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Sommerserie zu Talkshows, Teil 4

Viel Arbeit für das Phrasen-Schwein

Rund um den Globus erhitzt der Sport die Gemüter. Vor allem König Fußball sorgt für Gesprächsstoff in Büros und an Stammtischen. "Manche Menschen denken, beim Fußball gehe es um Leben und Tod", sagte einst Bill Shankly, schottischer Trainer des FC Liverpool in den Sechzigern und Siebzigern, und ergänzte: "Ich mag diese Einstellung nicht. Ich kann Ihnen versichern, dass es viel ernster ist."

Kein Wunder also, dass auch im Fernsehen regelmäßig über das runde Leder diskutiert wird. In Teil 4 unserer Sommerserie werfen wir einen Blick auf Talkformate zur wichtigsten Nebensache der Welt.

Phrasen und Weißbier beim Sport1-Doppelpass

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Wer Phrasen drischt, muss zahlen: Das Sport1-Phrasenschwein freut sich. Foto: SPORT1 / Nadine Rupp
Es war das Ende einer Ära, als Moderator Jörg Wontorra am 31. Mai diesen Jahres zum letzten Mal den "Doppelpass" auf "sport1" moderierte. 419 Mal hatte "Wonti" Journalisten, Trainer und Sportdirektoren zur sonntäglichen Diskussionsrunde in ein Hotel am Müncher Flughafen geladen. Ab der Saison 2015/16 übernimmt Thomas Helmer, Ex-Profi des FC Bayern, die Moderation. Wer sich in der Sendung allzu platt über Ereignisse des aktuellen Spieltags äußert, zahlt drei Euro für wohltätige Zwecke in das legendäre "Phrasenschwein". Über das "Dopafon" können Zuschauer ihre Meinung zu den Diskussionsthemen kundtun. Aufgrund häufiger Sponsorenwechsel trägt der "Doppelpass" immer wieder verschiedene Namenszusätze - als eine Brauerei namensgebend war, bekam die Runde am Ende der Sendung traditionell ein Weizenbier serviert.     

Torwand und Taktiktafel beim ZDF-Sportstudio

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Eine Institution am späten Samstagabend: Das ZDF-Sportstudio. Foto: ZDF/Rico Rossival
Erst talken, dann kicken: Das "aktuelle Sportstudio" fordert seine Gäste nicht nur rhetorisch, sondern auch sportlich. Seit über 50 Jahren fasst es am Samstagabend das Sportgeschehen zusammen, im Mittelpunkt stehen die Spiele der Fußball-Bundesliga. Legendär ist die große Bahnhofsuhr, die zu Beginn jeder Sendung eingeblendet wird, untermalt von der seit Jahren unveränderten Titelmusik. Am Ende der Sendung tritt der jeweilige Studiogast gegen einen Zuschauer im Torwandschießen an. "Drei unten, drei oben" heißt es dann - und manch ein Profi sieht in der Abendgarderobe plötzlich ziemlich unbeholfen aus. Nicht so Franz Beckenbauer: Ihm drapierte man den Ball 1994 auf einem Weizenbierglas. Der Kaiser schoss - und traf unten rechts. Unvergessen und bei YouTube zu sehen sind auch folgende Auftritte: Der Streit zwischen Christoph Daum und Uli Hoeneß 1989, der junge Ralf Rangnick beim Erklären der Viererkette an der Taktiktafel und Boxer Norbert Grupe, der 1969 minutenlang alle Fragen des Moderators nur mit Schweigen beantwortete.

