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Hochschule der Medien

Filmgeschichte

Filme ohne Ton? Unvorstellbar!

Als 1895 die Filmprojektoren erstmals für ein zahlendes Publikum rattern, dauert der gezeigte Film nur wenige Sekunden. Schwarzweiß, ohne Ton und anfänglich nur als Ergänzung zur Fotografie beabsichtigt, bahnt sich der (Stumm-)Film trotzdem schnell seinen Weg nach ganz vorn.

So sahen 1908 die Dreharbeiten in den New Yorker Edison-Studios aus, Quelle: Wikimedia Commons

So sahen 1908 die Dreharbeiten in den New Yorker Edison-Studios aus, Quelle: Wikimedia Commons

Darüber, ob der Stummfilm jemals wirklich stumm war, streitet die Wissenschaft noch heute. Klavier, Grammophon, ja sogar Orchester begleiten schon in den Anfangsjahren Ende des 19. Jahrhunderts die kurzen Geschichten des noch jungen Mediums. Transportiert wird die Geschichte durch die auffallend übertriebene Mimik und Gestik der Schauspieler. Kurz eingeblendete Schautafeln mit Schrift erklären nur das nötigste. Als Teil von Revuen in Varieté-Theatern bleiben Filmvorführungen in den Anfangsjahren allerdings der gehobenen Mittelschicht vorbehalten.

Besonders die Brüder Lumière treiben das Geschäft mit dem Film in Frankreich voran. Ihre Cinématographen verleihen sie an Schausteller aus der ganzen Welt. Das Patent zur Geräteherstellung verkaufen sie 1905 mit großem Gewinn an das Unternehmen Pathé Frères. Doch auch in den USA gehören die bewegten Bilder bereits 1909 zum "Big Business". Die Slapstick-Komödien mit Charlie Chaplin und Buster Keaton sind schon in den 1910er Jahren Publikumsmagneten. Inzwischen dauern die inszenierten Stücke mehrere Minuten, die Vorführungen finden zunehmend an kinoähnlichen Orten statt. Immer aufwendiger inszenieren die Regisseure ihre Geschichten - Montagen und Kamerafahrten kommen immer häufiger zum Einsatz.

Fragwürdiger Kassenschlager

Seinen Höhepunkt aber erreicht der Stummfilm mit David W. Griffiths Werk "Birth of a Nation", der am 8. Februar 1915 seine Premiere feierte. Binnen eines Jahres strömen über eine Million Besucher in die Kinos und machen das Werk zum finanziell erfolgreichsten Film der Stummfilmzeit. Für zwei Dollar pro Person – auf die heutige Zeit übertragen sind das immerhin 38 Dollar – konnten damalige Cineasten zahlreiche filmtechnische Innovationen bewundern.

Der Einsatz von über 500 Statisten für die Schlachtszenen ist damals genauso neu wie die Einfärbung bestimmter Filmsequenzen. Auch die eigens geschriebene Filmmusik für ein Orchester und die Nachtaufnahmen gehören noch lange nicht zum Standardrepertoire Hollywoods. In neun Wochen entsteht ein Film, der heute nicht nur wegen seiner film- und tricktechnischen Relevanz heiß diskutiert wird. Bereits damals gerät "Birth of a Nation", der sich thematisch mit dem US-amerikanischen Bürgerkrieg befasst, rasch in die Kritik. Rassistische Klischees und die Interpretation des Ku Klux Klans als Retter des Südens werfen zum Teil auch heute noch ein schlechtes Licht auf das technische Pionierwerk.

Quellen:
nwzonline.de
kalenderblatt.de

Stephanie Frank

VERÖFFENTLICHT AM

08. Februar 2015

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