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Küsschen, Zigeunersauce & Co.

Die politische Korrektheit von Nahrungsmitteln

Das Küsschen von Ferrero gibt es mit weißer Schokolade und das ab sofort nicht mehr nur saisonal, sondern dauerhaft. Doch ebenso groß wie die Freude der Liebhaber von weißer Schokolade, ist die Empörung über die Werbung zu den Küsschen: Sie wird als rassistisch bezeichnet.

Webung für die weißen Küsschen. Foto: Ferrero via Facebook

Webung für die weißen Küsschen. Foto: Ferrero via Facebook

Die "Zigeuenersauce" musste Kritik einstecken. Foto: www.kuehne.de

Die "Zigeuenersauce" musste Kritik einstecken. Foto: www.kuehne.de

Das "Mohrenbräu"-Etikett mit dem umstrittenen Logo. Foto: wwww.mohrenbrauerei.at

Das "Mohrenbräu"-Etikett mit dem umstrittenen Logo. Foto: wwww.mohrenbrauerei.at

"Deutschland wählt weiss" ist der Slogan, der auf der Plakatwerbung von Ferrero zu sehen ist. Im Werbespot sieht man ein weißes Küsschen, das am Rednerpult steht, und von seinen Wählern mit den Rufen "Yes weiss can" und "Weiss nuss bleiben" gefeiert wird. Die Kampagne provozierte auf Facebook einen Shitstorm, auf den das Unternehmen prompt reagierte und nicht nur jegliche Rassismus-Vorwürfe zurückwies, sondern auch ankündigte, die Kampagne zu überarbeiten. Doch die "weißen Küsschen" sind nicht die einzigen Nahrungsmittel, deren Bezeichnung in letzter Zeit für Diskussionen sorgte.

Aufreger: "Zigeunersauce"

Auch die Zigeunersauce war vor einigen Wochen in aller Munde. Das "Forum für Sinti und Roma" in Hannover hatte den Namen "Zigeunersauce" beanstandet, weil der Begriff diskriminierend sei, und als Alternative beispielsweise "Paprika-Sauce" vorgeschlagen. Geändert werden soll an der Bezeichnung vorerst jedoch nichts. Hersteller verwiesen auf die lange Tradition des Begriffs und assozieren mit dem Namen nichts Negatives, geschweige denn Diskriminierends. Selbst der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma warnte vor einer dogmatischen Sprachregelung und rief zu einem kritischen und reflektierten Sprachgebrauch auf. Zu solchen Diskussionen kommt es immer wieder, was verständlich ist, da Sprache einem Wandel unterliegt und sich ständig weiterentwickelt.

Nicht PC: Negerkuss und Sarotti-Mohr

Der Schokoladenhersteller Sarotti beispielsweise sah sich 2004 mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert. Lange Zeit zierte der sogenannte "Sarotti-Mohr" die Produkte des Schokoladenherstellers. Doch sein Aussehen und der Name sorgten für Kritik, sodass Sarotti aus dem "Mohr" den "Magier der Sinne" und seine ehemals dunkle Hautfarbe golden machte. Auch das Tablett, das der "Mohr" in der Hand trug, ist verschwunden. Stattdessen wirft der Magier Sterne in die Luft. Das bekannteste Bespiel der politisch nicht korrekten Nahrungsmittel ist sicher der "Negerkuss" oder "Mohrenkopf". Die süße Leckerei wird heute als "Schokokuss" oder "Schaumkuss" verkauft. 

Debatte auch bei Bier und Eis

In Österreich musste sich die Firma "Mohrenbräu" wegen der Etiketten auf ihren Bierflaschen ebenfalls Rassismus-Vorwürfe anhören. Das Etikett ziert das Profil eines Mannes, der mit krausen Haaren, einer großen Nasen und markanten Lippen ausgestattet ist: das Stereotyp eines Afrikaners. Auf Facebook entstand die Gruppe "No Mohr", die für die vorarlberger Brauerei ein politisch korrektes Logo entwarf. Doch das Unternehmen wies alle Vorwürfe zurück, berief sich auf ihre jahrhundertelange Tradition, ihre regionale Verankerung und Bodenständigkeit. Ähnlich war es auch bei "Eskimo", dem österreichischen Pendant zu "Langnese", von Unilever. Die Bezeichnung "Eskimo" gilt ebenfalls als politisch nicht korrekt, doch der Name der Eismarke ist - nach vereinzelter Kritik und einem darauffolgenden Dialog - erhalten geblieben.

 

Quellen:
www.horizont.net
www.rp-online.de
www.stern.de
www.focus.de
www.bierbasis.de
www.bild.de

 

Kristina Simic

VERÖFFENTLICHT AM

03. September 2013

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