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Hochschule der Medien

Crowdfunding

Seriöse Projekte und absurde Ideen

Auf verschiedenen Crowdfunding-Plattformen versuchen jede Menge innovativer und erfolgreicher Projektgruppen, Geld für ihre Vorhaben zu sammeln. Doch dazwischen finden sich immer wieder vollkommen abgedrehte Ideen, die teilweise trotz aller Verrücktheit unterstützt werden. Jüngstes Beispiel, das durch die Medien wanderte: ein Kartoffelsalat.

Zur Detailansicht Für sein Kartoffelsalat-Projekt bekam Zack Danger Brown fast 56.000 US-Dollar gespendet. Foto: Screenshot via Kickstarter.com

Für sein Kartoffelsalat-Projekt bekam Zack Danger Brown fast 56.000 US-Dollar gespendet. Foto: Screenshot via Kickstarter.com

Zack Danger Brown hatte einen Plan. Er wollte seinen allerersten Kartoffelsalat zubereiten. Doch statt in einen Supermarkt zu gehen und die Zutaten einzukaufen, stellte er das Projekt "Potato Salad" auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter ein. Sein Ziel: Er wollte Unterstützer finden, die ihm 10 US-Dollar spenden. Bekommen hat er knapp 56.000 US-Dollar und ein enormes Medienecho, das allerdings nicht nur positiv war. Es ist verständlich, dass da die Frage aufkommt, warum sich für ein so absurdes Projekt fast 7.000 Unterstützer finden, während andere seriöse Vorhaben manchmal kaum Resonanz bekommen.

Friends, Familiy and Fools

Eckhard Wendling, Professor im Studiengang Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien (HdM), erklärt das Phänomen Kartoffelsalat: "Bei Plattformen wie Kickstarter werden mittlerweile mehrere tausend Projekte pro Monat eingestellt. Klar, dass es da auch Quatsch-Projekte wie den Kartoffelsalat gibt. Ich sehe das allerdings eher als Blase." Wendling gibt zu bedenken, dass das Projekt auch gefaked sein könnte, und dass sich nicht zuletzt durch die mediale Berichterstattung so ein großer Hype entwickelt hat. Er glaubt nicht, dass absurde Ideen generell so eine gute Resonanz erhalten. "Im Grunde ist es immer die gleiche Basis von Menschen, die ein Crowdfunding-Projekt unterstützt: Die, die sich damit identifizieren können - also in erster Linie Freunde, Fans und Familie. Dann kommen noch die 'Fools' dazu, die beim Projekt Kartoffelsalat sehr eifrig waren." Ein weitere ungewöhnliche Aktion startete die Britin Emily-Rose Eastop: Sie sammelte via "hubbub.net" Geld für ihr Masterstudium in Oxford. Da sie durch ihr Erststudium bereits Schulden hatte, wollte sie weder einen weiteren Kredit aufnehmen, noch ihre Familie um die knapp 28.000 Pfund bitten, die sie für Studiengebühren und Lebensunterhalt benötigt. Sie war erfolgreich: Dank knapp 600 Unterstützern hat sie den Betrag zusammenbekommen.

Bindung der Community

"Crowdfunding ist, wenn man es für ein seriöses Projekt betreibt, richtig harte Arbeit", so Wendling weiter. Die Unterstützer-Community muss permanent gepflegt und über das Projekt auf dem Laufenden gehalten werden. Für ein Großprojekt braucht man ein dezidiertes Konzept und den nötigen Biss, immer weiterzumachen. Es sollte nicht nur eine Bindung zwischen den Unterstützern und der Sache entstehen, auch der Anreiz zum Spenden muss gegeben sein. Funktionierende Großprojekte aus der Medienbranche sind beispielsweise Kinofilme wie "Stromberg" oder "Iron Sky", die sich zu einem Teil über Spenden von Fans finanziert haben, oder Onlinemagazine wie "Krautreporter" und "Substanz". Auch an der HdM sammeln Studenten für ihre Vorhaben immer wieder über Crowdfunding Gelder.

