die Zuschauer und Nutzer den Weg zu unseren Programmen finden und das ist bekanntlich für ARTE ja schon auf dem TV-Ausspielweg nicht einfach. Wenn alle, die ARTE so toll finden, auch ARTE schauen würden, wären wir Marktführer. In der Logik eines klassischen Fernsehsenders ist aber mit der Abgabe des "Sendebandes" in der Senderegie die Arbeit eines Redakteurs beendet. Jetzt können wir aber nicht mehr davon ausgehen, dass der Nutzer automatisch über unsere Inhalte stolpert, jeden Morgen auf unserer Homepage schaut und sich fragt, was ARTE denn so zu bieten hat. Es ist also unsere Aufgabe als "Sender", unsere Inhalte selbst aktiv zu den Nutzern zu bringen.

Da kommen die Neuen Medien ins Spiel...

Richtig, genau hier versuchen wir bei ARTE anzusetzen: Durch die neuen Medien haben Programme ein "Leben" vor, während und nach der Ausstrahlung. Zudem findet die Nutzung unserer Programme neben dem Fernsehen vermehrt auf Tablets oder Smartphones statt, die eine mobile Nutzung und eine Kommunikation zwischen den Endgeräten ermöglichen. Wir reden hier nicht von Zukunft, sondern von vorgestern: Die "digitale Revolution" ist längst in der Normalität angekommen,  für uns bei ARTE eine willkommene Erweiterung des klassischen Fernsehbegriffs.

Wie setzt ARTE das um?

Wir experimentieren mit Formaten, die die verschiedenen Temporalitäten und Nutzungssituationen beachten. Darüber hinaus bin ich davon überzeugt, dass wir dem Nutzer die Möglichkeit der Wahl ermöglichen müssen, in welcher Durchdringungstiefe er unsere Inhalte konsumieren will. Machen wir uns aber nichts vor: Das wird auch noch auf Jahre hinaus bei den meisten das "einfache Anschauen" von Bewegtbildinhalten sein.

Zu dem neuen Format „About:Kate": Ist es nicht ein Widerspruch, dass wir auf allen Kanälen mit Kate auf die Weise mitfiebern, die sie aus ihrer eigenen Wahrnehmung so "krank" und "wahnsinnig" macht?

Genau das war ja die Grundidee der Serie, das "Spiel" mit Realität und Fiktion vor dem Hintergrund der Möglichkeit, in Echtzeit auf mehreren medialen Kanälen präsent zu sein. Das hört sich jetzt ziemlich unsexy an. Der damalige Programmdirektor hat mir aber vertraut, und zum Glück ist mit Hilfe von Christian Ulmens Produktionsfirma ja auch eine richtig gute TV-Serie entstanden, die sich auch einfach so konsumieren lässt.

Was passiert, wenn sich der Zuschauer in das Programm hineinbegibt?

Er stellt sich zwangsläufig selbst irgendwann die Frage, was ist Realität, was Fiktion? Was gebe ich von mir selbst Preis, welche Spuren hinterlasse ich, welche Rückschlüsse lassen sich dadurch ziehen, bin das dann noch ich? Kate ist dabei ja nur eine Art Projektionsfläche.

Was macht ein sinnvoll angelegtes Social-TV-Projekt aus?

Zunächst ist die Frage, was heißt eigentlich "Social-TV"? In der momentan gebräuchlichen Auslegung kann Social-TV von einfacher Twitterbegleitung bis zu Sendungen wie "Berlin Tag und Nacht" gehen, mit einer Nutzung von Facebook, die die ganze Social-TV-Idee ad absurdum führt: Auf einen Post im Sinne von "Der xy ist echt doof" antworten manchmal in wenigen Sekunden mehrere tausend Nutzer. Ist das noch sinnvoll?

Und die andere Seite der Medaille?

Dem gegenüber steht, dass Fernsehen von jeher das "sozialste" Medium ist. Es ermöglicht immer noch am meisten "Anschlusskommunikation". Und genau diese gilt es mit den Mitteln der digitalen Medien herzustellen. Dabei stellen sich drei Kernfragen: Wen will ich erreichen, wie soll der- oder diejenige mit den Inhalten interagieren und was will ich mit der im Idealfall erfolgten Interaktion erreichen? Da gibt es leider noch keine "Blaupausen". Wir sind alle noch am experimentieren.

Mira Kleine

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