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Hochschule der Medien

Fakultät Druck und Medien

"Schnittstellen müssen Nutzerbedürfnissen gerecht werden."


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Screenshot der Online Banking Demo Anwendung. Den Eingabefeldern sind Gebärdensprach-Icons angefügt, über die der Benutzer eine Erklärung in seiner Gebärdensprache bekommt.

HdM: Wo liegen die Schwerpunkte bei oder in den einzelnen Projekten? Was sind die Forschungsziele?
Prof. Zimmermann: Der Forschungsschwerpunkt bei den adaptiven und adaptierbaren Multimediasystemen liegt auf dem Eyetracking und der Integration des Eyetracking in den Browser. Wir programmieren Benutzertests, die das Verhalten der Augen beim Lernen untersuchen. Der Browser reagiert auf die Augenbewegung und stellt fest, wohin der Proband schaut, während er versucht, Inhalte zu verinnerlichen. Danach wird ein weiterer Test durchgeführt, um zu sehen, wie hoch der Lernerfolg war und danach kann man, wenn nötig, auf Defizite hinweisen oder den Ablauf ändern, um das Lernverhalten zu optimieren.

Bei "Cloud4all" arbeiten wir gerade an einer Smart-Home Demo, die alle Geräte über entfernte Benutzerschnittstellen steuerbar macht. Außerdem an dem Matchmaker, einem System zur Interface-Konfiguration, so dass sich die Interfaces an den Benutzer und seine Bedürfnisse anpassen. Jetzt sind wir im Projekt auch dabei, eine barrierefreie Online-Banking-Applikation zu erstellen und diese an das "Cloud4all"-Backend anzuschließen. Beispielsweise für gehörlose Menschen, indem wir bei Bedarf Gebärdensprachvideos im Browser zeigen, welche zum Beispiel die Formularfelder für eine Überweisung erklären. Mit unseren Forschungsergebnissen wollen wir die Anbieter von Internetdiensten, dazu gehören auch Banken, von GPII überzeugen, so dass sie es in ihren Anwendungen einsetzen. Ab Februar 2014 kommt noch ein weiteres Projekt, "Prosperity4all", dazu.

HdM: Wie kommen die Projekte zustande?
Prof. Zimmermann: Das Projekt "Adaptierbare und adaptive Multimediasysteme" entstand noch während meiner Zeit als Professor an der Universität Tübingen. Ich habe es an die HdM sozusagen "mitgebracht". Das Mitwirken an "Cloud4all" ist durch Beziehungen entstanden. Es ist Teil des Projekts "Global Public Inclusive Infrastructure (GPII)", das an der Universität Wisconsin entstanden ist, wo ich als PostDoc gearbeitet habe.

HdM: Wer sitzt bei Ihren Projekten mit im Forschungsboot?
Prof. Zimmermann: Neben Kollegen aus dem Forschungsleuchtturm, akademischen Mitarbeitern, Doktoranden und Studenten der HdM, sind bei "Cloud4all" 24 weitere Partner und drei Affiliierte mit dabei. Dazu gehören Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Benutzervertretungen und Industriepartner. Firmen, die in das Projekt involviert sind, sind unter anderem Microsoft, Mozilla, TP Vision (aus Philips heraus entstanden) und IT-Firmen, die Cloud Services anbieten.

HdM: Welche Partner kommen in Ihrem Forschungsbereich auf die HdM zu?
Prof. Zimmermann: Das ist sehr unterschiedlich. Ich hatte zum Beispiel neulich eine Anfrage einer Firma, die Software für Augenoptiker herstellt und ihre Produkte in der Benutzbarkeit verbessern möchte. Die Betriebe setzen gerne Studenten für Abschlussarbeiten ein, die von mir betreut werden, was natürlich eine gute Sache ist. Noch schöner wäre es aber, wenn man von den Firmen Forschungsaufträge bekäme. Man muss den Firmen deutlich machen, dass sie mehr aus der Forschungskooperation erhalten, wenn sie bereit sind, auch ein bisschen Geld in die Hand zu nehmen. Dabei kann uns der Forschungsleuchtturm REMEX helfen, weil er uns als Zusammenschluss die Möglichkeit gibt, uns breit aufgestellt nach außen zu präsentieren.

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Screenshot der Online Banking Demo Anwendung. Den Eingabefeldern sind Gebärdensprach-Icons angefügt, über die der Benutzer eine Erklärung in seiner Gebärdensprache bekommt.

HdM: Können sich Studenten einbringen?
Prof. Zimmermann: Forschung und Lehre sollen sich gegenseitig befruchten. Deshalb möchte ich sehr gerne Studenten haben, die bei den Projekten mitarbeiten. Einige Bachelorstudenten haben schon in Projekten mitgeholfen oder als HiWis programmiert. Für die Masterstudenten aus dem Studiengang Computer Sience and Media gibt es die Möglichkeit, an Innovationsprojekten mitzuarbeiten. Sie bekommen dabei die Gelegenheit, Teil eines realen Projekts zu sein, und durften beispielsweise bei "Cloud4all" zum Projektmeeting nach Madrid mitkommen. Zwei Masterstudenten waren auch bei dem Gebärdensprachprojekt mit dabei.

HdM: Was sind Trendthemen in Ihren Forschungsgebieten?
Prof. Zimmermann: Ein großes REMEX-Trendthema sind mobile Endgeräte, weil es einfach eine Flut von mobilen Geräten gibt, für die alle möglichen Mechanismen gebraucht werden. Cloud Services sind ebenfalls ein Trendthema. Wir befassen uns dabei mit dem, was für den Benutzer sichtbar ist, also der Benutzerschnittstelle. Weiterhin spannend und im Trend ist das Thema Crowdsourcing, wobei wir hier existierende und erfolgreiche Verfahren auf ein neues Gebiet, die Mensch-Computer Interaktion, anwenden. Das ist ja oftmals die Idee hinter Forschung: Dass man eine Idee nimmt, und sie auf etwas anwendet, was vorher so noch nicht da war.

HdM: Vervollständigen Sie zum Abschluss bitte den folgenden Satz: "Forschung im Bereich der adaptierbaren und adaptiven Multimediasysteme ist..."
Prof. Zimmermann: ... ein großes Gebiet. Es gibt sehr viele interessante Details und Einzelheiten, die man näher betrachten und untersuchen kann. Ich interessiere mich besonders dafür, dass sich Benutzerschnittstellen auf die Bedürfnisse des Nutzers einstellen und nicht umgekehrt. Es macht mir Spaß, in diesem Bereich zu arbeiten, besonders an der HdM, weil Forschung wertgeschätzt wird. Es herrscht eine gute Atmosphäre und weniger Konkurrenzdenken als an vielen Universitäten.

 

 

Kristina Simic


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VERÖFFENTLICHT AM

07. Januar 2014

KONTAKT

Prof. Dr. Gottfried Zimmermann

Mobile Medien

Telefon: 0711 8923-2751

E-Mail: gzimmermann@hdm-stuttgart.de

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