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Hochschule der Medien

Accessibility Day

"Barrierefreiheit mitdenken"

Verena Bentele, seit Januar 2014 Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, war am 5. Dezember zu Gast an der Hochschule der Medien. Dort hat sie betont, dass Technik für jeden nutzbar sein müsse, und zwar in wechselnden Lebensbedingungen. Die ehemalige Spitzensportlerin wünscht sich, dass Hersteller die barrierefreie Nutzung von Anfang an in ihrer Produktentwicklung bedenken.

Zur Detailansicht Verena Bentele war zu Gast an der HdM

Verena Bentele war zu Gast an der HdM

Zur Detailansicht Ihr Beitrag konnte per Live-Stream verfolgt werden (Fotos: Kim Kunze)

Ihr Beitrag konnte per Live-Stream verfolgt werden (Fotos: Kim Kunze)

Locker begrüßte die 32-Jährige neben den Gästen im Hörsaal auch „die auf der Couch sitzenden Sehenden", die der Veranstaltung per Liveübertragung am Rechner folgten. In ihrem Grußwort forderte Verena Bentele dazu auf, Technik so zu planen, dass jeder sie in wechselnden Lebensbedingungen nutzen könne. Sehbehinderte Menschen sollten an einem Herd ohne Touchscreen kochen können, aber auch mit einer Parkinson-Erkrankung müssten Dreh- und Druckknöpfe bedienbar bleiben. "Die technische Entwicklung macht das Leben für Menschen mit Einschränkungen leichter", freute sich Bentele. Vor allem die barrierefreie Informationsbeschaffung hob sie hervor. "Ich gehe gerne mit dem Handy ins Bett, um Zeitung zu lesen", erklärte die Lindauerin, die von Geburt an blind ist und nur hell und dunkel unterscheiden kann. Aber auch Apps machen es leichter, den Alltag zu meistern. Sie selbst nutze eine, die ihr die Farben ihrer Kleidungsstücke im Schrank verrate, damit die Teile zusammen passen, die sie sich morgens aussuche.

Immer größere Nutzergruppe

Als Beauftragte der Bundesregierung will sie sich dafür einsetzen, herauszufinden, welche Bedürfnisse es bei der Barrierefreiheit gibt und wie man ihnen gerecht wird. "Für Rollstuhlfahrer sind flache Randsteine gut, Sehbehinderte stolpern leichter darüber", berichtete Bentele. Auch Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen wünschen sich schöne Dinge. Statt für ein klobiges, sprechendes Telefon mit großen Tasten habe sie sich für ein weniger praktisches, aber hübscheres entschieden. Für barrierefreie Projekte sieht Verena Bentele eine immer größere Nutzergruppe, zu der sie ältere Menschen ebenso zählt, wie Migranten. Allerdings sollte der barrierefreie Zugang durch Sicherheitsvorkehrungen nicht auf der Strecke bleiben.

Blindenschrift ist cool

Beim Publikum hat Bentele mit ihrer charmant unkomplizierten Art gepunktet. „Fragen müssen Sie einfach stellen. Wenn Sie die Hand heben, bekomme ich das nicht mit und rede einfach weiter", scherzte sie. Vortragenden empfahl sie, die Blindenschrift zu lernen: "Sie können ablesen und trotzdem lächeln. Das ist sehr cool".

Beim "Accessibility Day" an der Hochschule der Medien haben Referenten aus Politik, Industrie und Forschung Innovationen durch Barrierefreiheit vorgestellt. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Forschungsgruppe "Responsive Media Experience" (REMEX). Die Wissenschaftler entwickeln Anwendungen und Technologien, die sich an den Benutzer, den Kontext und die Endgeräte adaptieren, um eine optimale Usability und User Experience zu erreichen.

Kerstin Lauer

VERÖFFENTLICHT AM

11. Dezember 2014

KONTAKT

Prof. Dr. Gottfried Zimmermann

Mobile Medien

Telefon: 0711 8923-2751

E-Mail: gzimmermann@hdm-stuttgart.de

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