DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Studie "Digitales Leben 2020"

Ist die Gigabitgesellschaft überfordert?

Teilhabe, Transparenz und Vernetzung fordert die Bevölkerung heute. Doch was passiert, wenn die gesellschaftlichen Trends wahr werden und sich die Menschen von den Entwicklungen überfordert fühlen? Eine neue Studie vom Fraunhofer-Institut skizziert sechs Zukunftsszenarien.

Zur Detailansicht In Zukunft sollen Wissen und Informationen frei zugänglich sein.

In Zukunft sollen Wissen und Informationen frei zugänglich sein.

Zur Detailansicht Alles in Echtzeit: Wenn die Festnetzkapazitäten und die mobile Netzinfrastruktur ausgebaut werden, wird das Realität.

Alles in Echtzeit: Wenn die Festnetzkapazitäten und die mobile Netzinfrastruktur ausgebaut werden, wird das Realität.

Zur Detailansicht Die Vernetzung wirkt sich beispielsweise auf die Mobilität aus, Illustrationen: Lennart Andresen / Initiative D21.

Die Vernetzung wirkt sich beispielsweise auf die Mobilität aus, Illustrationen: Lennart Andresen / Initiative D21.

Vor wenigen Wochen veröffentlichte das Frauenhofer-Institut die Studie "Digitales Leben 2020": Darin beschreiben Forscher sechs Zukunftsszenarien, die auf aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen basieren. Die Wissenschaftler sind sich einig, die Gigabitgesellschaft wird kommen und damit eine Welt, in der alle Menschen ständig und überall miteinander vernetzt sind.

Allerdings kommt die Gigabitgesellschaft nur, wenn Technik und Nutzer bestimmte Anforderungen erfüllen: Einerseits müssen die gesamten Mobilfunknetze ausgebaut, die Übertragungsgeschwindigkeiten schneller und eine bereichsübergreifende Anwendung gewährleistet werden. Andererseits müssen die Nutzer ihre persönlichen Daten offen legen und sich in ihrer Medienkompetenz schulen, denn die steigende Nutzeranzahl geht mit einer größer werdenden Medienkompetenz einher. Aktuell sind zwei Drittel der Gesamtbevölkerung online. 2020 soll jeder Mensch überall auf der ganzen Welt und zu jeder Uhrzeit über Internet verfügen.

Die Welt heute

In der Welt von heute fordern die Bürger mehr Transparenz und Partizipation auf allen Ebenen des politischen Lebens. Sie wollen über Informationen, Einkaufsmöglichkeiten und Bildungsangebote digital und unmittelbar verfügen und sie rücken ihre eigenen Interessen zunehmend in den Mittelpunkt. Auch wollen die Menschen energiebewusster, nachhaltiger, gesünder, ressourcensparender und flexibler leben.

Die positive Welt von morgen

Wenn in Zukunft jeder online ist und seine Daten schnell, zuverlässig und günstig übermittelt, kann die Vernetzung zahlreiche Vorteile mit sich bringen: Bürger könnten echte Beteiligungsmöglichkeiten in Politik, Bildung und Wissenschaft erlangen und Wissen wäre plötzlich für jeden frei zugänglich. Außerdem könnten sie zu authentischen Reportern werden, die über die Zustände in ihrer Region berichten und beispielsweise auf die Situation ihrer kulturellen Einrichtungen hinweisen – und wenn es etwas zu ändern gibt, nehmen sie es selbst in die Hand. In dem Zusammenhang werden auch 3D-Drucker genannt, die künftig für alle erschwinglich sein sollen, so dass zum Beispiel Ersatzteile direkt aus dem heimischen Drucker kommen.

Die gute Vernetzung wirkt sich auch auf die Gesundheit und ein nachhaltiges Leben aus, denn das Gesundheitssystem kann durch die Digitalisierung wirkungsvoller und qualitativ hochwertiger werden. Technik kann ebenfalls helfen, nachhaltiger zu leben, mehr Energie zu sparen und selbst erzeugten Strom effizienter einzusetzen. Auch bräuchten Bürger kaum noch eigene Autos, denn dank intelligenter Mobilität, Verkehrsleitsystemen und Car-to-Car-Kommunikation kommt jeder mit Mitfahrgelegenheiten, Mietfahrrädern und Co schnell von A nach B.

Die negative Welt von morgen

Die positiven Zukunftsszenarien können aber auch scheitern, wenn Technik und Mensch ihre Anforderungen nicht erfüllen: Wenn die Datennetze nicht ausgebaut werden, könnten Informationen nur langsam und unsicher übertragen werden. Eine Echtzeitübertragung und eine ständige Vernetzung wären dann nicht möglich. Es könnte aber auch so kommen, dass sich die Menschen durch die Datenflut überfordert fühlen, eine Einschränkung ihrer Lebensqualität befürchten oder Sorge vor einer Preiserhöhung haben. Letztendlich würden Bürger beispielsweise wieder stärker für Arbeitsteilung und Spezialisierung plädieren, als alles selbst machen zu wollen. Und auch zu einer echten Mitgestaltung in Politik, Bildung und Wissenschaft käme es nicht.

Der Großteil der Entwicklung hängt laut der Fraunhofer-Studie aber am Ausbau der Netze. In dem Punkt verwundert es umso mehr, dass die Studie von der Deutschen Telekom AG unterstützt wird.

Quellen:
www.initiatived21.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

10. Juni 2013

ARCHIV

Medienwelt
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Stephan Ramming

am 01.07.2013 um 11:45 Uhr

"Der Großteil der Entwicklung hängt laut der Fraunhofer-Studie aber am Ausbau der Netze. In dem Punkt verwundert es umso mehr, dass die Studie von der Deutschen Telekom AG unterstützt wird." - wundert mich eigentlich nicht. In anderen europäischen Ländern haben Regierungen Milliarden für den Ausbau von Glasfasernetzen in die Hand genommen. Wo in anderen Eu-Ländern 100mbit bereits Standard sind brüsten sich unsere Kabelbetreiber mit 50mbit. Laut deutscher Regierung sollte die Telekom das Netz ausbauen (Infrastruktur bereit stellen) und auch den Zweitanbietern (O2, Vodafone) zur Verfügung stellen. Logisch macht die Telekom mit um zu beweisen wie wichtig die Infrastruktur ist. Es verlangt ja auch niemand von VW, Mercedes und BMW gefälligst neue Straßen zu bauen, da sie ja Autos produzieren ... ;-)

Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren