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Hochschule der Medien

Facebook Experiment

Ansteckende Emotionen: Facebook als Spyware

Ende Juni 2014 ging ein Raunen durch die Netzgemeinde: Facebook hat 2012 seinen Newsfeed von rund 690.000 Nutzern im Rahmen einer Studie experimentell manipuliert. Die Professoren Mangold und Keber von der Hochschule der Medien (HdM) beurteilen den Affront am Nutzer aus wissenschaftlicher und rechtlicher Sicht.

Bereits Anfang Juni 2014 veröffentlichte Facebook im Fachblatt "Proceedings of the National Academy of Sciences" die Ergebnisse seiner experimentellen Studie. Untersucht wurde, ob die Stimmung der Freunde, die auf der Facebook Neuigkeitenseite gezeigt werden, einen Einfluss auf die Stimmung des Nutzers und dessen Posts hat. Diese emotionale Ansteckung gilt in der Psychologie als weitestgehend bestätigtes Phänomen. Facebook untersuchte in seinem Experiment nun, ob dies auch außerhalb der face-to-face Interaktion stattfinden kann.

Mit Beigeschmack

Facebook manipuliert für Studie Newsfeed, Quelle: Facebook
Hierfür wurde in einer Woche im Jahr 2012 von rund 690.000 englischsprachigen Nutzern der Newsfeed vorgefiltert und so experimentell manipuliert. Eine Gruppe erhielt hauptsächlich positive Positings im Newsfeed, die andere Gruppe hauptsächlich negative. Die Ergebnisse waren eindeutig: Diejenigen, die mehrheitlich eher positive Inhalte bekamen, schrieben auch selbst eher Positives - und anders herum. Der groß angelegte Versuch bringt mit seinen validen Ergebnissen der Wissenschaft weitere Erkenntnisse, doch das Experiment hat einen Beigeschmack: Die Versuchsteilnehmer wussten nichts von ihrer Beteiligung.

Steht Erkenntnisgewinn über Ethik?

Im Forscherteam des Experiments waren nicht nur Facebook Mitarbeiter, sondern auch Jeffrey Hancock, Kommunikationsprofessor an der Cornell Universität, Ithaca, New York (USA). "Die Fallzahl des Experiments ist verführerisch, da es schon fast keine Stichprobe mehr ist", erklärt Dr. Roland  Mangold, Professor für Informations- und Kommunikationspsychologie an der HdM. Die Bekanntheit, die ein Wissenschaftler dadurch erhält und den damit einhergehenden Publikationserfolg, könne dann betörender sein als ethische Grundsätze der guten wissenschaftlichen Praxis. Außerdem merkt Mangold an, dass das Experiment von Facebook finanziert worden sei, und deshalb auch keinem ethischen Gremium wie dem einer Universität oder der American Psychological Association unterstehe.

Kaum rechtliche Schritte möglich

Nicht nur wissenschaftsethische Aspekte des Experiments sind problematisch, sondern auch die rechtlichen sind umstritten und sehr kompliziert. "Die Studie ist mit geltendem Recht schwer zu erfassen, aber ethisch natürlich zu verwerfen", sagt Dr. Tobias Keber, Professor für Medienrecht an der HdM. Ein Nutzer, der wider Willen an dem Experiment teilnahm, kann rechtlich kaum etwas unternehmen: Über die allgemeinen Geschäftsbedingungen ist Facebook rechtlich abgesichert, die Timeline zu manipulieren.

Als Kläger sei es außerdem schwierig, den Schaden zu definieren und zu beweisen, so Keber weiter. Hierbei werde ein ganz grundsätzliches Problem des Gesetzgebers mit Facebook deutlich: Facebook kann nur für unternehmerische Rechte belangt werden, nicht jedoch für Rechte und Pflichten als meinungsbildendes Medium. "Denn die Medienregulierung greift bei den neuen Medien wie Facebook und Google kaum." Die Gesetze müssten also an die veränderten Umstände angepasst werden, bevor Facebook ernsthaft strafrechtlich verfolgt werden könne.

Quelle:

www.infosci.cornell.edu
www.pnas.org
www.spiegel.de
www.sueddeutsche.de

Anna Ebner

VERÖFFENTLICHT AM

16. Juli 2014

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