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Datenschutz

Smart-TV is watching you!

Smart-TVs sammeln laufend Daten über das Nutzungsverhalten und senden diese an den Gerätehersteller und an die Anbieter weiterer Informations- und Unterhaltungsdienste zurück. Dr. Roland Schmitz, Professor für Internetsicherheit an der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM), bemängelt, dass die Verbraucher unzureichend über die Aufzeichnung informiert werden. Auch Datenschützer sehen Handlungsbedarf.

Samsung sorgte vor zwei Monaten für einen Skandal, als bekannt wurde, dass persönliche und sensible Informationen der Fernsehzuschauer über die Spracherkennung der Smart-TVs aufgezeichnet und an Dritte weitergegeben werden. "Samsung wird das so lange so handhaben, bis es verboten wird", meint Prof. Dr. Roland Schmitz vom Studiengang Medieninformatik. Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA) hat im Februar 2015 festgestellt, dass auch andere Smart-TV-Hersteller möglichst viele Informationen über die Nutzer erhalten möchten. Bestandteil ihrer Überprüfung waren Fernsehgeräte von 13 Herstellern, die bundesweit 90 Prozent des Marktes abdecken. Die Datenschutzbehörde fand heraus, dass bereits beim Starten der Bildschirme über das angeschlossene Internet große Mengen an Daten aufgezeichnet und an die Anbieter zurückgesendet werden.

Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht hat das Datenverhalten von Smart-TV-Akteuren geprüft. Foto: BayLDA

Nutzer unzureichend informiert

Dass Fernsehgeräte überhaupt einen Rückkanal haben, ist neu. Die Vorgänger der Smart-TVs funktionieren über Rundfunksignale, die keine Daten an den Absender zurücksenden können. Bei der Ermittlung der Einschaltquoten halfen bisher ausgewählte und informierte Haushalte. "Die Gerätehersteller und Fernsehsender erhalten nun die Kontrolle über das Nutzungsverhalten der Fernsehzuschauer. Über den Server wird der Hersteller genauestens informiert, wo ein Smart-TV eingerichtet wurde, wann das Gerät genutzt wird und welcher Sender gerade eingeschaltet ist," erklärt Prof. Dr. Roland Schmitz die Folgen der neuen Technik.

Sobald erweiterterte Informations-und Unterhaltungsdienste wie ein Internetbrowser oder Apps geladen werden, ist es notwendig, Daten zurückzusenden. Es gäbe jedoch auch Informationen, wie den Senderwechsel, deren Übermittlung nicht notwendig sei, kritisiert Schmitz das Vorgehen. Zusätzlich bemängelt er die aktuellen Datenschutzerklärungen der Gerätehersteller gegenüber den Fernsehzuschauern: "Es muss offengelegt werden, welche Daten an den Hersteller und an Dritte übermittelt werden. Das geschieht jedoch nicht ausreichend." Und die Anzahl der betroffenen Verbraucher ist hoch: 75 Prozent der derzeit verkauften Fernsehgeräte in Deutschland sind laut IT-Verband Bitkom Smart-TVs.

Verschlüsselung muss verbessert werden

Die Auswertung der Daten ist auch bei verschlüsselter Übertragung im WLAN möglich. "Mit Hilfe bestimmter Charakteristika der Datenpakete können Lauscher herausfinden, welche Sender der Konsument gerade schaut", verrät Schmitz. Eine zusätzliche Verschlüsselung der Daten durch die Fernsehgeräte sei in jedem Fall wichtig, denn nur so werde gewährleistet, dass die Daten sicher den Server des Herstellers erreichen und nicht den eines Angreifers. Die Überprüfung des BayLDA zeigt, dass nicht alle Gerätehersteller Verschlüsselungen vollständig nutzen. Der Professor für Mediensicherheit kann dieses Verhalten nicht nachvollziehen. Denn durch eine SSL-Verschlüsselung, die beim Onlinebanking verwendet wird, könnten die Daten beim Transport ganz einfach geschützt sein, erläutert Schmitz.

Auch die Verbraucher können sich ein Stück weit selbst um den Schutz der eigenen Daten kümmern. "Wenn sie auf der Straße gefragt werden, was sie von Datensammlern halten, schimpfen sie," meint Prof. Dr. Roland Schmitz. Zuhause vor dem Smart-TV scheint die Wut vergessen zu sein, und das Internet bleibt dauerhaft an, sei es aus Bequemlichkeit oder weil die Zuschauer sich der Datenaufzeichnung nicht bewusst sind.

Handlungsbedarf ist notwendig

Der Ausschuss "Medienkonvergenz und digitale Gesellschaft" der Landesanstalt für Kommunikation (LFK) in Baden-Württemberg hat am 25. März 2015 ein Positionspapier veröffentlicht, das sich mit der Aufzeichnung des Nutzerverhaltens auseinandersetzt. Der LFK-Medienrat fordert einstimming, dass die Nutzer vor jeder Datenerhebung darüber informiert werden sollen, welche Daten aufgezeichnet, übertragen und verwendet werden und wie sie diese im Nachhinein wieder unwiderruflich löschen können.

Quellen:
Samsung Smart-TV Datenschutzbestimmungen
Bayerisches Landesamt für Datenschutzaufsicht: Technische Prüfung Smart-TV
Computerbild
LFK

Ann-Katrin Wieland

VERÖFFENTLICHT AM

30. März 2015

KONTAKT

Prof. Dr. Roland Schmitz

Medieninformatik

Telefon: 0711 8923-2124

E-Mail: schmitz@hdm-stuttgart.de

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