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Hochschule der Medien

Selfpublishing

Publizieren leicht gemacht

Selfpublishing bietet jedem die Möglichkeit, eine Abschlussarbeit, einen Roman oder andere literarische Werke zu veröffentlichen und drucken zu lassen. Doch wie kann man vorgehen, wenn das eigene Manuskript bei einem Verlag keine Beachtung findet? Professor Ulrich Huse, Studiendekan im Bachelorstudiengang Mediapublishing der Hochschule der Medien (HdM), erklärt die Möglichkeiten.

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Blick in die Stadtbibliothek Stuttgart © Thorben Kremers
Bislang gibt es keine Plattform für eigene Veröffentlichungen, auf der Verlage nach potenziellen Bestsellern suchen können. Deshalb muss ein Autor entweder den traditionellen Weg gehen und sein Manuskript an einen Verlag schicken, in der Hoffnung, dass dieses Beachtung findet, oder sein Werk über das sogenannte Selfpublishing veröffentlichen. Der Kinderbuchverlag Oetinger hat als einziger die Plattform Oetinger34 im Test, auf der sich Autoren, Lektoren und Illustratoren zusammenfinden können, um gemeinsam an einem Kinderbuch zu arbeiten.

Die drei Seiten des Selfpublishing

Professor Ulrich Huse vom Studiengang Mediapublishing erläutert die verschiedenen Sichtweisen genauer: "Selfpublishing betrifft die Autorensicht, die Lesersicht und die Verlagssicht. Aus der Autorensicht lässt sich festhalten, dass es zu einer Abschaffung der Leibeigenschaft kommt, da zwischen Autor und Leser kein Verlag mehr als Mittelsmann geschaltet ist. Hat der Autor eine Nische entdeckt, kann er seine Zielgruppe über das Internet gezielt ansprechen." Für Studenten und ihre Abschlussarbeiten bietet sich die Open Access-Variante an. Open Access meint das kostenlose zur Verfügung stellen von wissenschaftlichen Arbeiten. Ein Student kann seine Bachelor- oder Masterarbeit in der Bibliothek seiner Hochschule oder Universität abgeben. Diese wird auf den Server der Bibliothek gestellt und ist für alle frei zugänglich.

Books on Demand (BoD)

Empfehlenswert für Abschlussarbeiten findet Professor Huse ebenfalls BoD-Verlage. Sie bieten eine kostengünstige Möglichkeit, eigene Arbeiten zu veröffentlichen. BoD bedeutet, dass Bücher erst gedruckt werden, wenn sie tatsächlich bestellt wurden. Der Autor zahlt einen Einstiegspreis und erhält danach einen Anteil am Gewinn pro verkauftem Buch. Hauptsächlich umfassen die Leistungen den Druck und je nach Vertragsart auch eine Internationale Standard Bestellnummer (ISBN). Der BoD-Dienstleister übernimmt ebenfalls die Auslieferung des Buches an den Kunden. BoD-Anbieter in Deutschland sind unter anderem lulu, Books on Demand, Lightning Source und epubli.

Amazon als Verlag

"Zur Lesersicht lässt sich sagen, dass diese sich freuen, wenn sie einfach an sehr viel Literatur heran kommen. Aber eine Orientierungshilfe und Auswahl, die die Verlage anbieten, gibt es auf den Online-Plattformen nicht. Der Leser muss sich nun selbst zurechtfinden und entscheiden", so Huse. Beim neuen Verlag von Amazon steht der Leser genau diesem Problem gegenüber. Professor Huse zufolge eignet sich Amazons Kindle Direct Publishing (KDP) für Autoren, die Literatur veröffentlichen wollen. Über diese Plattform sind hauptsächlich Autoren von Romantic-Fantasy und Semi-Schreiber erfolgreich. Voraussetzung für den Erfolg ist die Entwicklung einer Fangemeinde, denn sonst sind die Vertragskonditionen für Verleger kleiner Auflagen eher ungünstig. Wem es nur um die Distribution seiner Bücher geht, ist hier gut aufgehoben, denn der Autor erreicht sehr viele potentielle Kunden.

