DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Car-2-Car-Kommunikation

Von der Konkurrenz inspirieren lassen

Sprechende Autos galten lange als Fiktion, doch in wenigen Jahren könnten sie zum Alltag gehören. Automobilhersteller wie Mercedes haben bereits erste Kommunikationssysteme vorgestellt. Auch an der Hochschule der Medien (HdM) wird in dem Bereich geforscht. HdM-Studenten berichten über die Ergebnisse.

Zur Detailansicht Johannes Goth und Heiko Stumpf entwickelten mit zwei Kommilitonen ein eigenes Car-2-Car-Kommunikationssystem, Foto: Franziska Böhl.

Johannes Goth und Heiko Stumpf entwickelten mit zwei Kommilitonen ein eigenes Car-2-Car-Kommunikationssystem, Foto: Franziska Böhl.

Zur Detailansicht Im Notfall wird auf dem Smartphone eine Bremswarnung angezeigt, Foto: Heiko Stumpf.

Im Notfall wird auf dem Smartphone eine Bremswarnung angezeigt, Foto: Heiko Stumpf.

Zur Detailansicht So sah ihr Testergebnis für die Stadt Stuttgart aus, Foto: Heiko Stumpf.

So sah ihr Testergebnis für die Stadt Stuttgart aus, Foto: Heiko Stumpf.

Seit einigen Jahren beschäftigen sich verschiedene Forschungsprojekte mit Car-2-Car-Kommunikation. Sie entwickeln unterschiedliche Technologien, mit denen die Fahrzeuge untereinander (Car-2-Car) oder mit der Infrastruktur (Car-2-X) kommunizieren und beispielsweise vor Gefahren wie abrupten Bremsungen oder Aquaplaning warnen und so Unfälle vermeiden sollen. Eines der größten Forschungsprojekte nennt sich "Sichere Intelligente Mobilität – Testfeld Deutschland simTD" und startete im November 2008 in Hessen. Die Automobilhersteller Audi, Daimler, BMW, Ford, Opel, Volkswagen sowie andere Unternehmen sind daran beteiligt. Mercedes hat in diesem Jahr bereits eine erste eigene Car-2-X-Technologie in Form der App "Drive Kit Plus" auf den Markt gebracht.

Unabhängiges System mit Smartphone

Ein vom Fahrzeugtyp unabhängiges Frühwarnsystem wollten hingegen die HdM-Masterstudenten Heiko Stumpf, Johannes Goth, Antonio La Marca und Stefan Schmitt vom Studiengang Computer Science And Media entwickeln. Angestoßen wurde ihr Projekt von Professor Dr. Ansgar Gerlicher vom Studiengang Mobile Medien in der Vorlesung "Mobile Application". "Wir haben uns von der Konkurrenz inspirieren lassen und dann überlegt, was wir in dem Bereich machen können", sagt der 25-jährige Johannes Goth. Nach längerer Recherche stand fest: sie wollten etwas erarbeiten, dass massentauglich und unabhängig von Marke und Fahrzeugtyp ist. Das Smartphone schien die ideale Lösung, weil heutzutage fast jeder ein Smartphone besitzt und mit der Kommunikation über Mobilfunknetze eine bestehende und weitgehende Infrastruktur genutzt werden kann.

Unfälle vermeiden mit Echtzeitübertragung

Im vorletzten Semester entwickelten die Masterstudenten einen Prototypen, der auf Basis des Android-Betriebssystems funktioniert. Über das Fahrzeugdiagnosesystem On-Board-Diagnose, kurz ODB, haben sie die Fahrzeuggeschwindigkeiten auslesen können, mit denen sie wiederum den Geschwindigkeitsverlusts eines Autos messen konnten. Damit erkannten sie zum Beispiel, wann ein vor ihnen fahrendes Auto bremste und hatten bei einer entsprechend schnellen Datenübertragung des Smartphones von Fahrzeug A zu Fahrzeug B noch Zeit zu reagieren. "Den Abstand von zwei Autos hätten wir auch über die GPS-Daten messen können, aber die Daten direkt vom Auto sind jederzeit verfügbar, schneller und somit besteht nicht das Problem, dass zum Beispiel in einem Tunnel keine GPS-Daten empfangen werden können", sagt Goth.

Übertragungsgeschwindigkeit ist entscheidend

Um jedoch einen Unfall zu vermeiden, muss eine Bremswarnung in weniger als 100 Millisekunden erfolgen. Somit müssten die Fahrzeugdaten also in Echtzeit von Smartphone zu Smartphone übertragen werden. Im Februar 2013 testeten die Studenten den Prototypen mit den Mobilfunkstandards LTE, UMTS und GSM. Im Testgebiet Stuttgart-Mitte und Stuttgart-Flughafen konnten sie auf LTE zurückgreifen und eine schnelle Mobilfunkübertragung gewährleisten, im Landgebiet um Nürtingen war LTE noch nicht ausreichend ausgebaut. Mit UMTS und GSM dauerte die Datenübertragung auf allen drei Teststrecken zu lange.

Hersteller entwickeln lieber eigene Systeme

Am 16. Mai 2013 stellten sie ihr System auf der Fachtagung "Apps to Automotive" in Esslingen erstmals der Öffentlichkeit vor. "Die Automobilhersteller fanden unseren Prototypen zwar durchaus interessant, allerdings entwickeln diese ja selbst eigene Systeme und unseren Prototypen würden sie lieber als Zusatz verwenden", sagt Heiko Stumpf. Doch der 30-Jährige ist sich sicher, dass so ein Car-2-Car-System nur funktionieren kann, wenn jeder Autofahrer die gleichen Voraussetzungen hat: Doch dafür müsste zunächst einmal LTE flächendeckend ausgebaut werden und die App kostenlos für Smartphones zur Verfügung stehen, die dann jeder Fahrer nutzt. Doch bis alle Autohersteller in diesem Punkt zusammenarbeiten oder alle Fahrer ein Smartphone nutzen, wird es noch dauern.

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

15. Oktober 2013

KONTAKT

Prof. Dr. Ansgar Gerlicher

Mobile Medien

Telefon: 0711 8923-2788

E-Mail: gerlicher@hdm-stuttgart.de

Heiko Stumpf
E-Mailhs059@hdm-stuttgart.de

ARCHIV

Studium
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren