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"Sprechen Sie Emoji?"

Das soziale Netzwerk Facebook möchte noch in diesem Jahr zusätzlich zum bekannten "Gefällt mir"-Daumen die neue Kommentarfunktion "Reactions" einführen. Zukünftig sollen Nutzer mit sechs verschiedenen "Emojis" ihre Gefühlsreaktionen wie zum Beispiel Liebe, Wut oder Freude auf einen Facebook-Post ausdrücken können.

Die neuen Facebook-"Emojis" werden im Moment in Spanien und Irland getestet.

Die neuen Facebook-"Emojis" werden im Moment in Spanien und Irland getestet.

Sechs weitere "Emoji"-Zeichen sollen künftig den berühmten "Gefällt mir"-Button ergänzen und somit den Nutzern mehr Möglichkeiten geben, auf einen Post zu reagieren.

"Emojis" sind im Grunde genommen Smileys, die aber verschiedene Emotionen wie Lachen, Weinen und Überraschung darstellen, daher auch der Name. Darüber hinaus bezeichnet der Begriff aber auch vereinfachte Bildchen, die alles Mögliche abbilden, wie Tiere, Pflanzen, verliebte Paare, technische Geräte, Außerirdische, Herzen oder eben den nach oben gerichteten Daumen.

Emotion auf einen Klick

"Emojis" sind schon lange in Facebook etabliert. Sie stehen überall dort zur Verfügung, wo Nutzer sich gegenseitig schreiben können: im Chat, in den Nachrichten, in Kommentaren und Postings. Warum also die Neuerung? Wie Facebook bereits im September erklärte, fällt es Nutzern zum Beispiel schwer, den "Gefällt mir"-Button als Reaktion auf einen traurigen Post anzuklicken. Stattdessen wird der Post kommentiert. Durch die neue Funktion können Nutzer mit einem einzigen Klick ihre Emotionen wiedergeben.

Eine Welt aus Bildzeichen

Außerhalb von Facebook existiert bereits eine Welt, in der Gefühle durch "Emojis" statt durch Worte geäußert werden: ein trauriges Gesicht, ein lachendes Gesicht, ein küssendes Gesicht, ein Herz oder mehrere hintereinander. Die Möglichkeiten sind zahlreich. Seit der Werbefachmann Harvey Ball im Jahr 1963 das Smiley erfand und der Informatiker Scott Fahlman daraus in den 1980ern das Emoticon (ein Smiley aus Tastaturzeichen) erschuf, stehen Hunderte von Bildchen im Netz zur Verfügung.

Ralph Tille, Professor für Design interaktiver Medien und Spezialist für Icon-Gestaltung an der Hochschule der Medien, erklärt: "Die Nutzung von Emoticons und Emojis ist entstanden, weil sie eine Emotionalisierung und Differenzierung des Textes ermöglichen. Bildzeichen vermitteln eine Botschaft. Ob diese nun redundant zum Text, ersetzend, verstärkend oder auch abschwächend eingesetzt wird, ist eine individuelle Entscheidung. Doch vor allem werden Emojis heutzutage auf Facebook und anderen Chats wie WhatsApp verwendet, um etwas auszudrücken, was man allein mit Text nicht kann." Emojis existieren, weil die Gestik und Mimik im Chat oder der E-Mail fehlen. Tille zufolge sorgen sie daher für mehr Effizienz in der Kommunikation. Doch es bleibt jedem überlassen, ob er mehr Smileys sendet als Worte, oder andersrum.

Im Moment werden die neuen "Emojis" in Spanien und Irland getestet. Die ersten Feedbacks sind positiv, die neue Kommentarfunktion wird als Bereicherung erlebt. Sie vereinheitlicht allerdings gleichzeitig das Kommunizieren auf Facebook: ein "Emoji" mit einem Klick, statt dem vielseitig gestaltbaren Kommentar. Wie Prof. Ralph Tille andeutet, wird dies insbesondere Facebook nützlich sein, da das soziale Netzwerk das Verhalten der Nutzer nun auch quantitativ auswerten kann.

Alexandra Seidel

VERÖFFENTLICHT AM

03. November 2015

KONTAKT

Prof. Ralph Tille

Informationsdesign

Telefon: 0711 8923-3167

E-Mail: tille@hdm-stuttgart.de

WEITERFÜHRENDE LINKS

www.hdm-stuttgart.de/idb

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John Doe

am 12.11.2015 um 10:53 Uhr

Gefällt mir nicht, *trauriger Smiley*, da geht ja völlig die persönliche Message flöten.

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