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Hochschule der Medien

Sommerloch im Journalismus

Skurriles, um das Blatt zu füllen

Killer-Kühe, Schwäne mit Liebeskummer und Cat-Content beherrschten die Schlagzeilen in den vergangenen Sommern. Das nachrichtenarme Sommerloch im Journalismus hat sich auch in diesem Jahr wieder aufgetan und wird durch weniger berichtenswerte Meldungen gestopft.

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Cat-Content ist typischer Inhalt im Sommerloch, Quelle: Screenshot spiegel.de
Sommerzeit ist Urlaubszeit. Während das für den Zeitungsleser bedeutet, dass er gegebenenfalls besonders viel Zeit der Lektüre widmen kann, fällt es Journalisten eher schwer, die passenden Themen dafür zu finden. Es herrscht das sogenannte Sommerloch im Journalismus: Zum einen ist der Bundestag in der Sommerpause, zum anderen sind Prominente und andere Ansprechpartner wie die anderen Zeitgenossen im Urlaub - die Ereignislage ist dünn. Deshalb wenden die ebenfalls durch den Urlaub geschrumpften Redaktionen verschiedene Strategien an, um trotzdem genügend Artikel zu publizieren.

Dr. Lars Rinsdorf, Professor im Studiengang Crossmedia-Redaktion an der Hochschule der Medien, erklärt, was das Sommerloch ausmacht: "Wenn die Institutionen und Organisationen, auf die sich der Journalismus fokussiert, selber im Sommer weniger entscheiden und weniger Ereignisse 'produzieren', hat der Journalismus ein Problem." Dies führt dazu, dass es "Themen mit vergleichsweise niedrigem Nachrichtenwert ins Blatt oder in die Sendung schaffen, über die sonst nicht berichtet würde."

Sommerloch Themen 2014

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Eine Kuh stopft in Gaildorf das Sommerloch, Quelle: Screenshot swp.de
Das sind zum einen skurrile Themen: außergewöhnliche Ereignisse wie eine Geburt auf 2250 Metern Höhe oder verrückte Tiergeschichten. "Killer-Kühe" in Österreich und Süddeutschland machen in der Boulevardpresse 2014 besonders Schlagzeilen. Außerdem sind Katzen-Inhalte immer wieder Bestandteil des diesjährigen Sommerlochs.

Zum anderen werden Themen überdurchschnittlich detailliert behandelt. In diesem Jahr wird über Robin Williams' Tod und Karen Miosgas Moderation auf dem Tagesthementisch sehr ausführlich berichtet und kommentiert. Auch Sommerinterviews werden von Politik-Redaktionen regelmäßig genutzt, um über bereits Bekanntes intensiv zu berichten. In manchen Redaktionen scheint die Themennot so groß zu sein, dass Meldungen gleich zweimal veröffentlicht werden.

Dem Sommerloch entkommen

Ist das alljährliche Sommerloch also unvermeidlich? Rinsdorf relativiert: "Eine gute Themenplanung zeichnet sich dadurch aus, dass man gerade für die Sommerpause weniger tagesaktuelle Themen mittelfristig vorbereitet." Gute redaktionelle Arbeit zeichnet sich somit dadurch aus, dass vorausschauend mit der nachrichtenarmen Zeit gearbeitet und geplant wird - schließlich kommt das Sommerloch jedes Jahr wieder.

Quelle:
www.bild.de
www.bundestag.de
www.dw.de
www.ejo-online.eu
www.spiegel.de
www.swp.de

 

Anna Ebner

VERÖFFENTLICHT AM

01. September 2014

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