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Rundfunkbeitrag

Geh' und kauf dir (k)eine Kugel Eis!

17,98 Euro kostet er im Monat und seit 2013 ist er Pflicht für alle Haushalte: Der Rundfunkbeitrag. Durch ihn sollen die ARD, das ZDF und das Deutschlandradio bis 2016 rund 1,15 Milliarden Euro zusätzlich einnehmen. Das ist mehr Geld, als sie eigentlich ausgeben dürfen. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) schlägt deshalb eine Senkung des Beitrags um 73 Cent vor – das ist nicht mal eine Kugel Eis.

Mainzelmännchen Det, Montage: Stephanie Frank, Quellen: ZDF und Europäische Zentralbank

Mainzelmännchen Det, Montage: Stephanie Frank, Quellen: ZDF und Europäische Zentralbank

Es wäre die Sensation des Jahres. Noch nie zuvor wurde in der Geschichte der Bundesrepublik – immerhin gibt es sie inzwischen auch schon 65 Jahre – eine Senkung der Rundfunkbeiträge vorgenommen. Die Umstellung auf das neue System, vorher wurde das Geld noch von der GEZ eingeholt, führt nun dazu, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio wesentlich mehr Geld zur Verfügung steht. Doch was tun?

Die KEF schlug eine Senkung der monatlichen Abgabe für jeden zahlenden Haushalt von derzeit 17,98 Euro auf 17,25 Euro vor. Das klingt im ersten Moment nach wenig. Geht es nach der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer, sollten sich die Länder auch genau überlegen, ob die 73 Cent nicht doch ein paar Cent zu viel sind. Die Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder Dreyer befürchtet, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk durch die Senkung plötzlich unterfinanziert sein könnte.

Was man sich für 73 Cent kaufen kann

Bemerkt man 73 überhaupt oder was bekommt man heute eigentlich noch für 73 Cent? Fest steht: nicht viel. Vielleicht ein Brötchen oder eine Tafel preiswerter Schokolade beim Discounter. Wenn man den Betrag allerdings auf ein, zehn oder hundert Jahre hochrechnet, ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Für ein Jahr bedeuten die 73 Cent eine Ersparnis von insgesamt 8,76 Euro. Geld, das man zum Beispiel in eine neue DVD, eine Kubanische Zigarre, zwei bis drei Pakete Wasser oder einen Kinobesuch investieren kann. Auf lange Sicht (87,60Euro in den nächsten 10 Jahren) bedeutet das, dass sogar ein günstiges Smartphone, eine neue Mittelklasse-Digicam oder ein Konzertbesuch bei den Rolling Stones bezahlt werden können.

Weil die medizinische Versorgung immer besser wird, ist es nicht unwahrscheinlich, dass man auch die 100 Lebensjahre erreicht. Sollte das der Fall sein, stehen 876 Euro zur Verfügung. Davon kann man sich einen neuen Fernseher oder einen all inklusiv Urlaub auf Mallorca für die ganze Familie leisten. Vorausgesetzt natürlich, dass es nicht zu einer Erhöhung der Beiträge kommt. Und: In unserer Rechnung ist die Inflation noch nicht berücksichtigt.

Zurück zur Realität

Bedacht werden muss allerdings, dass es derzeit rund 40 Millionen Haushalte in der Bundesrepublik gibt. Der ARD, dem ZDF und dem Deutschlandradio würden durch die vorgeschlagene Gebührensenkung auf über 29 Millionen Euro im Monat verzichten. Laut KEF könnte die mögliche Senkung allerdings frühestens ab 2015 in Kraft treten. Denn die Entscheidung darüber ist den einzelnen Ländern vorbehalten, die sich im März auf der Ministerpräsidentenkonferenz über den Vorschlag der KEF beraten wollen.

Es sind aber nicht nur die Rundfunkgebühren allein, die einen gewissen gesellschaftlichen Unmut hervorrufen. Der seit der letzten Sendung der Markus Lanz Talkshow (16. Januar) entfachte Protest gegen den Moderator konkretisiert und personalisiert nun die Unzufriedenheit. Ob 73 Cent weniger pro Monat die Gemüter oder Gebührenkritiker beschwichtigen werden, wird sich zeigen.

Ach und noch etwas: Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, ob die Gebühr nicht eine versteckte Steuer darstellt, steht noch aus ...

Stephanie Frank

VERÖFFENTLICHT AM

27. Januar 2014

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