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Hochschule der Medien

Sommerserie zu Talkshows, Teil 3

Schwieriges Terrain für Philosophen und Literaturkritiker

Trash-Formate und Casting-Shows dominieren die TV-Kanäle, für Programm mit mehr Anspruch bleibt oft nur wenig Sendeplatz. In Teil 3 der Sommerserie werfen wir einen Blick auf die wechselhafte Geschichte anspruchsvoller Talk-Formate aus den Bereichen Philosophie und Literatur.

Iris Radisch, Hellmuth Karasek und Marcel Reich-Ranicki (v.l.). Foto: ZDF/Foto Sessner

Iris Radisch, Hellmuth Karasek und Marcel Reich-Ranicki (v.l.). Foto: ZDF/Foto Sessner

Zur Detailansicht Maxim Biller, Christine Westermann, Volker Weidermann (v.l.) und ein wechselnder Gast bilden das neue Literarische Quartett. Foto:ZDF/Juliane Eirich

Maxim Biller, Christine Westermann, Volker Weidermann (v.l.) und ein wechselnder Gast bilden das neue Literarische Quartett. Foto:ZDF/Juliane Eirich

Zur Detailansicht Richard David Precht im Gespräch mit  Sahra Wagenknecht. Foto: ZDF/Juliane Eirich

Richard David Precht im Gespräch mit Sahra Wagenknecht. Foto: ZDF/Juliane Eirich

"Das Literarische Quartett" wagt einen Neuanfang

Von 1988 bis 2001 diskutierte "Das Literarische Quartett" in insgesamt 77 Folgen über neue Buchveröffentlichungen. Von Anfang an dabei waren Hellmuth Karasek und Marcel Reich-Ranicki. Am späten Donnerstagabend ging es im ZDF oft kontrovers und auch laut zu, insbesondere Reich-Ranicki konnte sich wunderbar in Rage reden. Nach dem Ende der Sendung 2001 gab es verschiedene Versuche, die Lücke zu füllen. Elke Heidenreich empfahl in der Sendung "Lesen!" neues Lesefutter, zuletzt empfing Wolfgang Herles freitagabends auf dem "Blauen Sofa" verschiedene Autoren und befragte sie zu ihren Werken. Jetzt wagt das "Zweite" eine Neuauflage des legendären "Literarischen Quartetts". Gastgeber wird Volker Weidermann, Literaturchef des "Spiegel", außerdem dabei sind der Schriftsteller Maxim Biller und Moderatorin Christine Westermann, bekannt aus "Zimmer frei!". Das Quartett wird komplettiert von einem wechselnden Gast. Sechs Ausgaben sind geplant. Los geht es ab dem 2. Oktober 2015.  

Philosophie-Talk: "Precht" füllt die Lücke

Das Pendant zum legendären Literatur-Talk mit Reich-Ranicki und Karasek war von 2002 bis 2012 "Das philosophische Quartett". Alle zwei Monate nahmen sich Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski und zwei Gäste der wirklich wichtigen Themen an. Mitte 2012 war nach 63 Folgen Schluss. Aktuell gibt es im ZDF noch das Format "Precht" mit dem Philosophen Richard David Precht. Der Bestsellerautor ("Wer bin ich und wenn ja, wie viele?") fühlt alle zwei Monate im abgedunkelten Studio an einem kargen Tisch prominenten Gästen auf den Zahn und befragt sie zu Themen des aktuellen Zeitgeschehens. In diesem Jahr ging es beispielsweise schon um die Beschleunigung der Gesellschaft, zu Gast war der Zeitforscher Prof. Hartmut Rosa. "Deutschlandradio Kultur" sendet wöchentlich ein Philosophie-Magazin mit dem Titel "Sein und Streit". Auch wenn die Zuhörerschaft des Formats begrenzt bleibt, so bildet es doch eine wohltuende Alternative zum Friede-Freude-Eierkuchen-Einerlei auf deutschen Sendern.

Print liefert alternative Formate

Die gesendete Philosophie hat es also schwer im Land. Leider nicht viel besser geht es der gedruckten: Seit 2011 druckt das "philosophie Magazin" anspruchsvolle Themen im aktuellen Kontext oder stellt große Denker wie Spinoza, Aristoteles, Hegel oder Rousseau vor. Die letzte Ausgabe drehte sich etwa um die Frage, ob das Leben ein Ziel braucht. Seit 2004 beschäftigt sich das Magazin "Cicero" mit dem Thema der politischen Kultur in Deutschland und in der Welt. Prominente Autoren aus Politik, Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft etc. liefern teilweise auch philosophisch angehauchte Stücke wie Essays, Kommentare und Analysen als Brain-Food. Dass anspruchsvolle Themen auch im Printbereich keine Millionenauflagen erzielen, versteht sich von selbst - dennoch schafft "Cicero" derzeit eine Gesamt-Auflage von rund 150.000 Exemplaren - statt Talk vor der Glotze also Walk zum Kiosk.

Quellen:
zdf.de
tagesspiegel.de
horizont.net
dlf.decicero.de

Foto Titelseite:
ZDF, Renate Schäfer

Manuel Kern

VERÖFFENTLICHT AM

25. August 2015

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