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Print vs Online

Paid Content - Werbung ändere dich

Der Gratisjournalismus neigt sich dem Ende: Über 40 deutschsprachige Zeitungen haben mittlerweile Paywalls eingeführt. Ab dem 11. Juni 2013 setzt auch BILD auf ein Bezahlmodell. Dennoch halten andere Zeitungen an der Kostenloskultur fest und appellieren an die Nutzer und die Werbeindustrie.

Zur Detailansicht BILD-Vorstand Andreas Wiele erklärte am 27. Mai 2013 das neue Bezahlmodell auf BILD, Foto: Screenshot von http://www.bild.de/news/inland/bildplus/marken-abo-und-bezahlmodell-fuer-digitale-journalistische-inhalte-30578338.bild.html, Foto: Fabian Matzerath

BILD-Vorstand Andreas Wiele erklärte am 27. Mai 2013 das neue Bezahlmodell auf BILD, Foto: Screenshot von http://www.bild.de/news/inland/bildplus/marken-abo-und-bezahlmodell-fuer-digitale-journalistische-inhalte-30578338.bild.html, Foto: Fabian Matzerath

Zur Detailansicht Die "taz" setzt auf ein freiwilliges Bezahlsystem, Foto: Screenshort von www.taz.de

Die "taz" setzt auf ein freiwilliges Bezahlsystem, Foto: Screenshort von www.taz.de

Zur Detailansicht Golem.de ist eines der Nachrichtenportale, das keine Bezahlschranke einführen will.

Golem.de ist eines der Nachrichtenportale, das keine Bezahlschranke einführen will.

Der Werbeblocker Adblock unterstützt die Zeitungskampagne, Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f4/Adblockplus_icon.png

Der Werbeblocker Adblock unterstützt die Zeitungskampagne, Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f4/Adblockplus_icon.png

Paid Content ist beim Online-Journalismus nichts Neues: Bereits vor über zehn Jahren haben einige der insgesamt über 350 Zeitungen in Deutschland versucht, für ihre Online-Inhalte Geld zu nehmen. Die meisten Zeitungen kehrten zum Gratis-Journalismus zurück, nur die "Sächsische Zeitung" hat es geschafft, ihr Bezahlmodell seit 2004 zu halten. Mittlerweile nutzen 40 weitere Zeitungen Bezahlschranken.

Viele Zeitungen haben das "Metered Modell", bei dem Nutzer eine bestimmte Anzahl an Artikeln, die je nach Redaktion variiert, kostenlos lesen können. Ist die Anzahl überschritten, fällt die Bezahlschranke. Bei "Welt" können Nutzer 20 Artikel im Monat gratis anklicken. Andere Zeitungen wie das "Hamburger Abendblatt" nutzen so genannte "harte Bezahlschranken", bei denen klar getrennt wird zwischen kostenlosen und kostenpflichtigen Beiträgen. Lediglich die "taz" setzt auf eine freiwillige Bezahlschranke: Wer nicht zahlen will, muss das auch nicht.

BILD bittet Leser zur Kasse

Am Dienstag, den 11. Juni 2013, führt auch BILD Paid Content mit einer "harten Bezahlschranke" ein. Bei der Bekanntgabe vor zwei Wochen auf BILD.de sagte Andreas Wiele, Vorstand BILD-Gruppe und Zeitschriften: "Unabhängiger Journalismus hat in der digitalen Welt nur eine Chance, wenn er wie auch im klassischen Printgeschäft über Anzeigen- und Vertriebserlöse finanziert wird." Kostenpflichtig sind die "exklusiven Geschichten, die besonderen Interviews und Hintergründe, die einzigartigen Fotos", erklärte BILD.de-Chefredakteur Manfred Hart.

Das neue Abo, BILDplus, kostet zwischen 4,99 und 14,99 Euro im Monat (wie bei der "Welt"), je nachdem, ob das Abo nur für mobile Endgeräte oder auch mit einem Kiosk-Abo verbunden ist. Zusätzlich gibt es für Käufer der gedruckten Ausgabe einen "Tagespass" für die kostenpflichtigen Online-Geschichten, die der Leser über einen individuellen Code im Blatt freischalten kann. Fußballfans müssen ab August 2013 weitere 2,99 Euro im Monat ausgeben, wenn sie an einer umfangreichen und multimedialen Fußballberichterstattung interessiert sind.

Die Werbung ist Schuld

Doch nicht alle Zeitungen wollen sich mit einem Bezahlmodell anfreunden, um gegen ihre sinkenden Auflagenzahlen und ihre geringeren Einnahmen anzukämpfen. Mitte Mai 2013 riefen deshalb die Nachrichtenportale von Spiegel Online, Süddeutsche.de, FAZ.net, Zeit, RP-Online und Golem.de ihre Leser in einer gemeinsamen Aktion auf, Werbung auf ihren Webseiten zuzulassen. Auf Süddeutsche.de wurde beispielsweise ein Werbebanner mit dem Bild von Chefredakteur Stefan Plöchinger gezeigt, der sagte: "Wir finanzieren unseren Journalismus im Internet vor allem durch Anzeigenerlöse und sind essenziell darauf angewiesen. Ich bitte Sie daher, Ihre Adblocker zumindest für unsere Seite zu deaktivieren." Die Kampagne sollte das Bewusstsein der Leser schärfen.

Doch mit dem Ausschalten der Werbeblocker allein ist es nicht getan. In einer Erklärung auf Golem.de heißt es, dass das Nachrichtenportal jene Leser versteht, die Werbung ausschalten. Aber die Seiten brauchen die Werbung, um sich zu finanzieren. Deshalb sollte Werbung nicht gegen, sondern für Leser gemacht werden. Besonders jene Werbung, die ungefragt großflächig und mit Ton aus dem Bildschirm erscheint und die eigene Tätigkeit unterbricht, sei aufdringlich und penetrant. Doch Werbung dürfe nicht stören oder ungefragt Videos abspielen.

Das Ziel: "Akzeptable Werbung"

Unterstützung erhält die Kampagne auch vom Werbeblocker Adblock: Das Unternehmen ist froh, dass die Zeitungen die Aufmerksamkeit auf die Nutzerzufriedenheit mit Onlinewerbung gelenkt haben. Weiter heißt es: Die Online-Werbeindustrie müsse sich eine neue Art von Online-Werbung einfallen lassen und solle nicht das Konzept der TV-Werbung, "maximale Aufmerksamkeit erzeugen", übernehmen. Denn auch Adblock glaubt an eine Finanzierung durch Werbung, deshalb hat die Firma 2011 mit der Adblock Plus Community eine Initiative ins Leben gerufen, bei der die Mitglieder die Werbung aufteilen können: in "akzeptable", also nicht aufdringliche, und eben nicht akzeptable Werbung. In Zukunft soll "akzeptable Werbung" nicht mehr automatisch blockiert werden.

Quellen:
www.golem.de
www.adblockplus.org
www.bild.de
www.meedia.de
www.dwdl.de
www.stuttgarter-zeitung.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

06. Juni 2013

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