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Hochschule der Medien

Talentshows

Ebbt die Welle der Castingshows ab?

"Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) geht in diesem Jahr in die zwölfte Staffel. Die Einschaltquoten sind längst nicht mehr so hoch, wie noch in den Anfangsjahren. Doch nicht nur DSDS hat mit sinkenden Zuschauerzahlen zu kämpfen – auch andere Castingshows müssen sich immer mehr ins Zeug legen, um die Fans am Ball zu halten. Ist der Trend der Talentshows rückläufig?

DSDS-Juroren der neusten Staffel. Können sie die Quoten halten? Bild: RTL / Stefan Gregorowius

DSDS-Juroren der neusten Staffel. Können sie die Quoten halten? Bild: RTL / Stefan Gregorowius

Die Konzepte der populären Castingshows im deutschen Fernsehen nutzen sich langsam aber sicher ab. Das zeigen die stetig sinkenden Einschaltquoten. Immer weniger Leute verfolgten zum Beispiel die elfte Staffel DSDS oder die achte Runde von "Das Supertalent". In den vergangenen zehn Jahren sind zahlreiche Talentformate aus dem Boden gesprossen - "Popstars", "Star Search", "Germany's Next Topmodel by Heidi Klum" oder "X-Faktor" sind nur einige von ihnen. Aber das Interesse der Zuschauer scheint neuerdings abzunehmen. Ist der Zenit dieser Formate überschritten?

Lebenszyklus von TV-Formaten

Prof. Dr. Eva Stadler ist Dozentin für TV-Management an der Hochschule der Medien (HdM). Als Expertin auf dem Gebiet weiß sie: "Formate durchlaufen immer gewisse Zyklen". In der Branche spricht man auch von sogenannten Formatlebenszyklen. Stadler erinnert sich an die 80er Jahre, als Spielshows besonders populär waren. "20 Jahre später hat der Hype um das Quiz wieder aufgehört. Man kann Wellen feststellen, weswegen sicherlich auch der Erfolg der Castingshows früher oder später abnehmen wird".

Neue Herausforderungen für Talentformate

Die Welle der Castingshows ebbt laut Stadler ab - der Grund: die Formate haben heute andere Marktbedingungen als noch vor zehn Jahren. Die TV-Expertin spricht von der zunehmenden Fragmentierung der Fernsehlandschaft. Demnach seien in den letzten drei Jahren sechs neue Nischensender entstanden, dazu kommen Angebote aus dem Internet. "Durch die neue Vielfalt verlieren die großen Sender an Einschaltquoten. Deshalb betrachten auch die Programmmacher eine halbe Million weniger Zuschauer trotzdem noch als Erfolg, weil sie immerhin im jungen Segment extrem punkten konnten", so Stadler. DSDS reagiert auf die Veränderungen mit einem neuen Konzept: statt Liveshows wird es ab diesem Jahr eine Konzerttour geben.

"Schnell und billig" für die Zukunft

Wenn trotz Rettungsversuchen die Quoten weiter sinken und die Sender eine Talentshow nach der anderen absetzen, was wird dann künftig im Fernsehen zu sehen sein? Die Fernsehexpertin wagt eine Prognose in Richtung Reality-TV à la "Berlin Tag und Nacht": "Solche Formate sind für den Alltag des Fernsehens schnell und billig zu produzieren". Auch denkbar sei das genaue Gegenteil, nämlich großes Eventfernsehen. Deshalb glaubt die Dozentin an ein Comeback von "Wetten, dass..?". Das endgültige Aus der Castingshows stehe trotz des Interessenrückgangs noch nicht vor der Tür: "Eine oder zwei Shows werden sich sicherlich halten - welche das sein werden, wird sich zeigen".

Corinna Groß

VERÖFFENTLICHT AM

08. Januar 2015

KONTAKT

Prof. Dr. Eva Stadler

Medienwirtschaft

Telefon: 0711 8923-2743

E-Mail: stadler@hdm-stuttgart.de

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