Kacktore und der Fußballgott bei Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs

Einen etwas anderen Blick auf den alltäglichen Fußball-Wahnsinn hat Arnd Zeigler. Der Stadionsprecher von Werder Bremen moderiert am späten Sonntagabend im WDR die Sendung "Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs." Darin lädt er Zuschauer ein, per Mail, Anruf oder Facebook-Nachricht, mitzudiskutieren. So bietet das Format oft sehr persönliche Einblicke in das Seelenleben der Fans. Aber auch Prominente kommen immer mal wieder zu Wort. Gesprächspartner von Arnd Zeigler waren beispielsweise schon der deutsche Profi Thomas Broich, der als Auswanderer die australische A-League aufmischt und Jürgen Klopp. Mit dem früheren Dortmunder Meistertrainer lieferte sich Zeigler einen legendären Schlagabtausch: Nach einem hohen Sieg fragte Zeigler ironisch nach der vermeintlichen Krise beim BVB, Klopp spielte mit, ohne eine Miene zu verziehen. Der Ausschnitt ist bei YouTube abrufbar. Die Wahl zum Tor des Monats, bekannt aus der ARD-"Sportschau" wird bei Arnd Zeigler übrigens auf eine ganz eigene Art interpretiert: Hier gibt es einen monatlichen Preis für besonders glückliche Tore , die der Stammtisch mit den Worten "den hätte auch meine Oma gemacht" kommentieren würde. Der "Sieger" darf sich über die Auszeichnung "Kacktor des Monats" freuen.

Sportschau: Samstag 18 Uhr auf dem Sofa - Verlängerung im Sportschau-Club

Doch noch immer die meisten Fußballbegeisterten lockt jeden Samstag ab 18 Uhr die ARD Sportschau vor die Fernseher: Knapp zwei Stunden Berichterstattung vom Top-Spiel der Bundesliga über die Premier League der Briten oder anderen europäischen Fußball bis hin zur dritten Liga. Mit Anekdoten aus den letzten 50 Jahren und amüsanten Hintergrundgeschichten führen unter anderem Gerhard Delling, Matthias Opdenhövel oder Reinhold Beckmann durch die Sendung. Eine Talkshow ist das nicht - doch dafür gibt es den Sportschau-Club. Im Anschluss an verschiedene Live-Übertragungen lädt die Sportschau zum Beispiel prominente Sportler, Trainer oder Journalisten ein, um über verschiedene Facetten des Fußballs zu diskutieren. Ausgangspunkt ist meist das zuvor übertragende Spiel. Zuvor strahlte das Erste bis 2012 "Waldis Club" aus, dessen Moderator Waldemar Hartmann spätestens seit Rudi Völlers Wutrede 2003 legendär ist. Von diesen hitzigen Diskussionen, in denen der damalige Teamchef Völler Hartmann vorwarf, schon seine drei Weizenbier getrunken zu haben, ist der Sportschau-Club mit Moderator Alexander Bommes derzeit weit entfernt. 

Beste Sprüche von Sportmoderatoren

Und so bleiben bei den beliebten Sendungen um den Sport im TV häufig sehr kluge Sprüche der Moderatoren hängen, Weisheiten, die es nur in diesen Shows gibt, die zwischen Ernst und Unterhaltung, zwischen Leben und Tod pendeln:

"Je länger das Spiel dauert, desto weniger Zeit bleibt." (Marcel Reif)

"Baslers Freistösse sind wie das wirkliche Leben; mal weich und kurz, mal hart und lang." (Jörg Wontorra)

"Sie sind der Experte - Betonung auf Ex" (Gerhard Delling)

"Die meisten Spiele, die 1:0 ausgingen, wurden gewonnen." (Günther Netzer)

Und (gendergerecht) Zitate von Frauen, also Sportmoderatorinnen? Leider haben wir keine passenden Sprüche oder Moderationspassagen gefunden. Vermutlich, weil Frauen viel zu intelligent sind, um auf diesem Niveau zu formulieren...bis auf eine.


 

Foto Startseite: ZDF/Kerstin Bänsch

 

Quellen: zdf.de, youtube.com, sport1.de, bild.de, wdr.de, sportschau.de, wikipedia.org/wiki/Sportschau-Club, programmwechsel.de

Manuel Kern

,

Victoria Kunzmann

VERÖFFENTLICHT AM

04. September 2015

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