Die Zukunft der klassischen Verlage

Aus Verlagssicht hält Huse fest, dass "die klassischen Verlage über ihre zukünftige Rolle nachdenken müssen. Ihre Funktion als Finanzier von Büchern, Vertriebsorganisation, Marketing und Lektorat wird durch die Entscheidung des Autors, sein Werk als E-Book zu veröffentlichen, hinfällig." Dies führt dazu, dass Verlage eigene Plattformen einrichten wie zum Beispiel "neobooks" von Droemer-Knaur. Die Zukunft des Verlags sieht nach Professor Huse folgendermaßen aus: Es wird weiterhin gedruckte Bücher geben, aber in manchen Bereichen, wie bei Lexika, werden diese vollständig verschwinden. Ebenso bei Literatur, die ein schnelles Verfallsdatum hat, und bei Schulbüchern. "Wer mit dem gedruckten Buch sozialisiert ist, wird dieses auch weiterhin schätzen. Dagegen wird die junge Generation vermehrt digitale Bücher lesen. Hier müssen sich die Texte grundlegend ändern, indem sie kürzer werden."

Quellen:
www.web-fortbildung.de
www.wikipedia.de
www.amazon.de

Sina-Catharina Voigt

VERÖFFENTLICHT AM

29. April 2014

KONTAKT

Prof. Ulrich Huse

Mediapublishing

Telefon: 0711 8923-2145

E-Mail: huse@hdm-stuttgart.de

ARCHIV

Medienwelt
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Jeanette Hoffmann

am 05.05.2014 um 10:10 Uhr

Die Vorzüge digitaler Bücher aus Lesersicht und die Affinität der jungen Generation zu e-Books sind unbestritten. Jedoch wird Self-Publishing in der medialen Berichterstattung nicht selten und fälschlicherweise auf die Veröffentlichung von e-Books reduziert. Dabei macht der e-book-Markt auch bei Self-Publishing gerade einmal 3 Prozent des Umsatzes aus. Das heißt im Umkehrschluss: Autoren, die ihr Buch lediglich als e-Book anbieten, verzichten auf 97 Prozent der Absatzchancen und Provisionen. Gleichermaßen sind Verlage und Self-Publishing-Dienstleister aus wirtschaftlicher Sicht falsch beraten, wenn sie sich bei ihren Self-Publishing-Angeboten allein auf e-Books fokussieren; bei insgesamt steigendem Gesamtumsatz mit e-Books sinkt in den kommenden Jahren der Umsatz PRO Titel deutlich, da e-Books niedrige Preise haben und die Anzahl lieferbarer e-Books steigt. Print-Umsätze werden im besten Fall also nur substituiert.

Hilke-Gesa Bußmann

am 03.05.2014 um 18:37 Uhr

Ich begrüße es sehr, dass die Wissenschaft sich mit dem Thema auseinandersetzt, insbesondere Studiengänge, die nicht die Augen davor verschließen müssen. Gleichzeitig habe ich allerdings auch meine Bedenken. Das erwähnte Programm von Oetinger ist im klassischen Sinne überhaupt nicht als Self-Publishing zu verstehen. Self-Publishing beschreibt im heutigen Sinne die verlagsunabhängige Publikation eines Textproduzenten in Zusammenarbeit mit Dienstleistern verschiedener Richtungen. Oetinger34 publiziert am Ende, so nach Aussage der Plattform, lediglich unter Verlagsvertrag. Alle weiteren Projekte, die nicht zustande kommen, werden nicht publiziert und können auch nicht über die Plattform verbreitet werden. Die Verlagsgeschichte von Amazon und KDP sind ebenfalls zwei verschiedene Sachen, die zwar aufeinander bezogen, aber dennoch unterschieden von einander betrachtet werden müssen. Kindle Direct Publishing bietet im deutschsprachigen Raum für Self-Publisher im digitalen Bereich momentan den größten Absatzmarkt. Nicht umsonst entscheiden sich viele Autoren, auf eine Distribution mit anderen Dienstleistern zu verzichten und stattdessen das Select-Programm auszuwählen. Viele Grüße aus Frankfurt, Hilke-Gesa Bußmann

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