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Hochschule der Medien

Filmhochschule Baden-Württemberg

Ein Spot, der provoziert

Eine Abschlussarbeit dreier Studenten der Filmhochschule Baden-Württemberg sorgt im Netz für Diskussionen und bei der Daimler AG für Unmut: In dem Clip überfährt eine Mercedes-Karosse ein Kind, das sich als Adolf Hitler rausstellt. Weil das Fahrerassistenzsystem eben "Gefahren erkennt, bevor sie entstehen." Satire, Kunst oder Geschmacklosigkeit?

Eine der letzten Szenen des Kurzfilms: Der kleine Adolf Hitler liegt als Hakenkreuz leblos auf der Straße, nachdem ihn das Auto gerammt hat. Foto: Screenshot Vimeo

Eine der letzten Szenen des Kurzfilms: Der kleine Adolf Hitler liegt als Hakenkreuz leblos auf der Straße, nachdem ihn das Auto gerammt hat. Foto: Screenshot Vimeo

Die Bilder, die man sieht, während eine Mercedes-Limousine durch ein historisch anmutendes Dorf fährt, sind hübsch anzusehen. Nebel liegt in der Luft, die Stimmung ist idyllisch. Das Auto ist von schlichter Eleganz und schlau, denn es bremst ganz automatisch, als zwei spielende Mädchen auf die Straße laufen. Nur für einen kleinen Jungen mit Drachen bremst das Auto nicht. Es hält geradewegs auf ihn zu - und überfährt ihn. Es gibt einen Rumms, die Mutter schreit panisch seinen Namen, der Junge liegt merkwürdig verrenkt auf der Straße. Das Auto verlässt das Dorf, fährt am Ortsschild "Braunau am Inn" vorbei, während Adolf, scheinbar tot, als Hakenkreuz auf dem Boden liegen bleibt. Nach dieser Einstellung wird der Bildschirm schwarz und der Mercedes Slogan "Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen." wird eingeblendet. Ist das Werbung, wie sie sein sollte?

Clip sorgt für Diskussionen

Im Netz gehen die Meinungen zum Clip auseinander: Während ihn die einen als "genial" feiern und in dem Clip einen künstlerischen Geniestreich sehen, finden ihn die anderen "nicht witzig", ethisch unkorrekt und völlig geschmacklos. Die Daimler AG ist 'not amused' und hat sich von dem Film distanziert. Das Unternehmen hat den Hinweis, dass die Abschlussarbeit der Studenten kein autorisierter Clip ist, nachträglich einfügen lassen und sich in einem Statement ganz klar geäußert: "Wir sind der Überzeugung, dass es unangemessen ist, den Tod eines Menschen beziehungsweise eines Kindes sowie Inhalte mit einem Bezug zum Nationalsozialismus in einem Werbespot zu verwenden, auch wenn es sich hier nur um einen 'fiktiven' Werbespot handelt."

Der Regisseur des Films, Tobias Haase, findet dagegen, Autobauer sollten sich in Sachen Werbung mehr trauen: "Es gibt unglaubliches Potenzial, tolle Filme zu machen, aber die Firmen wollen zumeist ihre technischen Neuerungen gezeigt haben. Das ist langweilig." Trotzdem verstehe er die Reaktion des Unternehmens.

Was wäre wenn ...

Die Popularität im Netz, die Diskussionen, die er entfacht, das virale Marketing - all das wird dem Kurzfilm, der den Namen "MCP" trägt, sicher gut tun. Denn immerhin ist der Clip für den "First Steps"-Award nominiert. Der deutsche Nachwuchspreis wird für Abschlussarbeiten aller Filmschulen in Deutschland verliehen. Pikanterweise gehört auch Mercedes-Benz zu den Unterstützern. 

"Was wäre, wenn ein Bremsassistent schon viel früher entwickelt worden wäre, viel besser funktionieren würde und eine Seele hätte?" - mit dieser Frage wird der Kurzfilm "MCP" auf der Seite des "First Steps"-Awards beschrieben. Eine Antwort darauf wollen Haase und sein Team mit einem Augenzwinkern bieten. Das Problem an der Sache ist nur, dass in diesem Augenzwinkern das satirisch-ironische Element überdeckt wird von Assoziationen wie "tote Kinder im Straßenverkehr", "überschlaue Maschinen" oder "Selbstjustiz". Was im Endeffekt vielleicht aber völlig zweitrangig sein könnte. Denn Provokationen sorgen immerhin für ein Medienecho. Was dann auch geschafft wäre.

Quellen:
www.rp-online.de
www.n24.de
www.spiegel.de
www.firststeps.de

Kristina Simic

VERÖFFENTLICHT AM

27. August 2013

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