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Hochschule der Medien

Frauenquote in Medien

Aufholjagd im Mediensektor

Chefredaktionen im Mediensektor waren lange reine Männerdomänen. Frauen wie Marion Gräfin Dönhoff, Bascha Mika oder Alice Schwarzer waren selten. Auch aktuell sieht es nicht gut aus: Bei Printmedien sind Frauen in Führungspositionen kaum anzutreffen, auch bei TV-Sendern und Online-Medien besteht Aufholbedarf, nur im Hörfunk nicht.

Unter dem Punkt "Kamelrennen" visualisiert der Verein ProQuote, wie sich der Frauenanteil in Print-Leitmedien seit Februar 2012 verändert hat, Quelle: http://www.pro-quote.de

Unter dem Punkt "Kamelrennen" visualisiert der Verein ProQuote, wie sich der Frauenanteil in Print-Leitmedien seit Februar 2012 verändert hat, Quelle: http://www.pro-quote.de

Als Marion Gräfin Dönhoff von 1968 bis 1972 Chefredakteurin der Wochenzeitung Die Zeit war, war sie als Frau ziemlich allein unter Männern. Andere große Leitmedien wie die Bild, der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung wurden schließlich von Männern geführt. Bis heute ist das bei vielen deutschen Tages- und Wochenzeitungen so: Nur etwa jede 20. Chefredaktion ist mit einer Frau besetzt. Werden in die Statistik auch führende oder leitende Positionen wie Ressortleitungen mit einbezogen ist es immerhin schon jede Fünfte. Doch auch rund 20 Prozent Frauenquote sind weit entfernt von Gleichberechtigung.

Bascha Mika, die von 1999 bis 2009 die überregionale Tageszeitung taz geleitet hat und seit 2014 Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau ist, würde den Frauen selbst die Schuld an der Situation geben, wie sie in ihrem Buch "Die Feigheit der Frauen: Rollenfallen und Geiselmentalität" von 2011 schrieb. Als Feministin forderte sie Frauen regelrecht auf, Männern im Beruf die Stirn zu bieten. Ähnlich würde das wohl Alice Schwarzer sehen, die 1977 das Frauenmagazin Emma gegründet hat und es bis heute erfolgreich leitet.

Damit Medien nicht langweilig werden

Dass Frauen Frauenzeitschriften machen, ist recht naheliegend. In diesem Bereich lassen sich noch viele weitere Beispiele finden. Bei der Bild der Frau zum Beispiel gab es seit der Gründung im Jahr 1983 nur Chefredakteurinnen: Andrea Zangemeister und Sandra Immoor. Auch bei der deutschen Elle sitzt mit Sabine Nedelchev eine Frau an der Spitze. Bei Tages- und Wochenzeitungen hingegen wächst die Zahl an weiblichen Chefredakteuren nur langsam. Beispielsweise hat Brigitte Fehrle, die im März 2009 Chefredaktionsvize bei der Berliner Zeitung wurde, dort im Juli 2012 die alleinige Chefredaktion übernommen. Die neueste Veränderung gab es bei den Potsdamer Neueste Nachrichten: Ende Februar 2014 wurde bekannt, dass Sabine Schicketanz die neue Chefredakteurin wird.

Damit im Medienbereich mehr Frauen in Führungspositionen gelangen, wurde Anfang 2012 der Verein ProQuote gegründet. Denn: „Medien werden langweilig, wenn ihre Macher sich zu sehr ähneln", sagt Unterstützerin Dr. Kia Vahland von der Süddeutschen Zeitung. In einer E-Mail vom Februar 2012 forderte ProQuote Chefredakteure, Intendanten und Verleger auf, die Frauenquote auf 30 Prozent zu erhöhen „und zwar auf allen Hierarchieebenen" bei Print- und Onlinemedien, bei TV-Sendern und im Hörfunk.

Ungleichgewicht auch in anderen Bereichen austarieren

Ein markantes Ungleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Führungspositionen in Medienhäusern muss auch bei Online-Medien (18 Prozent) und TV-Sendern (22 Prozent) austariert werden. Unter anderem stechen bei Spiegel Online Geschäftsführerin Katharina Borchert oder bei der Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung Julia Börnisch als Chefin vom Dienst hervor. Bei Fernsehsendern sind beispielsweise die Geschäftsführerinnen Katja Hofem-Best von Kabel eins, Eun-Kyung Park von sixx oder Simone Emmelius von ZDFneo zu nennen.

Lediglich im Hörfunkbereich sieht die Situation besser aus. Seit einigen Jahren finden sich hier immer wieder Frauen an der Spitze. Beispielsweise war Helga Kirchner von 2000 bis 2009 Chefredakteurin beim WDR und Claudia Nothelle 2006 bis 2009 Chefin vom RBB. Nach wie vor gehören Sender wie der WDR und der RBB neben dem HR und der Deutschen Wellen zu jenen Hörfunkanstalten, die immerhin einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent haben. Jetzt müssen nur die anderen Medienbereiche aufholen.

Die erste saudi-arabische Chefredakteurin Somayya Jabarti von der englischsprachigen "Saudi Gazette" wird am Dienstag, den 10. März 2014, an die Hochschule der Medien kommen.

Quellen:
www.zeit.de
www.meedia.de
www.wikipedia.de
www.pro-quote.de
www.journalistinnen.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

07. März 2014

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