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Hochschule der Medien

Studie

Regional-TV: Auslaufmodell oder Zukunftsmarkt?

Mit der Bedeutung regionaler TV-Sender für Baden-Württembergs Medienlandschaft setzt sich die neue Studie "Regionales Privatfernsehen in Baden-Württemberg am Scheideweg" auseinander. Durchgeführt hat sie Prof. Dr. Boris Kühnle von der Hochschule der Medien (HdM) im Auftrag der Landesanstalt für Kommunikation. In der Studie wird klar: Wenn das Regionalfernsehen eine Zukunft haben soll, sind Sender, Politik und Gesellschaft jetzt gefordert.

Auch wenn Informationen aus aller Welt inzwischen rund um die Uhr verfügbar sind: Für viele Menschen ist besonders wichtig, was vor der eigenen Haustür passiert. Bedient wird ihr Interesse von Lokalzeitungen, auch und gerade in Baden-Württemberg mit seiner ausgeprägten Zeitungs-Vielfalt. Aber auch lokale Radio- und TV-Programme informieren über das Geschehen in der Region.  

Kampf um Aufmerksamkeit und Werbe-Einnahmen 

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Ein vielschichtiges Thema: Regionalfernsehen in Baden-Württemberg. Quelle: LFK-Studie
Mit der Rolle regionaler Fernsehsender wie beispielsweise Regio-TV, Rhein-Neckar-Fernsehen oder Baden TV setzt sich die neue Studie von Prof. Dr. Boris Kühnle, Studiendekan des Studiengangs Medienwirtschaft an der HdM, auseinander. Kleine Regionalsender kämpfen mit den Giganten des deutschen Privatfernsehens RTL und ProSiebenSat.1 um Aufmerksamkeit. Sie haben es nicht leicht, sich wirtschaftlich zu behaupten. Um ihr Programm finanzieren zu können, sind sie auf Werbeeinnahmen und somit auf die Investitionsbereitschaft regionaler Unternehmen angewiesen. Hier kommen wieder die Zeitungen ins Spiel: Weil es für sie immer schwieriger wird, Anzeigen an national tätige Unternehmen zu verkaufen, konkurrieren sie zunehmend mit den Sendern um die Gunst lokaler Firmen. Allerdings verdienen sie auch durch Abos und Einzelverkauf an jeder Ausgabe Geld - im Gegensatz zu den TV-Sendern, die folglich noch abhängiger vom örtlichen Werbemarkt sind. Ein weiteres Problem laut der Studie: Die hohen Personalkosten der Lokalsender. Im Vergleich zu den großen Privatsendern strahlen sie wenig zugekaufte Formate wie Filme, Serien oder Dokus aus. Schließlich ist ihre Aufgabe, regionale Themen abzudecken - und die Inhalte dafür wollen erst einmal produziert sein. 

Veränderte Mediennutzung, neue Herausforderungen

Dass diese Inhalte ihr Publikum dann auch erreichen, ist alles andere als selbstverständlich. Nicht jeder weiß von der Existenz der regionalen Sender, bei hohen Personalkosten und geringen Werbeerlösen bleibt nur noch wenig Budget für Marketing und PR. Ist ein Sender bekannt, heißt das noch lange nicht, dass es mit dem Empfang auch klappt - zu versteckt sind die Kanäle oft hinter den vielen Programmen der großen Privatsender und denen der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Ohnehin hat der Fernseher als Mittelpunkt des Wohnzimmers gerade bei jungen Menschen nicht mehr die Bedeutung wie in der Vergangenheit, statt linearer Programme sind Apps und Mediatheken gefragt. Und im Journalismus ist crossmediales Erzählen das Gebot der Stunde. Um hier mitmischen zu können, braucht es eine entsprechende Infrastruktur und geschultes Personal, beides kostet eine Menge Geld. 

Was also tun angesichts der prekären Lage des Regionalfernsehens? Prof. Dr. Boris Kühnle kommt in seiner Studie zu dem Schluss: Die Sender dürfen nicht auf ein Wachstum des Werbemarktes hoffen, sondern müssen Kosten senken , sei es durch Kooperationen mit anderen regionalen TV-Anbietern, durch technische Innovationen oder durch eine andere interne Organisation. Da regionales Fernsehen sonst nicht auf Dauer privatwirtschaftlich organisierbar sei, sieht Kühnle auch Politik und Gesellschaft in der Pflicht und hält ein Nachdenken über neue Förderkonzepte für erforderlich. Ein Vorbild könnte das "Schweizer Modell" sein. Dort erhalten private Rundfunkveranstalter seit 2007 einen höheren Anteil an den Empfangsgebühren als zuvor. 

Aus seinen Forschungsergebnissen leitet Prof. Dr. Boris Kühnle noch weitere Handlungsempfehlungen ab. Diese sind in der Studie "Regionales Privatfernsehen in Baden-Württemberg am Scheideweg" nachzulesen, die auf der Webseite der Landesanstalt für Kommunikation als PDF abrufbar ist. 

Manuel Kern

VERÖFFENTLICHT AM

07. Juli 2015

KONTAKT

Prof. Dr. Boris Kühnle

Medienwirtschaft

Telefon: 0711 8923-2246

E-Mail: kuehnle@hdm-stuttgart.de

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