Mit Crowdfunding zum Lebensunterhalt

Marthe-Victoria Lorenz verdient ihren Lebensunterhalt mit Crowdfunding. Sie ist Gründerin und Geschäftsführerin der Plattform "fairplaid", die Sportprojekten die Möglichkeit bietet, sich vorzustellen und Unterstützer für ihre Anliegen zu finden. Lorenz hat an der HdM Medienwirtschaft studiert, die Plattform ging aus ihrer Bachelorarbeit hervor. Ende 2012 rief sie mit ihren Geschäftspartnern die fairplaid GmbH ins Leben, mittlerweile kümmert sie sich auch noch um eine weitere Crowdfunding-Plattform, die "bw-crowd". In ihrer täglichen Arbeit sind ihr noch keine wirklich skurrilen Crowdfunding-Ideen begegnet, obwohl sie oft mit verrückten Sportarten zu tun hatte. "Wir hatten beispielsweise die Unterwasserhockey- oder die Heißluftballon-Nationalmannschaft, Poledancing oder Chairskating schon mit Projekten auf der Seite. Wir haben daraufhin nach verrückten Sportarten und Vereinen gegoogelt und sind dabei auf Mülltonnenrennen oder Gummistiefel-Weitwurf gestoßen. Ich warte auf den Moment, dass sich ein solches Projekt bei uns meldet", lacht Lorenz.

"Nicht allein das Projekt zählt"

Den Trend zu ungewöhnlichen Projekten, die durch den Schwarm finanziert werden, sieht die Gründerin gelassen: "Diese Projekte zeigen, dass beim Crowdfunding nicht alleine das Produkt oder das Projekt zählt, sondern auch, wie kreativ und unterhaltsam das Projekt nach außen dargestellt und kommuniziert wird. Das ist insbesondere dann wichtig, wenn beim Projekt oder den Prämien selbst kein Mehrwert für die Unterstützer oder auch die Medien entsteht, wie es bei uns oft der Fall ist." Daher sieht auch Lorenz die Notwendigkeit, den Unterstützern, die selbst keine Vorteile von ihrer Spende haben, einen Anreiz zu bieten, für Trikots oder Benzingeld zu spenden: "Wir empfehlen unseren Projektstartern häufig außergewöhnliche Prämien, wie das Drehen eines "Happy"-Videos, das Durchführen von Liegestützen am Flughafen des WM-Standortes oder das Laufen von Liniensprints für einen bestimmten Betrag. Die Prämien können auch Themen aufgreifen, die in den Medien präsent sind, wie etwa die Icebucket-Challenge, die gerade rumgeht."

Kristina Simic

Infokasten Crowdfunding

Crowdfunding bedeutet, dass viele Unterstützer mit meist kleinen Beträgen gemeinsam ein Projekt finanzieren, das die Initatoren im Internet vorgestellt haben. Jeder Unterstützer bekommt ein Dankeschön, je nach Höhe der Spende. Kommt der angestrebte Betrag nicht zusammen, fließt das Geld zurück an die Unterstützer. Meistens werden auf diese Weise innovative Technik, Film-, Sport- oder Kunstprojekte finanziert. Manche Ideen bei Kickstarter und Co. sind ziemlich ungewöhnlich - was aber nicht heißt, dass sie keinen Erfolg haben.

Die Personen, die im Schwarm finanzieren, sind engagierte und gut informierte Menschen, die ihnen wichtige Projekte vorantreiben wollen. Auch die üblichen drei "F's": "Friends, Family and Fools" - Personen, die ganz direkt persönlich an das Projekt eingebunden sind, oder sonstige sehr heterogene Unterstützergruppen, die mehr oder weniger anonym bleiben, zählen dazu.

Quelle:
Wendling, Eckhard: "Recoup! Filmfinanzierung - Filmverwertung", UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz 2012, S. 183 ff.

VERÖFFENTLICHT AM

19. August 2014

KONTAKT

Prof. Eckhard Wendling

Medienwirtschaft

Telefon: 0711 8923-2274

E-Mail: wendling@hdm-stuttgart.de

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