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Überwachung

Massenüberwachung über die Jahrhunderte

Vielerorts haben Kameras längst Polizisten ersetzt. Eine psychische Souveränität ist heute auch nicht mehr nötig, damit sich die angeblich freien Bürger angepasst verhalten. Die Selbstzensur durch Überwachung hat über die Jahrhunderte stark zugenommen und gehört mittlerweile zum Alltag. Ein Denkanstoß.

Selbstverständlich ist auch der George-Orwell-Platz im spanischen Barcelona videoüberwacht, Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Placa_George_Orwell_1.jpg

Selbstverständlich ist auch der George-Orwell-Platz im spanischen Barcelona videoüberwacht, Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Placa_George_Orwell_1.jpg

Der italienische Journalist Giovanni Guareschi (1908-1968) sagte einmal: "Es gibt keine Freiheit mehr. Es gibt nur noch verschiedene Abstufungen von Unfreiheit." Ein Blick zurück bestätigt seine Aussage. Doch wann verloren die Menschen die ersten Stücke ihrer Freiheit? Belauscht wurden die Menschen im Grunde schon immer. Früh mussten sie sich Möglichkeiten einfallen lassen, um ihre Geheimnisse zu bewahren. Die alten Ägypter nutzten im dritten Jahrtausend vor Christus zum Beispiel Geheimschriften. Auch später war es noch üblich, so im mittelalterlichen Europa, den diplomatischen Schriftverkehr mit kryptographischen Techniken zu schützen. Gebäude mit verborgenen Tunneln oder versteckten Türen, die nicht nur in der Renaissance geschaffen wurden, zeigen ebenfalls, dass sich die Bürger nicht völlig frei fühlten.

Argumente wie vor hundert Jahren

Sicherlich, es gibt auch positive Argumente für eine Überwachung. Schmuggel und Geldfälscherei konnten beispielsweise dadurch eingedämmt werden. So ähnlich argumentieren auch heute noch die Befürworter von Überwachung: Die Sicherheit werde im öffentlichen Raum erhöht, was wiederum die Wirtschaft belebe. Schnell wurde aber klar, dass die Kriminalität in benachbarte Ortsbezirke abwandert. Eine der Folgen war die entsprechende Ausdehnung der Überwachung.

Die Überwachung nahm ohnehin seit Ende des 19. Jahrhunderts zu. Mit den sich entwickelnden Technologien entstanden neue Möglichkeiten. Mit dem Abhören der Telefon- und Telegrafenverbindungen fing es am Ende des 19. Jahrhunderts und ging weiter bis zur Speicherung der Daten Mitte des 20. Jahrhunderts. Heute werden nicht nur Telefongespräche abgehört, sondern auch das Online-Verhalten, die E-Mails und die Fahrten mit dem Dienstwagen kontrolliert oder das Keyboard-Monitoring am Arbeitsplatz betrieben, womit die Tastaturanschläge aufgezeichnet werden können. Die Möglichkeiten sind zahlreich. Sicher sein können sich die Bürger selbst in der Teeküche oder Garderobe nicht, denn wer weiß schon, ob nicht auch da kleine versteckte Kameras oder Mikrofone angebracht sind, die den "informellen Informationsaustausch" übertragen sollen.

2014: 30 Jahre später

Menschen können ständig überwacht werden. Allein diese Möglichkeit verstärkt ihre Selbstzensur. Einen ähnlichen Gedanken hatte auch der englische Philosoph und Jurist Jeremy Bentham (1748-1832), der im 18. Jahrhundert das Gefängnismodell des Panopticons entwickelte. In dem Modell werden die Gefangenen von einer unsichtbaren Aufsichtsperson überwacht. Weil sie nicht wüssten, ob sie tatsächlich unter Beobachtung stehen, würden sie keine unerlaubten Aktivitäten unternehmen, sich schneller einer Gefängnisautorität unterwerfen und sich so diszipliniert verhalten. Der französische Philosoph Michel Foucault (1926-1984) griff das Modell in seinem Werk "Überwachen und Strafen" von 1975 ebenso auf und fragte, ob die Überwachungsgesellschaft zur Wirklichkeit werde.

Im Zeitalter von NSA und Co wissen die Menschen, dass ihre Daten gesammelt und gespeichert werden, sie sich nicht sicher sein können, ob ihr Fernseher sie beobachtet oder nur die Straßenlaterne vor ihrem Haus. Eigentlich ein beängstigender Zustand, doch die Menschen haben sich entweder daran gewöhnt oder damit abgefunden. Desinteresse und Mutlosigkeit sind es auch, die den hin und wieder aufkommenden Protest gegen eine Überwachung recht schnell abflauen lassen. Man möge nur hoffen, dass es nicht irgendwann auch eine Gedankenpolizei gibt, wie sie der englische Schriftsteller George Orwell in seinem Buch „1984" beschreibt. Denn dann leben die Menschen in einem totalen Überwachungsstaat.

Quellen:
www.faz.net
www.bpb.de
www.wikipedia.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

28. April 2014

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Manni

am 30.04.2014 um 14:37 Uhr

Wisst ihr, dass die Deutschen Angst vor der Stasi haben? Aber nicht von der NSA? :D https://www.youtube.com/watch?v=J0SJJQyYNCE

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