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Hochschule der Medien

Streaming-Plattform YouNow

Hallo, so sieht mein Leben aus!

Vor ein paar Jahren waren es noch Diddl-Maus-Blätter oder Pokemon-Karten, die von Jugendlichen gesammelt und untereinander ausgetauscht wurden. Heute sind es Emojis, Hashtags, Likes - und Aufmerksamkeit. Der Kanal dafür ist das Videoportal YouNow. Dort präsentieren Jugendliche ihr Privatleben live online. Zuschauer erleben den Tagesablauf mit und können nach privaten Angaben fragen - in Echtzeit.

Eigentlich war mit YouNow eine ganz andere Idee verbunden. Die amerikanische Webseite wurde 2011 von Adi Sideman als Social Television gegründet, um jungen Musikern, YouTubern und DJs eine Plattform für ihre Talente zu bieten. Zuschauer sollten via YouNow auf sie aufmerksam werden und mit ihnen direkt in Kontakt treten können. Der Erfolg der Website blieb allerdings aus. Doch in den letzten Monaten ist die Nutzerzahl auffällig gestiegen: 16 Millionen Live-Videos wurden allein im Januar 2015 veröffentlicht. Rund 15 Prozent davon stammen aus Deutschland.

Erst ab 13 Jahren

Dass YouNow plötzlich so starke Zuwächse verzeichnet, liegt an der Nutzung durch junge Erwachsene und Kinder. Eigentlich dürfen sich User bei dem Videoportal erst ab einem Alter von 13 Jahren anmelden, doch diese Hürde ist leicht zu umgehen. Ein Account auf Facebook, bei Google oder Twitter reichen aus, um sich bei YouNow anmelden zu können. Da hier die Geburtsdaten nicht überprüft werden, sind darauf auch 11-Jährige unterwegs, die ihr Privatleben filmen und im Live-Chat Fragen beantworten. So kann jeder ganz einfach erfragen, wie alt die Jugendlichen sind, wie sie heißen oder wo sie wohnen. Jeder kann die Live-Videos und den Chatverlauf ansehen. Nur wenn man selbst Filme hochstellen oder den Nutzern im Live-Chat schreiben will, ist eine Anmeldung bei YouNow nötig. Doch warum ist die Plattform bei Jugendlichen so beliebt?

Fan-Star-Beziehung

"Es gibt keine klassischen Jugendszenen mehr wie früher", sagt Clarissa Henning vom Institut für Digitale Ethik der Hochschule der Medien. "Jugendliche brauchen Raum, um sich auszuprobieren und sich zu entfalten. YouNow bietet da eine passende Plattform", meint Henning. Sie können dort ihr Selbstwertgefühlt pushen, indem sie sich fremden Personen präsentieren und direktes Feedback erhalten. Dadurch erfahren sie auch, wie sie auf andere wirken. "So entsteht eine klassische Fan-Star-Beziehung, in der die Nutzer von ihren Zuschauern mit Hashtags bewertet werden und dadurch in Level aufsteigen können", berichtet Henning.

Gefahren erkennen
Für Jugendliche birgt die Streaming-Plattform jedoch auch eine Reihe von Gefahren: "Es kann Mobbing-Fälle geben, Pädophile können angelockt werden und außerdem sind keine Regulationen vorhanden", so Henning. Die hohe Kommunikationsgeschwindigkeit verleite Jugendliche dazu, alles über sich preiszugeben, ohne vorher nachzudenken. Da solche Austauschplattformen im Netz immer häufiger werden und diese von Kindern immer mehr genutzt werden, sind umfangreiche Kenntnisse nötig. Daher findet Henning, dass ein Unterrichtsfach "Medienkompetenz" in Schulen dringend nötig ist: "Medien sind Teil unserer Gesellschaft, da ist es wichtig möglichst früh zu lernen, richtig damit umgehen zu können."

Quellen:
hna.de
spiegel.de
welt.de

Marieke Weller

VERÖFFENTLICHT AM

03. März 2015

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