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Hochschule der Medien

Trash-TV

Fremdscham + Voyeurismus = Erfolg

Lieblos, schlecht und trotzdem erfolgreich: Das sind die häufigsten Attribute, die im Zusammenhang mit "Promi Big Brother – Das Experiment" genannt werden. Doch was ist wirklich dran? Eine Spurensuche.

Die noch verbliebenen sechs Kandidaten von Promi Big Brother, Quelle: Screenshot von sat1.de
Es ist Trash-TV wie es im Buche steht: Ein bisschen C- und D-Prominenz hier, ein wenig Drama dort und ganz viel Lust am Voyeurismus vor der Mattscheibe. "Es ist diese Mischung an Prominenz, Figuren aus dem eher seichten Kulturbetrieb, die das Format ausmachen", erklärt Prof. Dr. Franco P. Rota, Prorektor für Hochschulmarketing an der Hochschule der Medien.

Ob Schlagersänger Michael Wendler, Mia Magma, wie sich das Pornosternchen Mia Julia Brückner nennt, oder Ex-NDW-Star Hubert Kah – sie alle bedienen als VUP's (Very Unimportant Persons) ganz unterschiedliche Geschmäcker. Wendler, der vielen noch als "Versager" aus dem diesjährigen Dschungelcamp in Erinnerung sein dürfte, sorgt vor allem für den Fremdschäm-Faktor. Für die Erotik, Sex und Freizügigkeit war bis vor wenigen Tagen Mia Magma zuständig: Nackt unter der Dusche und am Pool, mit Sexspielzeug im Bett und immer genau wissend, wo die Kamera ist, zeigte sich Mia ganz offen der breiten Öffentlichkeit. Hubert Kahn sorgt hingegen dafür, dass vor allem ältere Zuschauer einschalten. "Alles in allem sind es einzelne Figuren, die jeweils ein Segment des Massenpublikums ansprechen sollen", fasst Rota zusammen.

Wenn die Moralschranken fallen

Die Bewohner wandeln zwischen "Himmel"und "Hölle", Quelle: Screenshot von sat1.de
Die Konstellation der Personen ist die eine, die Dramaturgie die andere Sache, wie Rota erklärt: "Ikonografisch ist Promi Big Brother gut gemacht. Auf der einen Seite haben wir den 'Himmel' und auf der anderen die 'Hölle'. Das Spiel zwischen Gut und Böse, Schwarz und Weiß schafft Orientierung." Während die Bewohner im unteren Teil des Hauses unter kargen Bedingungen leben müssen, schwelgen die Kandidaten im "Himmel" im Luxus. Die Angst vor dem Abstieg und die Hoffnung auf ein besseres Leben der Hausbewohner spiegeln in gewisser Weise die Wertevorstellungen der Zuschauer wieder.

"An den Bewohnern von Promi Big Brother kann man das Nachlassen der Schamgrenzen sowie eine Weiterentwicklung unserer heutigen Ethikvorstellungen nachvollziehen", analysiert Rota. Promi Big Brother dient demnach als eine Art Metaebene, um sich über geltende Moralschranken zu unterhalten - wir gleichen unsere Sicht auf die Dinge mit der in der Sendung präsentierten Moral ab. Die vielen Grenzüberschreitungen vor laufender Kamera tragen zum Reiz der Show bei. Nicht ohne Grund schalten täglich mehr als drei Millionen Zuschauer um 22:15 Uhr ihre Fernsehgeräte ein – ein Plus von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 

Es kann nur einen Sieger geben

Von den ursprünglich zwölf Kandidaten sind noch sechs übrig: Vier genießen die Annehmlichkeiten im "Himmel", zwei schmoren weiter in der "Hölle". Beim morgigen Finale wird sich zeigen, welcher der fünf Finalisten in der Gunst der Zuschauer ganz oben liegt. Prof. Dr. Franco P. Rota hat einen Tipp: "Ich denke, dass es Hubert Kah werden könnte und gute Chancen hat. Er ist mal ein Bärchentyp, mal ein authentischer Nachbar wie du und ich, ein Sympathieträger." So könnte man das Reality-Format Promi Big Brother auch auf die knappe Formel "Fremdscham + Voyeurismus = Erfolg" herunterbrechen.

Stephanie Frank

VERÖFFENTLICHT AM

28. August 2014

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