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Hochschule der Medien

Interview

Die Zukunft des Journalismus

Am 28. Oktober 2014 startete das Convergent Media Center der Hochschule der Medien (HdM) in eine neue Lehrredaktion. Im Vorfeld besuchte der Blogger und Crossmedia-Journalist Christian Jakubetz die angehenden Redakteure für einen zweitägigen Workshop. Die Hochschulkommunikation sprach mit ihm über die Zukunft des Journalismus und Probleme der Offlinewelt.

Blogger und Journalist Christian Jakubetz, Quelle: blog-cj.de (Foto: Heike Rost)

Blogger und Journalist Christian Jakubetz, Quelle: blog-cj.de (Foto: Heike Rost)

HdM: Herr Jakubetz, was hat sich bei der Aufbereitung von Informationen geändert?

Christian Jakubetz: Die einfache und kurze Antwort wäre: alles. Defacto kann jeder Informationen bereitstellen und unbegrenzt auf Wissen zuzugreifen, was logischerweise eine andere Mediennutzung erfordert. Man kann deshalb nicht mehr in einem abgeschlossenen Rahmen erzählen, wie das Zeitungen oder Fernsehserien gemacht haben. Informationen erleben wir zunehmend als einen Stream, ein fertiges Paket gibt es nicht mehr.

HdM: Eine Ihrer Forderungen lautet, Journalisten sollen crossmedial arbeiten. Warum müssen heutzutage Journalisten Ihrer Meinung nach generell nur noch medienübergreifend arbeiten?

Jakubetz: Dafür gibt es einen einfachen Grund: Die Unterscheidung zwischen Print-, Radio- und TV-Journalismus gibt es so nicht mehr und wird es in Zukunft noch viel weniger geben. Journalismus ist inzwischen einfach Journalismus. Das heißt: Erzähl mir eine Geschichte und entscheide du als Journalist, welcher Kanal dafür der beste ist. Insofern ist das Begrenzen auf ein journalistisches Metier nicht mehr zeitgemäß.

HdM: Trotzdem suggeriert der Begriff crossmedial noch immer Grenzen zwischen den einzelnen Medien. Wo sehen Sie diese?

Jakubetz: Vor allem gerätebedingt, bestimmte Inhalte kann man ohne einen Mediensprung noch nicht darstellen. Solange Menschen nicht konvergente Medien nutzen, werden Journalisten in solchen Grenzen denken müssen. Spätestens in ein paar Jahren aber wird es keine Geräte mehr geben, die nicht internetfähig sind.

HdM: Bedeutet das im Umkehrschluss das Aus für den Printsektor? Hat die Offlinewelt überhaupt noch eine Chance?

Jakubetz: Ich bin mir sicher, dass Print sowohl inhaltlich als auch ökonomisch massiv an Bedeutung verlieren wird. Dass es aber in Zukunft keine gedruckten Zeitungen oder Bücher mehr geben wird, würde ich bezweifeln - gerade Bücher sind ein Kulturgut.

HdM: Welche positiven und negativen Beispiele können Sie für crossmediale Produkte nennen?

Jakubetz: Ich finde es großartig, was der britische "Guardian" macht, auch wenn man dort das Argument bringen kann, dass er derzeit hohe Verluste macht. Außerdem ist es bemerkenswert, was die "New York Times" inhaltlich leistet und wie sie die verschiedenen Kanäle nutzt. Genauso spannend finde ich die Ansätze der "Neuen Züricher Zeitung", die eine alternative Homepage als Stream ausprobiert und die Zeitung ausdünnt und versucht, mehr Inhalte im Netz und damit digital zu präsentieren. Schade ist, dass kein deutsches Beispiel dabei ist. Vom Spiegel hatte ich beispielsweise eigentlich mehr erwartet. Deutsche Medien präsentieren sich online leider sehr mutlos und konventionell.

HdM: Sie selbst schreiben auch Bücher. Ist das nicht genau das Gegenteil von dem, was sie erzählen, sprich rückwärtsgewandt?

Jakubetz: Das ist eine berechtigte Frage. "Universalcode. Journalismus im digitalen Zeitalter" hatte ich ursprünglich nur als E-Book geplant. Doch als Resonanz der Leser kam, dass sie es auch als gedrucktes Buch haben möchten. Ich kann Ihnen nicht sagen, warum das so war. Ich glaube aber, dass wir uns als Medienmacher nach den Wünschen des Publikums richten sollten. Wenn die Macher der "FAZ" oder der "Süddeutschen" merken, dass der Bedarf nach einer gedruckten Ausgabe groß ist, dann würde ich ihnen raten, sie sollen ihre Zeitung weiter drucken. Wir wollen unsere Nutzer nicht umerziehen.

HdM: Wenn Sie die Inhalte Ihrer Bücher crossmedial aufbereiten müssten, wie würden Sie das machen?

Jakubetz: Zu meinen Büchern gibt es immer eine Webseite. Die nutzt die Stärken des Internets. Ein Buch ist meist ein recht starres Gebilde. Auf der Homepage stelle ich dann neue Tools vor. 

HdM: ... als Leser bekomme ich dort aber nicht die Inhalte des Buches ...

Jakubetz: ... nein, aber das ist ja auch der Gedanke bei einer guten crossmedialen Konzeption – bei jedem Kanal die Stärken zu nutzen, die er hat. Ich vermute, niemand käme auf die Idee, das Buch im Browser am Bildschirm lesen zu wollen, dafür gibt es den E-Book-Reader. Aber um zu gucken, welche neuen Tools es gibt, dafür ist eine Webseite eine wunderbare Lösung.

HdM: Ist das nicht Werbung für das eigentliche Produkt, das gedruckte Buch?

Jakubetz: Das ist ein schöner Nebeneffekt, ja. Aber der entscheidende Punkt ist, eine Community zu schaffen, deren Mitglieder auf verschiedenen Plattformen miteinander agieren. 

HdM: Abschließende Frage: Steuern wir im Journalismus auf eine durch Bilder vermittelte Welt zu?

Jakubetz: Der Trend geht eindeutig dahin, dass gerade das Netz zunehmend visualisiert wird. Auch der Erfolg einer Plattform wie Instagram bei einem jüngeren Publikum bestätigt diese Vermutung. Doch ob das automatisch bedeutet, dass Menschen weniger lange und gute Texte lesen wollen, weiß ich nicht. "Mobile" und Visualisierung sind auf jeden Fall ein Thema und da funktionieren vor allem die kurzen knackigen Geschichten. Aber ich bin deswegen kein Kulturpessimist. Ich sehe jetzt kein Ende des langen Textes.

Stephanie Frank

VERÖFFENTLICHT AM

06. November 2014

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