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Selbststudium 05. Mai 2014

Studieren ohne Uni: Geht das?

Education Hacking kommt aus den USA und steht für selbstgestaltetes Lernen fernab von Universitäten und Hochschulen. Das deutsche Pendant heißt anti-uni.com und wird von Blogger Ben Paul betrieben. Hier fordert er dazu auf, sich seine eigene Bildung zusammenzustellen.

Gemeinsam über neuen Geschäftsideen brüten.
Gemeinsam über neuen Geschäftsideen brüten.

"Eigentlich geht es auf anti-uni.com um nichts anderes, als um klassisches Zeitmanagement", sagt Prof. Dr. Mathias Hinkelmann, Prorektor für Lehre und Qualitätsmanagement an der Hochschule der Medien (HdM). Anti-uni.com ist ein Blog, der die Bildung revolutionieren will. Seine Kernaussage: Du musst nicht studieren, um erfolgreich zu sein.

Der Mut, etwas zu wagen, steht bei anti-uni.com klar im Vordergrund. Am eigenen Beispiel beschreibt Ben Paul, Betreiber und Autor der Webseite, wie es geht. Vor gut zweieinhalb Jahren schmiss er sein Jurastudium an einer Eliteuniversität und nahm sich eine Auszeit. In Lateinamerika merkte er, dass das klassische Studentendasein nichts für ihn ist. Seither bloggt er und gibt Seminare, in denen er anderen jungen Menschen beibringen möchte, sich selbst zu verwirklichen.

Alternative Zeiteinteilung - Teil einer Generation

Mit dem Traum, sich selbst verwirklichen zu können und sich seine Zeit frei und flexibel einzuteilen, passt Paul in die Generation Y – jene Generation, der alle Türen offen stehen und für die die 'Work-Life-Balance' eine immer wichtigere Rolle spielt. Laut einer neuen Studie der embrace Medienfabrik möchten 82 Prozent der rund 4000 befragten Studenten ihre Arbeitszeit ihrer persönlichen Situation anpassen können.

Die Prioritäten, die ihre Vorgänger, sprich Eltern und Großeltern, in Bezug auf Arbeit hatten, stellt die Generation Y heute grundlegend infrage. Ein Punkt, an den auch anti-uni.com anknüpft: Dass ein gutes Abitur und eine gute Uni-Note heute noch wichtig sind, um im gewünschten Traumjob arbeiten zu können, bezweifelt Blogger Paul. Als Mitglied der Community bekommt man zweimal in der Woche einen Newsletter mit Tipps und Beiträgen anderer "Anti-Studenten".

Mit Selbstdisziplin zum Ergolg

Neu ist die Idee von Ben Paul nicht. Bereits 2011 gründete der US-Amerikaner Dale J. Stephens 'UnCollege' – eine Bewegung, die Studenten dabei unterstützen will, sich ihre eigene Bildung zusammenzustellen. Oder einfacher: Eine Plattform, auf der Menschen das Lernen lernen sollen. Alles was sie dazu brauchten sei Wissbegierde, Vertrauen und Mut. Mut bewies Stephens bereits mit zwölf, als er die Schule verließ und sich von seinen Eltern zuhause unterrichten ließ.

"Es gab schon immer Leute, die klar ihren eigenen Weg gehen. Und mit den neuen Medien ist der Zugang zu Wissen noch einfacher geworden", erklärt Prof. Dr. Mathias Hinkelmann. Doch, so Hinkelmann weiter, erfordere gerade das selbstbestimmte Lernen viel Eigeninitiative und Selbstdisziplin. Beispielsweise einen MOOC (Massive Open Online Course) von Anfang bis Ende durchzuhalten, liege nicht jedem. "Letztendlich ist es immer auch eine Frage der Selbstüberschätzung oder aber der Selbstunterschätzung. Da kann ein normiertes System mit Zertifikaten, wie beispielsweise der Hochschulabschluss, durchaus hilfreich sein.“

Quellen:
zeit.de
anti-uni.com
uncollege.org

Stephanie Frank

Kommentare zum Beitrag

Andrea Herrmann (am 28.08.2014 um 09:44 Uhr ): Einerseits und andererseits... In einem Roman von Pearl Buck habe ich mal gelesen: "Tue, was Du musst, und die restliche Zeit kannst Du tun, was Du willst."
Ich denke, es ist richtig, ganz klassisch zu studieren und sich dabei von einem Experten leiten zu lassen durch das, was es schon gibt. Vertrauen ist dabei nötig. Und eben das Bewusstsein, dass dieser Experte nicht perfekt ist, sondern "nur" sein Bestes gibt.
Und niemand hindert einen daran, zusätzlich, vor, zwischen oder nach dem Studium sich noch selbst Wissen anzueignen.
Bens Weg, alles hinzuschmeißen und sich ohne Hochschulabschluss oder Ausbildung etwas aufzubauen ist sicher nicht für jeden der richtige.

Genauso ist es beruflich. Ich bin jetzt selbständig und mache mein Ding. Ich bereue es aber nicht, 19 Jahre lang angestellt gewesen zu sein. Dabei habe ich viel darüber gelernt, was geht und was nicht geht. Jede Menge Fingerfertigkeiten, Kenntnisse und so weiter. Was Ben ja auch empfiehlt: Man sucht sich eine Person (oder Firma) und arbeitet für sie, um von ihnen zu lernen. Das ist keine Alternative zum Studium, sondern eine Ergänzung. Parallel dazu, hinterher, vorher, jederzeit...

Andrea Herrmann



Ben (am 05.05.2014 um 20:02 Uhr ): Danke für den schönen Artikel und auch die netten Worten von Herrn Professor Hinkelmann, Stephanie.

Heute sind ein paar Leser über deinen Beitrag auf meine Seite gekommen und darüber bin ich auf deinen Artikel aufmerksam geworden.

Im Großen und Ganzen bin ich d´accord mit dem was du schreibst, möchte aber auf zwei Punkte eingehen.

- Dale Stephens von UnCollege hat mich durchaus inspiriert. Dennoch ist mein Ansatz nochmal ein anderer. UnCollege konzentriert sich rein auf Education Hacker. Ich dagegen möchte mit Anti-Uni eigentlich noch früher ansetzen und junge Menschen überhaupt erst einmal dazu bringen darüber nachzudenken, was denn "ihr Ding" ist.

- Daher ist Anti-Uni.com auch nicht wie Herr Prof. Hinkelmann sagt ein reiner Zeitmanagement-Blog. Es geht um viel mehr als nur Zeitmanagement. Klar, das ist eine Facette des Ganzen aber es geht mir vielmehr um unternehmerisches Denken und darum junge Menschen zu motivieren wirklich ihr volles Potential zu leben.

Dennoch lieben Dank für den Artikel und alles Liebe aus Berlin,

Ben


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