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Hochschule der Medien

Fachtagung "Bildungswege gestalten"

Neue Wege der Vernetzung in der kommunalen Bildungslandschaft

Bildungsinstitutionen vernetzen sich, um Lebenslanges Lernen in der Stadt oder der Region kooperativ umzusetzen und damit "bildungsferne" Bürgergruppen zu erreichen. Das ist mittlerweile keine neue Erscheinung mehr. Allerdings fehlen vielen Kommunen beispielhafte Modelle und Expertise, für die Umsetzung solcher Kooperationen angesichts sehr unterschiedlicher institutioneller und regionaler Realitäten.

Zur Detailansicht Prof. Dr. Klaus Meisel (Münchner Volkshochschule),  Andreas Mittrowann (ekz) , Heike Mühlbauer (Moderation), Prof. Cornelia Vonhof (HdM) und Prof Dr. Richard Stang (HdM, von links)

Prof. Dr. Klaus Meisel (Münchner Volkshochschule), Andreas Mittrowann (ekz) , Heike Mühlbauer (Moderation), Prof. Cornelia Vonhof (HdM) und Prof Dr. Richard Stang (HdM, von links)

Zur Detailansicht Sergio Dogliani, Deputy Head of Idea Store, London

Sergio Dogliani, Deputy Head of Idea Store, London

Zur Detailansicht Prof. Dr. Richard Stang

Prof. Dr. Richard Stang

Auf der Fachtagung "Bildungswege gestalten" am 12. und 13. November 2015 in Nürnberg ging es um Lösungsansätze für die praktischen Fragen der Zusammenarbeit. Zu der Veranstaltung lud der Bildungcampus in Nürnberg - selbst ein Beispiel für eine erfolgreiche Etablierung kooperativer Bildungsstrukturen - ein. Sie wurde von der Hochschule der Medien (HdM) und dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung organisiert. An zwei Tagen gingen die Teilnehmer der Frage nach der wirksamen Vernetzung von formellen bis informellen Lernorten unter der Perspektive der "bildungsorientierten Stadtentwicklung" nach.

Mauern durchbrechen

Zu Beginn standen Vorträge auf dem Programm, die die verschiedenen Begriffe und Institutionstypen einer Bildungslandschaft in Relation setzten. Eröffnet durch Dr. Wolfgang Eckart (Bildungscampus Nürnberg), nach dem Bildungseinrichtungen durch Kooperationen verstärkt auf sich aufmerksam machen und eine völlig neue, integrierte Institutionsform schaffen müssen, erläuterte Dr. Jürgen Oelkers (Universität Zürich), wie Schulen als Akteure einer Bildungslandschaft ein Potenzial zur gesellschaftlichen Problembewältigung entwickeln können. Prof. Dr. Annette Scheunpflug (Otto-Friedrich-Universität Bamberg) veranschaulichte Forschungsergebnisse zu informellen Lernorten, die - als Bildungslandschaft - Teil des Sozialraums sind, und Akteuren in Form einer „kleinen Öffentlichkeit" Anerkennung geben können, wenn diese nicht pädagogisch überstrukturiert sind. Bezogen auf die Weiterbildung bestätigte Prof. Dr. Josef Schrader (Deutsches Institut für Erwachsenenbildung) die Prämisse der Tagung empirisch: Kooperationen würden sich lohnen; die Möglichkeit damit neue Teilnehmergruppen zu erschließen ließe sich aber nur geringfügig an regionalen Handlungsspielräumen festmachen. Prof. Dr. Richard Stang (HdM) betrachtete Bibliotheken und Lernzentren aus der Sicht von demographischen Trends und den Paradoxien der Informationsgesellschaft, und stellte sicher: Jeder, nicht nur der Bildungsbürger, hat Anspruch auf den ‚Hochglanz‘ öffentlicher Lernorte. Dr. Ulrich Maly (Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg) gab der Vielfalt an Bildungsakteuren eine Richtung und verwies auf die anhaltende Flüchtlingskriese als Ansatz: Aufgabe einer kommunalen Bildungslandschaft sei es, die Mauern zwischen den einzelnen Referaten und Einrichtungen zu durchbrechen, und durch Kooperation, politischer Rückendeckung, und kontinuierlicher Selbstoptimierung innovativ zur Gerechtigkeitsinfrastruktur beizutragen - bei den Bedürftigsten zuerst.

Sergio Dogliani (Deputy Head IdeaStores, London) stand den Teilnehmern Rede und Antwort zu seinem Projekt in einem heterogenen Problemviertel im Zentrum der englischen Hauptstadt, in dem sich die Bibliotheksnutzung mittlerweile mehr als vervierfacht hat. Auch Beispiele wie der Wissensturm in Linz, der Bildungscampus Nürnberg, der Lerntreff Trier und das Bildungshaus Wolfsburg wurden vorgestellt. Dr. Cornelia Schödlbauer (Schoedlbauer high value coaching) betrachtete den Prozess organisationalen Wandels aus einer Management- und Beraterperspektive.

Essenziell: politische Unterstützung

In einer Podiumsdiskussion fassten Prof. Dr. Richard Stang, Prof. Cornelia Vonhof (beide HdM), Andreas Mittrowann (ekz bibliotheksservice GmbH) und Prof. Dr. Klaus Meisel (Volkshochschule München) die Tendenzen der Tagung zusammen. Das Gewinnen politischer Unterstützung ist für den Erfolg von Bildungspartnerschaften essenziell, setzt jedoch voraus, dass die Institutionen jeweils gut vorbereitet sind und sich ihrer Kapazitäten bewusst sind. Die Entwicklung, wie auch die Nachhaltigkeit von Bildungslandschaften ist dabei hochgradig von einzelnen Personen und Akteuren abhängig. Die Visionsfähigkeit und das innovative Verhalten dieser Akteure müssen sich in der Kultur der Institutionen wiederspiegeln, sodass es intern, wie auch extern keine traditionellen Abgrenzungen mehr gibt. Ist dies der Fall, kann die Vernetzung über die typischen Bildungseinrichtungen Schule, Bibliothek, und Volkshochschule hinausgehen, und alle regionalen Bildungsakteure und Lernorte in einer Bildungslandschaft vereinigen.

Dass ein Drittel der 160 Teilnehmer aus Kommunalverwaltungen kam, zeigt, dass das Thema - nicht nur in Anbetracht der Frage nach der Bildungsinfrastruktur für Flüchtlinge - ein zentrales bei der zukünftigen Entwicklung von Kommunen und Regionen ist.


Stefan Volkmann

VERÖFFENTLICHT AM

27. November 2015

KONTAKT

Prof. Dr. Richard Stang

Informationswissenschaften

Telefon: 0711 8923-3174

E-Mail: stang@hdm-stuttgart.de

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