DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Auslandssemester

Glücksgriff im Problemviertel: Studenten-WG in Glasgow

Glasgow’s East End galt lange Zeit als gefährlich. Hier soll es Bandenkonflikte und eine hohe Kriminalitätsrate gegeben haben. Unbeeindruckt von diesen Gerüchten haben vier Studenten des Masterstudiengangs Elektronische Medien an der Hochschule der Medien (HdM) während ihres Auslandssemesters in Schottland eine WG gegründet – und sind in den berüchtigten Stadtteil gezogen.

Mit passender WG-Deko: Selina Gerlach, Michael Gosling, Florian Lutz und Kevin Klett (v.l.). Bild: Michael Gosling.

Mit passender WG-Deko: Selina Gerlach, Michael Gosling, Florian Lutz und Kevin Klett (v.l.). Bild: Michael Gosling.

Von Kommilitonen an der University of the West of Scotland (UWS) werden sie regelmäßig für verrückt erklärt. Besorgte Ausrufe wie: "Im East End kann man doch nicht wohnen!" oder "Da ist es doch total gefährlich!" hören die HdM-Studenten oft. Selina Gerlach (24), Michael Gosling (26), Florian Lutz (26) und Kevin Klett (27) wohnen seit Februar in Glasgow's East End und haben noch nichts von besagter Kriminalität mitbekommen. "Unsere Wohnung ist in einer friedlichen Familiengegend. Von Bandenkrieg keine Spur", sagt Gerlach schulterzuckend. Der einst verrufene Stadtteil habe sich im vergangenen Jahr positiv entwickelt, bloß sei das noch nicht in den Köpfen der Glasgower angekommen. 

Die Wohnung: ein Glücksgriff

Das Apartment sei für Glasgower Verhältnisse ein echtes Schnäppchen, verraten die HdM-Studenten. Sie zahlen hier weniger als in ihren WGs in Stuttgart. Ob das an der Wohngegend liegt? Wie es scheint, ist der Preis dem Wohlwollen des Vermieters zu verdanken. Er will die Wohnung in einem halben Jahr verkaufen und die deutschen Zwischenmieter kommen ihm deshalb gerade recht. Zwei Stockwerke hat die möblierte Wohnung, es gibt drei große Zimmer und nur einen kleinen Haken: Das vierte Zimmer hat nur 7 Quadratmeter. "Wer die Abstellkammer bekommt, mussten wir auslosen - Kevin hat verloren", erzählt Gosling. Inzwischen haben sich die Vier häuslich eingerichtet und ihre Wohnzimmerwand mit St. Patricks Day-Hüten und Fußballschals geschmückt.

Obligatorische Fußballfans

Im WG-Alltag geht jeder seinen eigenen Koch- und Essgewohnheiten nach, aber spätestens zum abendlichen Bierchen trifft man sich im Wohnzimmer. Häufig schauen die Mitbewohner zusammen Fußball im Fernsehen oder im nahe gelegenen Stadion - eine Begeisterung, die Selina Gerlach als einzige Dame im Haus nicht ganz teilen kann. "Vor der Zeit in Schottland war mir gar nicht klar, wie oft in der Woche eigentlich Fußball läuft", gibt sie zu. Also wird sie - gezwungenermaßen und der WG zuliebe auch zum Fußballfan.

Pünktlichkeit und rote Ampeln

In den ersten Wochen in Schottland haben die vier HdM-Studenten manche vermeintlich deutsche Gewohnheiten abgelegt. „Mittlerweile lachen wir über Touristen, die an einer roten Fußgängerampel stehen bleiben", sagt Gosling. Schnell haben sie gelernt: In Glasgow wird nicht gewartet - hier läuft sogar die Polizei bei Rot über die Ampel. Auch die allbekannte deutsche Pünktlichkeit haben die Stuttgarter seit ihrer Ankunft in Schottland vernachlässigt. "Unsere Freunde hier sagen immer, wir wären gar keine richtigen Deutschen, weil wir ständig unpünktlich sind", gibt Gerlach zu. Richtige Deutsche hin oder her - während des Auslandssemesters kann man sich ruhig an die schottischen Gewohnheiten anpassen, finden die Mitbewohner. Und dazu gehört: Regelmäßig Fish and Chips essen, Fußball schauen, sich um 18 Uhr ein Bier im Pub genehmigen und bei Rot über die Ampel laufen.

Corinna Groß

VERÖFFENTLICHT AM

30. März 2015

Lesen Sie auch

ARCHIV

Studium
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren