DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Digitales Lernen

MOOCs: Bildung wird zur medialen Ware

MOOCs sind kostenlose Onlineseminare, die akademische Bildung für jedermann versprechen, angeboten von Bildungsorganisationen. Mehr als einen Computer mit einer funktionierenden Internetverbindung brauche man nicht, sagen sie. Ist es aber wirklich so einfach?

Wer E-Learning-Angebote nutzt, lernt gemeinsam oder auch alleine am Computer

Wer E-Learning-Angebote nutzt, lernt gemeinsam oder auch alleine am Computer

Alleine und doch zusammen studieren? Mit den Massive Open Online Courses, kurz MOOCs, ist das möglich. Vom eigenen Computer aus entscheidet man sich für eine der zahlreichen Lehrveranstaltungen, schaut sich dann Woche für Woche die entsprechenden Vorlesungen an und beantwortet Multiple-Choice-Fragen. Wenn es Probleme gibt, fragt man einfach einen der anderen Teilnehmer.

Konzipiert und umgesetzt werden MOOCs von privaten Unternehmen in Kooperation mit namhaften Universitäten. In den USA bietet neben der renommierten Harvard University beispielsweise auch die Yale University MOOCs an. Die Themen reichen von den Grundlagen der Physik über die Philosophie des Todes bis hin zur Spieltheorie. In Deutschland sind es die Technischen Universitäten, die gezielt an der Weiterentwicklung virtueller Lehrveranstaltungen arbeiten. Doch auch die Ludwig-Maximilians-Universität München oder die RWTH Aachen bieten Kurse an. Die Besucher reichen von ein paar hundert bis hin zu mehreren tausend. Den fachübergreifenden Kurs "The future of story telling" der Fachhochschule Potsdam besuchten zum Beispiel seit Ende Oktober 2013 über 80.000 Interessierte.

Zu oft werden nur Videos geschaut

Einer der größten Gegner der MOOCs in Deutschland heißt Rolf Schulmeister. Er ist E-Learning-Forscher und Professor für Pädagogik an der Universität Hamburg. Er kritisiert insbesondere die oft fehlenden Kommentare und die mangelnde intensive Betreuung durch einen Dozenten. Auch vertiefende Materialien gäbe es nur selten. Die Quote an Abbrechern sei entsprechend hoch.

Für Tobias Seidl aus dem Didaktikzentrum der Hochschule der Medien ist ein Grund für die hohe Abbrecherquote von über 90 Prozent die nötige Selbstdisziplin. "Fehler werden aber auch in der Umsetzung gemacht: Die Inhalte eins zu eins von der analogen in die digitale Lernsituation zu übertragen, ist meist nicht möglich", gibt Seidl zu bedenken. Auch die soziale Komponente dürfe nicht außer Acht gelassen werden: Lernen als interaktiver Prozess des gegenseitigen Austauschs kann man nicht am Computer vermitteln. Die bestehenden Ressourcen und Möglichkeiten müssten je nach Anwendungsart und Lehrgebiet genutzt werden.

Lösung: Adaptive Lerninhalte

"Für die HdM sind klassische MOOCs deshalb eher weniger eine Option", sagt Tobias Seidl. Dafür sei die Hochschule zu klein. Außerdem würden MOOCs oft nur als Marketinginstrument eingesetzt. "Die Angebote sind gratis, viele schauen deshalb nur kurz vorbei." Für sinnvoller hält Seidl adaptive E-Learning-Systeme. "Sie passen sich an den Lernenden an und setzen bei dessen Stärken und Schwächen an", berichtet Seidl. Kleinere Tests zwischen den Lerneinheiten zeigen, in welchen Bereichen noch Übungsbedarf besteht. Das System erkennt das und stellt automatisch weitere Übungsaufgaben zur Verfügung.

Mehr und mehr setzt sich an der HdM auch der "inverted Classroom", eine Unterrichtsmethode des integrierten Lernens durch. Zu Hause erarbeiten die Studenten anhand von auf der Plattform Moodle bereitgestellten Materialien die Inhalte, die anschließend an der Hochschule angewendet werden.

MOOCs und E-Learning für Berufstätige

Mehr als 80 Prozent der MOOC-Teilnehmer sind berufstätig. Deshalb setzen besonders postgraduierte Weiterbildungen auf E-Learning-Angebote. "Der MBA Studiengang International Business der Hochschule der Medien findet beispielsweise fast nur virtuell statt", berichtet Seidl. Eine Präsenzzeit von mehr als 25 Prozent an der Hochschule sei nur selten zu realisieren. Die Studenten kämen von überall und sind meist voll berufstätig.

 

Quellen:
LETTER. Das Magazin für DAAD-Alumni.
UNICUM. Das bundesweite Campus Magazin.
Frankfurter Allgemeine Zeitung

 

Stephanie Frank

Hintergrundwissen: Die Welt der MOOCs

Wie fing alles an und welche Anbieter gibt es?

Der Begriff MOOC bezeichnet Open Massive Online Courses. Gemeint sind online stattfindende (Lehr-)Veranstaltungen, die für jedermann offen und kostenlos zugänglich sind. Dave Corniert von der kanadischen University of Prince Edward prägte den Begriff 2008.

Der weltweit größte Anbieter von MOOCs ist Coursera. Hier findet sich das vielseitigste Angebot. Die Firma edX ist ein Projekt der Harvard University in Kooperation mit dem MIT (Massachusetts Institut of Technology). Auf Udacity fühlen sich Physiker und Informatiker am wohlsten: Die private und spezialisierte Online-Akademie bietet ihren Kunden zusätzlich eine Jobbörse an. In Deutschland ist iversity das größte Unternehmen, das sich auf die Bereitstellung von Online-Kursen und Online-Vorlesungen spezialisiert hat. Neben den massenhaft besuchten Kursen bietet iversity auch Einzelkurse und bilinguale Kurse an, zum Beispiel auf Deutsch und Englisch sowie Russisch und Spanisch.

Kann ich mir meine Kurse zertifizieren lassen?

Die Zertifizierung von besuchten MOOCs ist uneinheitlich und wird nur in seltenen Fällen von den Universitäten selbst vorgenommen sondern von externe Anbieter wie Coursera oder edX übernommen. Einheitliche Geschäftsmodelle fehlen bislang jedoch. In Deutschland vergeben derzeit nur die Fachhochschule Lübeck und die Universität Osnabrück Credit Points (ECTS) für Online-Vorlesungen auch an externe Teilnehmer. Dazu muss jedoch eine Präsenzprüfung bestanden werden. Die Möglichkeit, ein Präsenzstudium gänzlich durch MOOCs zu ersetzen, besteht momentan noch nicht.

VERÖFFENTLICHT AM

24. März 2014

Lesen Sie auch

ARCHIV

Studium
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren