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Hochschule der Medien

Bundestagswahl 2013

Deutsche Politiker im Netzwerk-Modus

In drei Wochen ist Bundestagswahl: Bei den Facebook-Fans hat Kanzlerin Angela Merkel die Nase vorn, SPD-Gegenkandidat Peer Steinbrück hingegen bei Twitter. FDP und NPD erleben währenddessen einen Shitstorm, weil sie im Werbespot die gleiche glückliche Familie zeigen. Doch trotz Social Media-Einbindung läuft die Polit-Diskussion schleppend.

Zur Detailansicht "Die Wahlkampfmatches haben ja grade erst angefangen.", Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=W1KC2-sFO4c

"Die Wahlkampfmatches haben ja grade erst angefangen.", Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=W1KC2-sFO4c

Zur Detailansicht "Oft betreten wir auch Neuland.", Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=Mk06yfbXQYg

"Oft betreten wir auch Neuland.", Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=Mk06yfbXQYg

Seit wenigen Jahren setzen Politiker zunehmend auf das Internet und die sozialen Medien. Sie posten, twittern, stellen Videos online und bloggen. Auch im diesjährigen Wahlkampf zur Bundestagswahl am 22. September 2013 bespielen die Abgeordneten und ihre Parteien alle Kanäle. Die Piraten-Partei gilt dabei als Vorreiter in der politischen Online-Kommunikation. Auf zahlreichen Kanälen wie Facebook, Twitter, Tumblr, Flickr, Google+ oder YouTube informieren sie ihre Anhänger.

Die etablierten Parteien lassen sich ebenfalls nicht lumpen: Geht es nach den Fans auf Facebook liegt Angela Merkel mit über 340.000 Gefällt-mir-Klicks vorn. Ihre Partei, die CDU hat allerdings nur rund 41.000 Likes, aber immer noch deutlich mehr als die SPD mit etwa 12.000 Likes oder deren Kandidat Peer Steinbrück mit rund 30.000 Likes. Anders bei Twitter: Hier ist Merkel mit rund 8400 Followern weit abgeschlagen, Steinbrück hat rund fünfmal so viele Anhänger und die Piratenpartei kommt auf über 118.000 Personen, die ihrem Kanal folgen.

"Was haben FDP, NPD und Quark gemeinsam?"

Doch auch wenn sich die sozialen Medien gut als politische Instrumente eignen, weil die Politiker so schneller und direkter mit den Bürgern kommunizieren können, birgt die politische Inszenierung im Netz Risiken: Einerseits müssen die Politiker abwägen, in wie weit sie Einblick in politische Prozesse und auch ihr Privatleben geben. Andererseits ist das Medium gefährlich, weil eine unbedachte Nachricht weitreichende Folgen haben kann.

Aktuell stehen die FDP und die NPD im Rampenlicht, weil in ihren Wahlwerbespots die identische Familie gezeigt wird. Die jeweiligen Werbeagenturen griffen dabei auf bereits bestehendes und kostenfrei zur Verfügung gestelltes Werbematerial zurück. Der "dumme Zufall", wie ihn die FDP nennt, sollte schnellstmöglich behoben sein. Und das ist sicher besser so, denn die Worte von Sebastian Brux, dem Büroleiter des Grünen-Geschäftsführers Volker Beck in Berlin, schlugen bereits weite Wellen: "Was haben FDP, NPD und Quark gemeinsam? Das Familienbild." Gleichsam überdeckt die Pannen-Diskussion die neuen Werbespots der anderen Parteien: Beispielsweise präsentiert die CDU Angela Merkel, die sich mit einem ungewohnten roten Blazer schmückt und die SPD, die mit Wahlbürgern wirbt.

Parteien lassen Gegner schlecht dastehen

Untereinander sind die Parteien nicht immer nett - was kaum wundert in Zeiten, in denen Parteien Wahlpropaganda betreiben: Die Grünen in Bayern haben ein Online-"Schurkenquartett" zusammengestellt, auf deren Karten 16 CSU-Politiker in den Kategorien Alter, Angestellte Verwandte, Schmutzelfaktor, Doktortitel und Affären gegeneinander antreten können. Auch im Namen der Linken kursiert auf YouTube ein Video, dass ein mit SPD-gekennzeichnetes Auto zeigt. Es ist auf dem Weg zur Wahlkampfgegnerin Merkel und muss allerlei Hindernisse wie die Bankenkrise umfahren. "100 Prozent sozial – ohne Spielereien", lautet der Slogan am Ende.

Seriösere Informationen zu Politikern und Parteien zeigen hingegen zahlreiche Portale, die beispielsweise von Zeitungen oder auf Portalen wie Google bereitgestellt wurden. Selbstverständlich sollen die Bürger im Fernsehen informiert werden, der klassischen Medienplattform im Wahlkampf. So war beispielsweise die Politik-Sendung "Task Force Berlin", die vom 26. Bis 29. August 2013 auf ProSieben lief, vor allem auf jüngere Wähler zugeschnitten. Unter anderem interviewte Reggae-Musiker Gentleman Peer Steinbrück. Auf Unterhaltung setzte auch die ZDF-Quizshow "Wie wählt Deutschland?" am 29. August 2013, in der das politische Wissen von prominenten Gästen abgefragt wurde. Deutlich sachlicher wird es beim ersten Fernsehduell am Sonntag, den 1. September 2013, ablaufen, wenn sich Merkel und Steinbrück gegenüberstehen (20:30 Uhr, ARD, ZDF, ProSieben, RTL). Das letzte Wort im Fernsehen hat allerdings Stefan Raab mit seiner Sendung "TV total Bundestagswahl" am Abend vor der Wahl.

Quellen:

www.sueddeutsche.de
www.zeit.de
www.spiegel.de
www.tagesspiegel.de
www.bild.de
www.ksta.de

Franziska Böhl

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Martin

am 30.08.2013 um 19:19 Uhr

Und kein Wort über die AfD mit ihren knapp 54.000 likes? Setzen, Sechs!

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