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Hochschule der Medien

TV-Entertainer Jan Böhmermann

Neue Show, gleicher Erfolg?

Gehasst, geliebt, gelobt - Jan Böhmermann, Moderator und Komiker, ist all das. Er polarisiert wie kaum noch jemand im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Jetzt ist er mit seiner Nischen-Show "Neo Magazin Royale" im Hauptprogramm des ZDF zu sehen.

In der letzten Sendung von "Neo Magazin" im alten Studio war Roger Willemsen zu Gast, Foto: Screenshot youtube.com
Eigentlich ist Jan Böhmermann kein Neuling in der Unterhaltungsbranche. Er hat schon bei diversen Radiosendern moderiert, machte Comedy und arbeitete schon für Harald Schmidt. 2014 erhielt die Produktion der Late-Night Talk- und Comedy-Sendung "Neo Magazin" auf ZDFneo den Grimme-Preis in der Kategorie Unterhaltung. Die halbstündige Show um Moderator Böhmermann wird seit 2013 ausgestrahlt und erhielt im Februar 2015 eine Neuauflage: Aus "Neo Magazin" wurde "Neo Magazin Royale" und das Format bekam einen Platz im ZDF-Hauptprogramm. Diesen Sprung hat Böhmermann sicherlich dem ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler zu verdanken: Er sieht in Böhmermann und seiner Sendung Potenzial; nicht nur zur Erschließung der jungen Zielgruppe, sondern auch für die Zukunft des Senders. Denn genau diese Chance hatte das ZDF bei Joko und Klaas verpasst. Ihre Show schaffte den Sprung von ZDFneo zwar auch ins Hauptprogramm, jedoch bei der Konkurrenz von ProSieben. Hier füllen die beiden mittlerweile auch den Samstagabend. Auf diese Weise versucht das ZDF nicht noch ein junges Talent zu verlieren.

Der neue Harald Schmidt?

Böhmermann macht mit seiner Kritik auch vor Campinos Band Aid nicht Halt, Foto: Screenshot youtube.com
"Neo Magazin" auf ZDFneo wurde von einigen Kritikern für seine aufwändigen und inspirierenden Einspieler sowie Jan Böhmermanns Scharfsinn oft gelobt. Doch Böhmermanns Verhältnis zur Öffentlichkeit ist auch zwiespältig: Er ist undiplomatisch, provokativ, kritisiert und parodiert alles und jeden - unter anderem auch Helene Fischer - in einem Interview nannte er sie sogar eine "singende Sagrotan-Flasche" - und Campino mit Band Aid (versehen mit #dotheyknowitsscheiße). Dabei sind viele Gags hart an der Grenze des moralisch Vertretbaren.

Einige sehen ihn deshalb als unberechenbaren Freak. Doch gerade wegen seiner polarisierenden Art wird Böhmermann von anderen schon als nächster Top-Entertainer der Öffentlich-Rechtlichen gehandelt - als Erbe von Harald Schmidt. Ob Böhmermann diese Erwartungen erfüllen kann, wird er mit "Neo Magazin Royale" beweisen müssen. Um den Aufstieg ins Hauptprogramm gebührend anzupreisen, produzierten Böhmermann und sein Team verschiede Teaser und Einspieler - darunter ein Cover von Purs "Abenteuerland" sowie selbstironische Videos über das ZDF und ihn selbst.

Das erste Mal im Hauptprogramm

Am Freitag, 6. Februar 2015, wurde die Show am Programmrand um 0.00 Uhr zum ersten Mal beim ZDF ausgestrahlt. Einen Tag vorher, am Donnerstag 5. Februar 2015, konnten die Zuschauer die Ausgabe des "Neo Magazin Royale" schon auf ZDFneo sehen. Im neuen Studio jedoch und mit gestiegenem Druck hat das Format einen Teil seinen Charmes eingebüßt: Böhmermann wirkte in der ersten Sendung zu bemüht, stellenweise sogar nervös. Den Anfang machte er mit - fast Maschinengewehrartig - aneinander gereihten Gags, die alle nicht so richtig gelingen wollten. Böhmermann schien verloren, seine Moderationen teils orientierungslos. Beim neuen "Neo Magazin Royale" holte sich Jan Böhmermann sogar Verstärkung: Er bringt fortan neben William Cohen als Kommentator den Rapper Dendeman als Frontman der Showband auf die Bühne. Außer dem Studio erhielt der Moderator ein eigenes Büro und die Anzüge für die Sendung vom ZDF gestellt. Damit ist der Underdog des TVs augenscheinlich im Hauptprogramm angekommen. Doch Präsenz und Spritzigkeit hat er dabei verloren.

Quellen:
www.grimme-institut.de
www.musikexpress.de
www.stern.de
www.sz-magazin.sueddeutsche.de
www.sueddeutsche.de
www.zdf.de
www.zeit.de

 

Anna Ebner

VERÖFFENTLICHT AM

10. Februar 2015

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