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Hackerangriffe auf Staaten

Regierungen unter digitalem Beschuss

Der Hackerangriff auf das Netzwerk der Bundesregierung und des Bundestags ist die bisher schwerwiegendste Cyberattacke auf staatliche Institutionen. Wer dahinter steckt, ist unklar. Nicht nur Deutschland ist Ziel von Internet-Terrorismus. Regierungen größerer und kleinerer Länder werden regelmäßig Opfer von Cyberkriminalität.

Wer hinter der Attacke auf den deutschen Bundestag steckt, ist noch unklar. (Foto: mitmischen.de)

Wer hinter der Attacke auf den deutschen Bundestag steckt, ist noch unklar. (Foto: mitmischen.de)

Häufig unter Beschuss stehen US-Behörden. (Foto: chip.de)

Häufig unter Beschuss stehen US-Behörden. (Foto: chip.de)

Im Mai stellten IT-Experten des Bundestags einen Angriff auf das System "Parlakom" fest. Wie massiv die Schadsoftware in die Rechner der Parlamentarier gedrungen ist, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Wochen später kann das tatsächliche Ausmaß des Angriffs nicht definiert werden. Inzwischen steht fest, dass sich eine Späh-Software eingenistet hat und diese Daten absaugt. Bisher angeblich nur in geringen Größen, die Software suche vor allem nach Passwörtern, E-Mails und Word-Dokumenten.

Verschiedene Medien, darunter "Spiegel Online" berichten, dass die russische Hackergruppe "Sofacy" hinter der Cyberattacke stehen könnte. Sofacy wird vermutlich von der russischen Regierung unterstützt. Aufgrund der Komplexität des Angriffs wird angenommen, dass eine ausländische Regierung am Übergriff beteiligt ist. Das ist längst keine Seltenheit mehr.

USA im Fokus von Regierungen und Terroristengruppen

Die Niederlande, Russland, Nigeria: Sie alle wurden in den vergangenen Jahren Opfer von Hackerangriffen auf ihre Regierungssysteme. Am häufigsten wird jedoch die USA angegriffen. Die letzte Attacke ist nur wenige Tage her.

Mitte Juni trafen sich eine Delegation der US-amerikanischen und der chinesischen Regierung. Das Verhältnis der beiden Staaten ist derzeit angespannt, nicht zuletzt aufgrund der neuesten Spähaffären. Anfang letztens Monats verschafften sich chinesische Angreifer Zugang zum System der US-Verwaltungsbehörde. Davor hatten sich Hacker in das US-Personalbüro eingenistet und die Personaldaten von vier Millionen aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern der US-Regierung abgezapft. Das Weiße Haus wollte China für die Übergriffe bisher nicht offiziell verantwortlich machen.

Social Media vermutlich von IS geknackt

Soweit nur die neuesten Vorfälle im Datennetz der US-Regierung. Mit Übergriffen aus dem Ausland - von Regierungen und Firmen - haben die Vereinigten Staaten fast monatlich zu kämpfen. Hinter den Vorfällen von Mai 2015 wird erneut Russland vermutet. Kriminelle attackierten das Computersystem der Steuerbehörde IRS. Die Daten von knapp 100.000 Steuerzahlern wurden geklaut.

Auch die US-Armee wurde zum Opfer von Angreifern über das Internet. Die Website www.army.mil musste stillgelegt werden, nachdem sich die syrische elektronische Armee Zugang verschafft und sich öffentlich zum Übergriff bekannt hat. Nicht das erste Mal waren die sozialen Medien der US-Behörden Zielscheibe für Terrororganisationen: Offenbar knackten Anhänger des Islamischen Staat im Januar die Twitter- und Youtube-Accounts des zentralen Einsatzkommandos des US-Militärs und veröffentlichten unter anderem Drohungen gegen US-Soldaten.

USA: vom Täter zum Opfer

Dennoch: Als Opfer können die Vereinigten Staaten gewiss nicht fühlen: In den vergangenen Jahren zapfte der Geheimdienst, die National Security Agency - kurz NSA - millionenweise Kommunikationsdaten verschiedener Regierungen ab. Neben der deutschen Regierung waren auch die russische und die chinesische betroffen.

Weitaus häufiger als riesige Datendiebstähle sind kleine Übergriffe, wie er im Februar in den USA passiert ist: Mehrere Stunden konnte auf die offizielle Website der niederländischen Regierung nicht zugegriffen werden. Wie in den meisten anderen Fällen konnten die Behörden nicht ermitteln, wer sich hinter der Attacke verbirgt.

China, Israel, Nigeria: Hacker legen Websites lahm

Über viele - meist harmlose - Hackerangriffe auf andere ausländische Regierungen wird in Deutschland kaum berichtet. So wurde im April die Website der chinesischen Regierung, sowie einer Polizeistelle in der chinesischen Provinz lahmgelegt. Bei Twitter nennt sich die vermutete Hackergruppe "AnonymousGlobo". Ob eine Verbindung zur bekannten Gruppierung "Anonymous" besteht, ist nicht bekannt. Letztere verübte im gleichen Monat einen Cyberanschlag auf den Internetauftritt der israelischen Regierung.

Eine andere Dimension von Cyberterror erlebte die nigerianische Bevölkerung. Die Wähler konnten bei der Präsidentschaftswahl Ende März erst mit einiger Verspätung ihre Stimme abgeben, da die Homepage der Wahlkommission von der "Nigerian Cyber Army" gehackt wurde. Sie veröffentlichten eine Drohung auf der Seite: „Falls ihr die Wahl fälscht, werdet ihr dafür zahlen müssen." An der Wahl selbst konnten die Hacker nichts beeinflussen.

Quellen:

  • manager-magazin.de
  • spiegel.de
  • n-tv.de
  • focus.de
  • cio.de
  • heise.de
  • tagesschau.de
  • bild.de
  • egovernment-computing.de

Victoria Kunzmann

VERÖFFENTLICHT AM

06. Juli 2015

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