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Hochschule der Medien

Internetkriminalität

Cyberattacken: Zielscheibe Meinungsfreiheit?

Erst die Filmproduktionsfirma Sony, dann der französische Sender "TV5Monde", schließlich die belgische Zeitung "Le Soir": Immer öfter wird von Hackerangriffen auf Medienunternehmen berichtet. Hinter den Cyberattacken stecken häufig terroristische Gruppen, die die Hackerangriffe zur politischen Propaganda nutzen.

Zur Detailansicht TV5Monde gibt den Hackerangriff über Facebook bekannt. Foto: Screenshot von facebook-Seite TV5Monde.

TV5Monde gibt den Hackerangriff über Facebook bekannt. Foto: Screenshot von facebook-Seite TV5Monde.

Man sitzt abends vor dem Fernseher, schaut eine Sendung - plötzlich wird der Bildschirm schwarz. Signalstörung? Das werden sich wohl die Zuschauer von "TV5Monde" gedacht haben. Doch die Störung war nicht nach ein paar Sekunden behoben. Die Fernsehanstalt wurde von Kriminellen gehackt. Das Programm war für Stunden lahm gelegt.

Ein Angriff, wie ihn der frankophone Sender Anfang April miterlebte, ist schwerwiegend, aber längst kein Einzelfall mehr. Wenige Tage nach der Attacke auf "TV5Monde" speisten sich Cyberkriminelle in das System der belgischen Zeitung "Le Soir" ein. Die Internetseite musste daraufhin komplett deaktiviert werden.

Attacken als Mittel der politischen Propaganda

Medien berichten vor allem bei vermeintlich größeren Vorfällen, doch kleine Hacking-Überfälle sind keine Seltenheit mehr. "Cyberattacken gibt es, seit es lukrativ ist, über das Internet Geld zu verdienen", sagt Prof. Dr. Roland Schmitz, der sich an der HdM mit Internetsicherheit beschäftigt. Das fängt beim „Phishing" an, wenn persönliche Daten und Passwörter über falsche Websites und E-Mails abgefangen werden.

Die Verursacher der Störungen sind meist nur schwer zu ermitteln, da sie selbst mit falschen Daten arbeiten. "TV5Monde" wurde vermutlich von Terroristen des Islamischen Staat gehackt. "Der Zweck des Ganzen war es, eine politische Botschaft unterzubringen", sagt Schmitz. Die Tat erinnert an andere terroristische Angriffe auf Medienhäuser, etwa auf Charlie Hebdo. Wie die Terroristen auf das Netzwerk von "TV5Monde" zugriffen, ist nicht klar.

Für Schmitz ist der wahrscheinlichste Fall, dass Mitarbeiter sich über das Firmennetz und gefälschte E-Mails infizieren ließen. So mussten die Hacker nicht auf direktem Weg durch die Firewall, die vor Attacken schützen soll, sondern konnten sich direkt über die Mitarbeiter in das Netzwerk einspeisen. Eine einfache Lösung für das Problem sieht er nicht: "Das ist schwer zu verhindern. Die Mitarbeiter müssten private und geschäftliche Geräte erstmal strikt voneinander trennen", so Schmitz. Über die Gefahren müssten die Angestellten zusätzlich geschult werden.

Sony: Anschlagsdrohungen wegen Politkomödie "The Interview"

Vergangenes Jahr sorgte die US-amerikanische Komödie "The Interview" für Furore. Der Film handelt von einem geplanten Mordanschlag auf den nordkoreanischen Regierungschef Kim-Jong Un. Einen Monat vor der geplanten Veröffentlichung wurde die produzierende Firma Sony Pictures Opfer eines Hackerangriffs, bei dem unter anderem Daten und Filme geklaut wurden. Die Hacker drohten Sony mit der Veröffentlichung der Daten, werde der Film nicht zurückgezogen.

Eine politische Debatte zwischen den USA und Nordkorea entbrannte, die man als Cyberkrieg bezeichnen kann: US-Präsident Barack Obama verteidigte die Veröffentlichung der Komödie und beschuldigte Nordkorea der Cyberattacke. Das Land weist die Vorwürfe bis heute zurück. Nach mehreren Anschlagsdrohungen entschied sich Sony doch für die geplante Veröffentlichung. Ein Sieg der Meinungsfreiheit?

Angriff auf Werte der westlichen Welt

Diese Art von Internetkriminalität, die Cyberwars, werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen. "Die Aktivitäten der Geheimdienste werden ansteigen", glaubt Prof. Dr. Schmitz. "Aber die Bürger werden davon nicht mehr mitkriegen." Die Geheimdienste wollen mit ihrer Arbeit unreguliert bleiben. Cyberattacken auf Unternehmen würden aber wohl nicht mehr groß ansteigen. "Die Wirtschaft wird ein großes Interesse daran haben, dass das Internet sicherer wird." Zwar würden die Angriffe immer raffinierter, aber die Schutzmaßnahmen würden sich in dieselbe Richtung entwickeln.

Doch Medienunternehmen stehen wegen unpassender Haltung häufig unter Beschuss - im Internet und im "wahren Leben", wie die Ereignisse um Charlie Hebdo jüngst belegen. Auch die Proteste rund um die dänische Zeitung "Jyllands Posten" 2006 bestätigen das. Der Karikaturist, der im Blatt provokative Mohamed-Karikaturen veröffentlichte, steht seither unter Polizeischutz. Jüngst wurde eine Ausstellung über Mohamed-Karikaturen in Texas zum Ziel einer Terrorattacke, ein Beispiel für den fließenden Übergang von Cyberattacken zu realen Übergriffen. Den Terroristen geht es oft um einen Angriff auf die Werte der westlichen Welt. Dazu gehört auch die Meinungsfreiheit.

 

Quellen:

spiegel.de

welt.de

handelsblatt.de

tagesschau.de

fr-online.de

 

Victoria Kunzmann

VERÖFFENTLICHT AM

05. Mai 2015

KONTAKT

Prof. Dr. Roland Schmitz

Medieninformatik

Telefon: 0711 8923-2124

E-Mail: schmitz@hdm-stuttgart.de

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