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Daten als Ware

Digitalisierung, Daten, Biometrie

Jeder weiß, dass seine Daten wirtschaftlich verwertet werden. Der Verein Association für Personal Data Economy (APDE) plädiert dafür, dass jeder Bürger mit seinen Daten selbst wirtschaften kann, denn persönliche Daten haben heute einen großen Wert - sie sind wichtiger als Geld, weil sie Auskunft über unser Verhalten und unsere Persönlichkeit geben.

Die APDE wurde im Juni 2013 gegründet. Sie will gesetzliche Rahmenbedingungen für eine persönliche digitale Datenwirtschaft schaffen. Bisher können Webseiten wie Facebook Daten verwenden und zu Werbezwecken auswerten. Nutzer geben ihre Daten durch Apps und Chats sogar freiwillig an Unternehmen weiter. Auch durch "Wearables" - mobile Geräte, die man körpernah bei sich trägt - erhalten Firmen Informationen: Wann und wie machen Nutzer Sport, wie lange und wie tief schlafen sie, was essen sie etc. Mit diesen Angaben können Unternehmen Geld verdienen. Warum also sollten Verbraucher nicht selbst ihre persönlichen Daten in die Hand nehmen und entscheiden, ob sie damit Geld verdienen wollen oder ob sie die Angaben lieber für sich behalten? So könnten beispielsweise Energieanbieter die Haushaltsdaten anonymisiert zu statistischen Erhebungen verwenden. Aus den vorgenommenen Messungen berichten sie dann im Gegenzug dem Kunden, wie effizient seine Geräte sind und gibt Verbesserungsvorschläge. Somit hätte auch der Kunde einen Mehrwert seiner Daten erhalten.

Biometrische Verfahren Foto: heise.de
Biometrie: Neue Zeiten für Marketing und Werbung
Nicht nur digitale Daten geben über Nutzerpersönlichkeiten und -verhalten Auskunft. Auch das äußere Erscheinungsbild, biometrische Daten und Augenbewegungen dienen den Unternehmen als Informationsquelle. So können mit moderner Erkennungssoftware bereits geschlechtsspezifische Unterschiede festgestellt werden. Nun sind Forscher dabei, die Technik so weiter zu entwickeln, dass Personen kulturellen und sozialen Milieus zugeordnet werden können. Im Kino erhält man dann eine angepasste Version des Filmes - mit personalisiertem Product-Placement.

Zukünftig lassen sich durch biometrische Daten vorzeitig Absichten und Gefühle erkennen. Das Eye-Tracking-Verfahren ist hierbei eine der wichtigsten Vorgehensweisen.

Amnesty International Werbung 2009 Foto: aleguerrillamktg.files.wordpress.com
Schon 2009 testete Amnesty International hierzu ein Vorläufermodell: In einer Hamburger Bushaltestelle wurde das erste Plakat installiert, das über Minikamera und Gesichtserkennungssoftware Blicke wahrnehmen konnte. Die Kampagne war ein Aufruf gegen häusliche Gewalt: Sah man hin, war ein glückliches Paar zu sehen. Sah man das Plakat nicht an, änderte sich das Bild und der Mann schlug seine Frau.

Blick in die Zukunft?
Nicht nur das Kaufverhalten wird durch digitale Geräte und Daten frühzeitig erkennbar sein. Das Einkaufen wird sich auch direkt vor Ort im Supermarkt ändern. In Hamburg-St. Georg gibt es einen Test-Supermarkt der nur noch elektronische Preisschilder verwendet. In einer Schaltzentrale werden die Preisschilder kontrolliert. Aber nicht nur das, durch ein paar Mausklicks lassen sich theoretisch die Preise steuern und an die Nachfrage anpassen. Doch bisher befindet sich das System noch in der Entwicklungsphase.

Marieke Weller

VERÖFFENTLICHT AM

11. Dezember 2014

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