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Smartphone-Nutzung

Digitaler Burnout

Smartphones stressen uns und machen uns krank – zu diesem Ergebnis sind Forscher der Uni Bonn gekommen. Sie haben eine App entwickelt, die das Smartphone-Verhalten dokumentiert. Eine Auswertung der Daten verrät, welche negativen Folgen die ständige, dauerhafte Nutzung auf unser Leben und die Gesellschaft hat.

Die 17- bis 25-Jährigen nutzen ihr Smartphone im Durchschnitt drei Stunden täglich.

Die 17- bis 25-Jährigen nutzen ihr Smartphone im Durchschnitt drei Stunden täglich.

Bereits 2014 erklärte der Bonner Juniorprofessor Alexander Markowetz in einem Interview mit der Wirtschaftswoche, dass exzessiver Smartphone-Konsum das ungesunde Fett der digitalen Welt sei und man sich einer digitalen Diät unterziehen müsse. Damals hatte er mit einem Team aus Informatikern und Psychologen bereits eine App entwickelt, die das Kommunikationsverhalten von inzwischen 300.000 Smartphone-Nutzern jeden Alters dokumentiert. Die App "Menthal" soll den Nutzern veranschaulichen, wie häufig sie tatsächlich ihr Mobiltelefon verwenden. Die Daten von 60.000 Personen wurden für das Anfang Oktober 2015 veröffentlichte Buch "Digitaler Burnout" ausgewertet. Die Ergebnisse sind alarmierend.

Welchen Einfluss hat die Smartphone-Nutzung auf unser Leben?

Das Smartphone sorgt dafür, dass es heute keine Phasen mehr gibt, in denen man einer Aufgabe konzentriert nachgehen kann. Das heißt, dass sich ein Smartphone-Nutzer nicht mehr stundenlang einer bestimmten Arbeitsaufgabe widmen kann, die Menschen also in einer Zerstreuungskultur gefangen sind: Die Auswertung zeigt, dass das Handy im Durchschnitt 88 Mal am Tag in die Hand genommen wird. 55 Mal wird es für E-Mails, Kurznachrichten oder Apps entsperrt. Das bedeutet, dass alle 18 Minuten die Gedanken abschweifen. Die Folge: Die Arbeit wird ständig unterbrochen und natürlich auch realiter stattfindende Sozialkontakte oder Gespräche. Insgesamt zweieinhalb Stunden täglich widmet sich der Durchschnittsnutzer seinem Handy. Am häufigsten beschäftigt er sich mit WhatsApp (35 Minuten) und Facebook (15 Minuten). Bei den 17- bis 25-jährigen Studienteilnehmern beträgt die Nutzungszeit sogar drei Stunden.

Warum wird so häufig nach dem Smartphone gegriffen?

Professor Alexander Markowetz vergleicht das Smartphone mit einem Glücksspielautomaten: Jederzeit könnte etwas Spektakuläres passieren, das uns begeistert oder beglückt und sich auf dem Smartphone manifestieren. Dies sorgt dafür, dass das Hormon Dopamin ausgeschüttet wird, ein Botenstoff, der uns dazu motiviert, uns auch weiterhin mit dem Gegenstand unseres Glückgefühls, also dem Mobilgerät, zu beschäftigen. Zugleich aber steigt die Frustration und der Stress bei den Nutzern aufgrund der Ausdifferenzierung der unterschiedlichen Kommunikationskanäle. Handy-Dienste wie E-Mails oder SMS oder Applikationen und Kanäle wie WhatsApp, Youtube oder Instagram zwingen uns, jederzeit erreichbar zu sein. Gleichzeitig ist es für die Gesellschaft selbstverständlich geworden, kurzfristig über diese verschiedenen Wege auf Informationen und Botschaften zu reagieren.

Digitale Diät ist notwendig

Die ständige Erreichbarkeit und die Ablenkung am Arbeistplatz, im Unterricht oder am Schreibtisch treiben uns laut Professor Alexander Markowetz längerfristig sogar bis in den Burnout. Er meint, dass sich die Gesellschaft eine neue Kommunikationsetikette auferlegen muss. Diese sollte es als normal begreifen, dass auch mal Pausen vom Smartphone notwendig sind und "eine digitale Diät" begonnen werden kann - und dies ohne sogleich als Sonderling deklariert zu werden.

 

Quellen:

Buch "Digitaler Burnout"
Pressemitteilungen der Uni Bonn
LfM-Studie / lfm-nrw.de
Hamburger Morgenpost vom 23.9.15
Faz.net
Wiwo.de

Ann-Katrin Wieland

VERÖFFENTLICHT AM

09. Oktober 2015

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