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Diskussion um Betriebssysteme

Verhilft Windows 10 Microsoft zu neuem Glanz?

Ende Juli veröffentlicht Microsoft sein neues Betriebssystem Windows 10. Es ist das vorerst letzte neue Betriebssystem des Software-Riesen, bietet dafür eine entscheidende Neuerung: Windows 10 soll sich automatisch auf allen Geräten des Nutzers synchronisieren. Hat Microsoft den Trend verschlafen? Darüber diskutiert Prof. Walter Kriha mit seinen Studenten.

Zur Detailansicht Windows 10 soll dem User Synchronität versprechen. (Foto: digitaltrends.com)

Windows 10 soll dem User Synchronität versprechen. (Foto: digitaltrends.com)

Mit Windows 8 haben einige Microsoft-Fans bis heute zu kämpfen: Durch die Kachelstruktur und das Weglassen des Start-Buttons wirkt das System unübersichtlicher und weniger intuitiv wie die bisherigen Windows-Versionen. So manche der ohnehin schwindenden Windows-Nutzer hat das einst modernste Software-Unternehmen der Welt damit zusätzlich vergrault. Microsoft hat den Umstieg auf vergleichbare - aber kostenlose - Software leicht gemacht. Nun wagt Microsoft einen neuen Anlauf und veröffentlicht Ende Juli die neue Version seiner Windows-Serie.

In der Vorlesung "Aktuelle Themen der Internet-Technologien" von Walter Kriha, Professor für Informatik und Internet-Security, führt das neue Microsoft-Betriebssystem zu hitzigen Diskussionen. Obwohl fast alle Kursteilnehmer einen Windows-Rechner besitzen, waren nur die wenigsten mit Windows 8 zufrieden. Ein Student klagte sogar, dass er googeln musste, wie er den PC herunterfahren könne.

Microsofts Problem: die Lizenzierung

Den größten Mehrwert von Windows 10 soll die Synchronisation bieten: Das Betriebssystem soll für Smartphone, Tablet und PC optimiert veröffentlicht werden und ermöglicht dem Nutzer, über alle Geräte hinweg am gleichen System zu arbeiten. Innovation oder letzter Anker auf dem sinkenden Windows-Schiff? Windows 10 soll für Nutzer der letzten beiden Betriebssysteme als Upgrade fungieren und kostenlos sein. Zumindest im ersten Jahr. Für Neukunden kostet es 119 Dollar.

Das sei eines der Probleme des Software-Konzerns: Eine optimale Lösung für die Studenten wäre es, das Betriebssystem kostenlos anzubieten und mit Zusatzleistungen, beispielsweise Service und Support, Geld zu verdienen. Besonders für Firmenkunden mit einer hohen Stückzahl an Hardware sei das derzeitige Lizenzmodell nicht mehr zeitgemäß.

Die mobile Welt verschlafen

Klar ist: Microsoft hat die Entwicklung der Betriebssysteme verschlafen. Das Nutzerverhalten hat sich vor allem durch mobile Endgeräte grundsätzlich verändert. "Wenn wir am PC arbeiten, nutzen wir hauptsächlich den Browser", stellt Kriha fest. Das heißt: Der Trend geht zu mobilen Web-Applikationen. Installierte Programme verwenden wir kaum noch, die meisten Anwendungen lassen sich mobil im Internet öffnen. Ein Lösungsansatz für den Software-Riesen? "Den Software-Service in die Cloud verlagern", schlägt Kriha vor.

Microsoft verdiente bisher mit zwei Standbeinen sein Geld: Neben den Windows-Betriebssystemen wurde die Microsoft Office-Suite zum Verkaufsschlager. Seit einigen Jahren ist die Xbox in der Gaming-Welt ein ernstzunehmender Konkurrent der PlayStation. Erstere hat sich auf dem Markt etabliert, während das Office-Paket ersetzbar geworden ist, beispielsweise durch die Google-Anwendung "Docs", bei der in Echtzeit von mehreren Personen an einem Dokument gearbeitet werden kann - mobil und im Web. "Google und Amazon sind ernstzunehmende Konkurrenten für Microsoft geworden, obwohl sie auf den ersten Blick aus einer anderen Branche kommen", so Kriha.

Alles verlagert sich in die Cloud

Das größte Microsoft-Konkurrenz-Produkt von Google ist nicht Docs, sondern das mobile Betriebssystem Android. "Android hat Windows die Butter vom Brot genommen", formuliert es Kriha. Weil Android auf Smartphone und Tablet genutzt wird, verbringen wir einen großen Teil unserer Zeit damit. Apple hat mit der Veröffentlichung des ersten iPhones sein mobiles System iOs auf den Markt gebracht und sich damit bei den Apple-Kunden etabliert. Diesen Schritt hat Microsoft zu spät gewagt: Windows-Phone, das auf den Nokia Smartphones standardmäßig installiert ist, gibt es seit 2011. Vergangenes Jahr hatte das System einen Marktanteil von nur 6,8 Prozent.

Windows 10: Ruin oder Retter?

Microsoft macht deutlich, wie schnell sich Denk- und Verhaltensweisen in der digitalen Welt verändern. Nicht nur die Produkte, auch der Konzern selbst gilt mittlerweile als veraltet, denn seine Strukturen sind denen eines modernen Internetkonzerns nicht mehr angepasst - zu festgefahren, zu bürokratisch. Das geht aus dem Artikel "Microsoft's Lost Decade" des Journalisten Kurt Eichenwald für das US-Magazin "Vanity Fair" hervor. Die Arbeit moderner Konzerne wie Netflix spielt sich in der Cloud ab: Sogar Kundendaten verlagern die Firmen in die Cloud. Zugunsten von Einfachheit und umfassender Nutzbarkeit werden Sicherheitsrisiken in Kauf genommen.

Durch die digitale Entwicklung seien Geschäftsmodelle von Microsoft fast komplett weggebrochen, meint Prof. Walter Kriha. Doch eine Strategieänderung blieb aus - bis jetzt. Mit Windows 10 will CEO Satya Nadella zeigen, dass mit Microsoft noch zu rechnen ist. Ein Großteil von Krihas Kursteilnehmern sieht in der Neuausrichtung eine Chance: Vor allem auf die Leistungsfähigkeit der Endgeräte komme es an. Ob die Nutzer zum Software-Vater zurückkehren, wird sich zeigen.

Quellen:

www.stern.de
www.heise.de
www.vanityfair.com

Victoria Kunzmann

VERÖFFENTLICHT AM

10. Juni 2015

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Prof. Walter Kriha

Medieninformatik

Telefon: 0711 8923-2220

E-Mail: kriha@hdm-stuttgart.de

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