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Hochschule der Medien

Sommerserie zu Talkshows, Teil 5

Mutige Psycho- und Sexgespräche

In den 1990er Jahren war die Hochphase der Ratgeber-Talkshows. Ob Domian, Verona Feldbusch oder Erika Berger, sie alle nahmen bei Tabu-Themen kein Blatt vor den Mund. Sie plauderten mit ihren Gästen munter über Sex und andere intime Details. Im 5. Teil der Sommerserie stellen wir fünf beliebte deutsche Erotik- und Ratgeber-Talkshows vor.

Sexberaterin Erika Berger polarisierte als sie 1987 mit ihrer Sendung "Eine Chance für die Liebe" startete. Foto: RTL Presse
Als Sex in den Medien noch ein Tabu-Thema war: "Eine Chance für die Liebe" (1987-1991)

Als die heutige Expertin für Erotik-Themen, Erika Berger, 1987 in ihrer RTL-Sendung "Eine Chance für die Liebe" erstmals offen im deutschen Fernsehen über Seitensprünge, Erektionsprobleme und Orgasmen sprach, sorgte sie für ein reges Medienecho. Kritiker warfen der Moderatorin vor, das Fremdgehen und den häufigen Partnerwechsel zu bewerben. Doch ihre Ratschläge am Telefon kamen an: Insgesamt fünf Jahre lang schalteten Millionen Zuschauer jeden Dienstagabend bei Erika Berger ein.

Fünf Moderatorinnen in sechs Jahren: "Peep!" (1995 - 2000)

Werbeikone Verona Pooth avancierte durch die Show "Peep!" zur Kultfigur. Fotoquelle: siehe Seitenende
So leidenschaftlich wie es bei der Erotik-Sendung "Peep!" auf RTL 2 zuging, so stürmisch vollzog sich auch der Wechsel der Moderatorinnen. Die Disco-Queen der 1970er Jahre, Amanda Lear, führte 1995 erstmals durch das Programm. Es folgten Verona Feldbusch, Saskia Valencia, Verena Araghi und Nadja abd el Farrag. "Peep!" war das damalige Zugpferd des noch jungen Privatsenders RTL 2. Die Einschaltquoten lagen meist über dem Durchschnitt des Senders.

Die Bild-Zeitung berichtete gerne über die Show: Beispielsweise über das fiktive Interview, das Nadja abd el Farrag mit der Gummipuppe von Gerhard Schröder über die sexuellen Vorlieben des damaligen Bundeskanzlers führte. Schröder ärgerte sich über das Gespräch und drohte damit juristische Schritte einzuleiten. Die Moderatorin und der Sender entschuldigten sich daraufhin öffentlich bei ihm. Für Verona Feldbusch, heute Frau Pooth, war "Peep!" dagegen das Sprungbrett ihrer Karriere. Ihre unzähligen Versprecher wurden in Comedy-Shows wie RTL Samstag Nacht oder Switch parodiert.

Lilo Wanders sprach in ihrer Show über Pornos, Swingerclubs und erotische Fantasien. Foto: Agentur Charis
Pornos, Swingerclubs und sexueller Fetischismus: "Wa(h)re Liebe" (1994 - 2004)

Zehn Jahre lang flimmerte die Sendung "Wa(h)re Liebe" mit Lilo Wanders bei VOX über den Bildschirm. Jeden Donnerstagabend sorgte der Travestiekünstler Ernst-Johann Reinhardt gezielt für Lacher, indem er zum Beispiel ein Kondom zum Interview einlud.

Lilo Wanders war eine besondere Erscheinung: Als waschechter Mann hatte sie nichts mit dem heute so gängigen Thema der Transsexualität zu tun, sondern war ein reiner Travestiekünstler, spielte kess, lässig und manchmal leicht snobby den bewanderten Sexaufklärer. Das letzte Erotikmagazin seiner Art hatte in seiner Hochphase einen Marktanteil von zehn Prozent und erreichte damit über eine Millionen Zuschauer. 2004 wurde das Format abgesetzt.

 

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14. September 2015

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