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Hochschule der Medien

Amazon stellt neuen Alltagsassistenten vor

Hört ein Feind mit?

Eine kleine Röhre, die auf den Namen Alexa hört, soll Usern künftig im Alltag helfen und auf Zuruf Fragen beantworten, Musik abspielen oder Einkaufslisten anlegen. Dazu sammelt sie fleißig alles, was gesagt wird. Deshalb wird schon vorab Kritik laut: Holen sich die Nutzer mit dem Gerät von Amazon eine Überwachungsstation ins Haus?

Nicht mehr als eine Röhre: Amazon Echo. Bild: Amazon

Nicht mehr als eine Röhre: Amazon Echo. Bild: Amazon

Das Gerät ist 24 Zentimeter hoch, hat die Form eines Zylinders und ist mit sieben Mikrofonen ausgestattet. Über einen 360°-Lautsprecher sorgt es für Beschallung in alle Richtungen. Amazon Echo heißt der sprachgesteuerte Alltagsassistent, der über WLAN mit dem Internet verbunden ist und Kommandos auf direktem Weg zu den Servern des Unternehmens weiterleitet. Mit dem sogenannten Hotword "Alexa" weckt der Besitzer die kleine Box auf und kann Befehle an sie richten. Zusätzlich zu der Sprachsteuerung ist Echo durch eine App via Smartphone oder Tablet zu bedienen.

"Always ready, connected and fast"

Das Gerät hat laut Amazon Einiges zu bieten: Auf Zuruf soll es Musik abspielen, den Wecker stellen, die Wettervorhersage wiedergeben oder Witze erzählen. Dabei sei es "always ready, connected and fast", so der Hersteller. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, könnte Echo rein technisch gesehen laut Prof. Dr. Johannes Maucher vom Studiengang Medieninformatik an der Hochschule der Medien (HdM) alles mithören, was in der Umgebung gesprochen wird. "Für Amazon ist das eine Möglichkeit, herauszufinden, wie die Leute ticken, um ihnen dann personalisiert Produkte anbieten zu können", weiß Maucher. Der Experte für künstliche Intelligenz geht davon aus, dass Amazon über Echo eine Menge Daten sammeln und speichern könnte. "Den Verdacht, dass alles aufgezeichnet und übertragen wird, hat Amazon bislang meines Wissens nicht dementiert", so der Experte. Nicht grundlos kursieren bereits Spitznamen für die intelligente Assistenzbox wie zum Beispiel "Wohnzimmer-Spion", "Wanze", oder "Abhörstation".

Siri vs. Echo

Der große Unterschied zum Sprachassistenten Siri liegt laut Maucher in dem Ort, an dem die Antworten erzeugt werden. Während bei Siri die Verarbeitung lokal auf dem mobilen Gerät stattfinde, greife Amazon Echo auf einen Server zurück. "Wenn Echo wirklich das leisten soll, was es verspricht, benötigt das einen enormen Rechenaufwand. Lokal kann eine solche Leistung nicht verarbeitet werden." Laut Hersteller dient die gesamte Wikipedia als Datenbasis zur Beantwortung von Fragen. Maucher ist skeptisch, was das Können des Alltagsassistenten angeht. "Ich glaube, Echo wird nicht viel schlauer sein als Siri. Einfache Fragen nach dem Wetter oder nach Backzutaten wird es lösen können, aber die Beantwortung beliebiger Fragen in natürlicher Sprache erfordert eine riesige Rechenleistung - und die ist teuer."

Schnäppchen mit hoher Qualität?

In den USA ist der schlaue Lautsprecher für 199 US-Dollar erhältlich - Amazon-Prime-Mitglieder bekommen einen Rabatt. "Für diesen Preis wird Amazon sein Produktversprechen nicht halten können", vermutet Maucher. Maucher bezweifelt, dass Echo das leisten können wird, wie das Video auf der Amazon-Seite demonstriert. Was die Datenschutzthematik angehe, fasst Maucher zusammen, müsse jedem Käufer bewusst sein, dass alles, was er in Gegenwart des kleinen Echos spricht, gespeichert und möglicherweise ausgewertet wird. Jeder kann also selbst entscheiden, ob er "den Feind" mithören lässt oder doch lieber auf einen künstlichen Alltagsassistenten verzichtet. 

 

Corinna Groß

VERÖFFENTLICHT AM

01. Dezember 2014

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