DE

| EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Medientage 2015

TV als Motor der Kreativwirtschaft

Was hat der Inhalt eines Pizzakartons mit der TV-Branche gemeinsam? Das fragten sich auch die Besucher der Medientage 2015 in München. Die Antwort darauf lieferte Prof. Dr. Boris Kühnle von der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) am 21. Oktober 2015 in seinem Impulsvortrag im Panel "TV-Agenda: Fernsehen als Motor der Kreativwirtschaft".

Prof. Dr. Boris Kühnle: "Wer kauft schon Pizza wegen des Kartons?"

Prof. Dr. Boris Kühnle: "Wer kauft schon Pizza wegen des Kartons?"

Zur Detailansicht Vom Erfolg des Fernsehens profitieren neben den Programmanbieter auch andere Akteure. Fotos: Medientage.de

Vom Erfolg des Fernsehens profitieren neben den Programmanbieter auch andere Akteure. Fotos: Medientage.de

"Die kommerziellen audiovisuellen Unternehmen in der Bundesrepublik werden zum ersten Mal die magische Grenze von zehn Milliarden Euro Umsatz durchbrechen. Das ist ein deutlicher Leistungsbeweis für die TV-Industrie als Motor der Kreativwirtschaft", kündigte Dr. Tobias Schmid, Vorstandsvorsitzender beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT), stolz das Panel zum gleichnamigen Thema an. Zur Diskussion hatte der Verband Vertreter von Fernsehsendern, Medienhäusern, Produktionsfirmen, Hochschulen und aus der Politik eingeladen.

HdM-Professor Dr. Boris Kühnle überraschte das Publikum in seinem Vortrag gleich zu Beginn mit der Aussage, Pizza sei vergleichbar mit der TV-Branche: "Wer kauft schon Pizza wegen des Kartons? Die meisten kaufen sie wegen des Inhalts. Die TV-Branche ist nicht der Pizzakarton, sondern die Pizza, die drin steckt." Die Fernsehmacher seien es, die das Programm machen, das Publikum anlocken und mit ihrem Medium dessen Bedürfnisse bedienen.

Information, Spaß und Entspannung

In der Langzeitstudie "Massenkommunikation 2015" von ARD/ZDF geben 81 Prozent der Befragten an, dass das Fernsehen ihr Informationsbedürfnis stillt. 79 Prozent der Studienteilnehmer finden beim Einschalten Spaß und fast ebenso viele Entspannung (78 Prozent). Dabei ist vor allem der Bereich "Sport" gefragt: Die Abonnentenzahlen für die Übertragungen der Bundesliga-Spiele wachsen stetig. Das Medium Fernsehen sei also aktuell nicht nur finanziell einer der Gewinner der Medienbranche, sondern auch im Vergleich mit anderen Massenmedien das Medium, das am stärksten die Bedürfnisse der Konsumenten bediene, erläutert Prof. Dr. Boris Kühnle.

Die Folge: Das Fernsehen ist das Medium mit der größten Reichweite. Die aktuelle Studie von ARD/ZDF zeigt, dass 80 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren täglich im Durchschnitt drei Stunden und 28 Minuten fernsehen. Kühnle hält die TV-Wirtschaft für einen der zentralen Hebel für die Kreativwirtschaft. Diese sei mittlerweile ein Motor für die Volkswirtschaft insgesamt.

Ungleiche Verteilung des Wohlstands

Ute Biernat, Geschäftsführerin bei der Kölner Produktionsfirma UFA SHOW & FACTUAL, konnte die Freude der Branche nur eingeschränkt teilen. Sie sieht die Produzenten am unteren Ende der gut verdienenden Kreativwirtschaft. Für sie müsste der Produzent mehr Beteiligung an Rechten haben und bei bereits generiertem Content stärker mitverdienen. Die Produktionsfirmen müssten in Neuentwicklungen investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben, so Biernat.

Auch die vermeintliche Gefahr, die von Netflix, Google und Apple für den deutschen TV-Markt ausgeht, kam bei der Diskussion zur Sprache. Julian Geist, Vertreter der ProSiebenSat.1 Media SE, sorgte sich um die künftige Konkurrenzfähigkeit der TV-Industrie, da die internationalen Player auf der Überholspur seien. Deutsche Unternehmen würden immer wieder durch Regulierungen der Politik auf die Standspur gewunken. Für ihn hätte Deutschland großes Potenzial, eine Export-Nation für TV-Inhalte zu werden. Stattdessen trete es derzeit vor allem als Importeur auf.

Quellen:
ARD/ZDF
MFG/PwC
Medientage.de

Ann-Katrin Wieland

VERÖFFENTLICHT AM

27. Oktober 2015

KONTAKT

Prof. Dr. Boris Kühnle

Medienwirtschaft

Telefon: 0711 8923-2246

E-Mail: kuehnle@hdm-stuttgart.de

Lesen Sie auch

ARCHIV

Medienwelt
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren