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Wenn das Image flöten geht

Der Allgemeine Deutsche Automobil Club (ADAC) hat gerade mit massiven Imageproblemen zu kämpfen: Ein Mitglied der Clubspitze hat für eine Preisverleihung Abstimmungszahlen gefälscht. Die "Schadensbegrenzung", die gerade betrieben wird, läuft nicht unbedingt so, wie man sie erwarten würde…

Der rennomierte Preis  "Gelber Engel" des ADAC; Foto: ADAC.de

Der rennomierte Preis "Gelber Engel" des ADAC; Foto: ADAC.de

Letzte Woche beim ADAC in München: Zwei Tage vor der Verleihung des renommierten deutschen Automobilpreises "Der Goldene Engel" schrieb die Süddeutsche Zeitung, dass der größte deutsche Automobilclub die Ergebnisse der Wahl zum "Lieblingsauto" seiner Mitglieder manipuliert hat. Nach erscheinen des Artikels am 14. Januar 2014 hatte man von Seiten des ADAC jegliche Vorwürfe als inhaltslos und unverschämt abgetan. ADAC-Präsident Peter Meyer sprach von der Berichterstattung der Süddeutschen als "Skandal für den Journalismus". Einige Tage später dann der Schock: Die Behauptungen der SZ sind wahr. Der Kommunikationschef des ADAC, Michael Ramstetter, gab zu, die Zahlen der Abstimmung gefälscht zu haben. Der Chefredakteur der ADAC-Mitgliederzeitung "Motorwelt" gestand der Führungsriege des Automobilclubs am 17. Januar 2014 sein Fehlverhalten, übernahm dafür die alleinige persönliche Verantwortung und trat von allen Aufgaben und Ämtern zurück.

Fassungslose Vereins-Obere

Der Skandal hatte mittlerweile die gesamte Medienlandschaft erfasst. Doch die Die Führungsspitze des ADAC zeigte sich nur fassungslos ob Ramstetters Verhalten und betonte dagegen immer wieder, nichts von seinem Tun gewusst zu haben. Neben einer Entschuldigung an die Süddeutsche Zeitung ließ Geschäftsführer Karl Obermair wissen, dass die Kritik am ADAC vom Vorstand "äußerst ernst" genommen werde und dass der ADAC "alles unternehmen wird", um seine Reputation und Glaubwürdigkeit wieder in vollem Umfang herzustellen. Transparenz soll geschaffen werden, weitere Köpfe rollen vorerst allerdings nicht, denn der Schuldige ist gefunden und gegangen.

Bauernopfer Ramstetter?

Allerdings fällt es schwer zu glauben, dass Ramstetter komplett auf eigene Faust gehandelt haben soll. Kann es sein, dass in einem Unternehmen der Geschäftsführer nicht weiß, was seine "rechte Hand" macht? Immerhin war Ramstetter knapp 16 Jahre lang Chef der Unternehmenskommunikation und gleichzeitig Chefredakteur des Mitgliedermagazins. Dass es möglich ist, über Jahre hinweg Zahlen zu "beschönigen", weil nur eine Person diese zu Gesicht bekommt, scheint daher kaum fassbar. Kein Wunder, dass im Internet zu Ramstetter Begriffe wie "Bauernopfer" fallen. Klingt verständlich, wirft aber weder ein gutes Licht auf die Führungsriege des ADAC noch auf die ganzen anderen Testergebnisse, die der ADAC bislang durchgeführt oder publiziert hat. Wer kann schon garantieren, dass dabei nicht gemogelt wurde? Über 16 Millionen Deutsche sind Mitglied des ADAC, und die Zweifeln gerade nicht nur auf der Facebookseite an der Glaubwürdigkeit der Oberen - sondern auch an der Glaubwürdigkeit vieler anderer Tests und Statistiken, die bislang vom ADAC herausgegeben wurden. Ob es der Verein schafft, aus dieser Misere wieder heraus zu kommen?

Professor Dr. Franco P. Rota vom Studiengang Werbung und Marktkommunikation an der HdM meint dazu: "Der ADAC sollte nicht allein Herrn Ramstetter als Kommunikationschef und Chefredakteur der ADAC-Motorwelt in die Wüste schicken, sondern weitere personelle Konsequenzen folgen lassen. Zur Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit sollte sich das Haus auf sein Kerngeschäft konzentrieren, und sich weniger als deutsches Mutterhaus der Mobilität in den Medien darstellen - eine Rolle, die dem ADAC nicht unmittelbar zusteht."

 

Quellen:
www.sueddeutsche.de
www.adac.de
www.kress.de
www.spiegel.de
www.handelsblatt.com
www.facebook.com

 

Kristina Simic

VERÖFFENTLICHT AM

23. Januar 2014

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