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Hochschule der Medien

Studentenleben

Das etwas andere Gutscheinheft

Kaum Geld in der Tasche und trotzdem um die Häuser ziehen? Das macht ein Projekt zweier Studenten aus Karlsruhe möglich: Mit einem Kneipenquartett kombinieren Fabian Popp (25) und Michael Janke (26) das altbekannte Auto-Quartett mit einem Gutscheinsystem für Restaurants, Bars, Cafés und Clubs. Dabei liefert jede Quartettkarte Freigetränke oder Rabatte.

Samstagabend in Karlsruhe. Ich treffe die beiden Macher im Aposto, einem Lokal am Ludwigsplatz. "Hier haben wir im Oktober 2015 die Semester-Opening-Party organisiert", sagt Michael. "Etwa 1.200 Leute waren da – das war ein gelungener Semesterauftakt." Auch an diesem Abend ist das Lokal gut besucht – die Kellner eilen von einem Tisch zum nächsten, dann zurück in die offene Küche, in der Speisen gegrillt werden. Wir nehmen an einem der letzten freien Holztische Platz. Die Bedienung begrüßt die jungen Männer mit einem Handschlag – man kennt sich.

Die Macher: Michael und Fabian im Karlsruher Aposto.
Die Maschinenbaustudenten Janke und Popp haben sich vor fünf Jahren, in der ersten Woche ihres Bachelorstudiums am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), angefreundet. Nach einem Jahr Studium erfahren die beiden von einem Kneipenquartett in Freiburg. Angelehnt an das klassische Quartettspiel von früher gibt es bei der Gastro-Version etwas andere Spielfaktoren. "Statt technischer Daten wie Anzahl der Zylinder oder Höchstgeschwindigkeit, haben wir gastronomische Spielefaktoren", sagt Janke. Um einige zu nennen: Gründungsjahr (je älter, desto besser), längste Theke (je länger, desto besser) oder günstigstes Bier 0,5 (je billiger, desto besser). Jede der 32 Spielkarten stellt gleichzeitig einen Gutschein dar. Dieser bietet ein Freigetränk oder ein freies Essen. Das Prinzip begeistert die Freunde: Sie entwickeln zunächst ein Quartett für Karlsruhe – und später auch für Stuttgart.

Von der Idee bis zur Umsetzung

Von der Idee bis hin zur Umsetzung stand den Studenten viel Arbeit bevor. In den anderthalb Jahren Vorbereitung hätten sie jedoch viel fürs zukünftige Berufsleben gelernt. "Zum Beispiel wie man Kooperationen aufbaut, eine Steuererklärung schreibt oder Grafiken gestaltet", sagt Popp. Unterstützung bei der Konzeption und Finanzierung haben die Studenten vom Center für Innovation & Entrepreneurship (CIE) des KIT erhalten. Am Anfang sei es zudem notwendig gewesen, privat zu investieren. Inzwischen ist das Kneipenquartett laut Popp "ein netter Nebenverdienst".
Von den Karlsruher Studenten sei das Quartett sehr gut angenommen worden. "Das freut uns, weil wir viel Mühe, Leidenschaft und Arbeit in das Projekt stecken", erklärt Janke. Der 26-Jährige stammt ursprünglich aus Remseck am Neckar. Deshalb lag die Idee nicht fern, das Kneipenquartett auch nach Stuttgart zu bringen. Die Gründer holen Martin Greguletz mit ins Boot. Der 25-Jährige hat in Stuttgart studiert. Auch Michaels Freundin hat als Stuttgarterin die drei bei der Kneipen-Akquise in Stuttgart beraten.

Das Quartettspiel im Praxistest

Das Kneipenquartett gibt es in der Buchhandlung Wittwer oder online zu kaufen.
Und wie sieht das Kneipenquartett in der Praxis aus? Samstagabend, eine Woche später: Mit vier Kommilitoninnen der Hochschule der Medien (HdM) habe ich das 0711-Kneipenquartett einem Test unterzogen. Das Kartenspiel habe ich bei der Buchhandlung Wittwer auf dem Campus erworben.Es kostet 12 Euro. Alternativ kann das Kneipenquartett auch online bestellt werden. Die Auswahl der Lokale beinhaltet Klassiker wie das Hotzenplotz in der Silberburgstraße oder die Schräglage in der Hirschstraße. Aber auch neue Läden wie die Imme am Österreichischen Platz oder das Café Bohème in der Clawer-Passage sind in der zweiten Auflage des Stuttgarter Kneipenquartett dabei. Für die dritte Auflage 2016 haben die Studenten auch das Unithekle auf dem Campus angefragt. "Im Vergleich zeigen die Stuttgarter bisher weniger Interesse an den Karten als die Karlsruher", sagt Popp.

Los geht es für uns in der Langen Theke, mit vier Quartett-Spielen und zwei männlichen Begleitungen im Gepäck. Wir heben den Frauenteil in der urigen Raucherkneipe immens an. Vor dem Bestellen sortieren wir die entsprechende Karte aus und werden informiert: Die Quartettkarte D1 präsentiert die in der Stadtmitte gelegene Kneipe. Die Theke des 1975 gegründeten Lokals hat eine Länge von elf Metern. Ein 0,5 Bier kostet hier 4,20 Euro. Auf dem unteren Teil der Karte steht der relevante Teil: Beim Vorlegen des Gutscheins erhält man ein Wulle oder Mexikaner, alternativ Pepsi, Fanta oder Vio aufs Haus. "Die Gutscheine sind aber nicht dazu gedacht, allesamt an einem Abend eingelöst zu werden", so Popp, "man sollte sein Limit kennen." Deshalb hat man immer die Wahl zwischen alkoholischen und nicht-alkoholischen Getränken. "Weil die Gutscheine ein Jahr gültig sind, kann man auch mal gemütlich in nur eine Kneipe gehen", ergänzt Janke.
Die Kellnerin entwertet unsere Gutscheine gleich durch Abhaken, die Karte dürfen wir behalten. Mit Wulle und Pepsi wird angestoßen. Das klappt ja gut! 

Auf der Karte B1 gibt es einen Cocktail-Gutschein im Besitos. Fotos: Joelle Mittnacht
Wir ziehen weiter in das 60 Meter entfernte Besitos (zu Deutsch: Küsschen), ein spanisches Lokal in der Stadtmitte. Samstagabend um halb zehn haben wir hier schlechte Karten. Alle Tische sind belegt. Es geht weiter in die Marienstraße in Sophie’s Brauhaus. In der größten Lokalbrauerei Stuttgarts herrscht Volksfeststimmung: Die Bedienungen in Trachten, bayrische Speisen auf den Tischen und Blasmusik im Hintergrund. Hier gibt es für unseren Gutschein ein selbstgebrautes Schwarzbier, Helles - oder eine Cola.

Wir probieren es nochmal im Besitos – und haben Glück. Umsonst bekommen wir hier einen Frissé Sangria und hausgemachte Mate-Limonade. Wir nehmen das Kneipenquartett nochmal genauer unter die Lupe und entdecken Jokerkarten, zum Beispiel einen Gutschein für eine Donut-Box zum halben Preis.
Bei unserem Kneipenbummel überlegt sich ein Teil der Gruppe, noch in den am Rotebühlplatz gelegenen Keller Klub weiterzuziehen. Dort könnte der Gutschein entweder für Spirituosen im Schnapsglas oder ein kleines Wasser eingelöst werden. Wir beschließen, uns den Gutschein fürs nächste Mal aufzuheben. Zufrieden, an diesem Abend tatsächlich nichts ausgegeben, aber viel Spaß mit tollen Freunden gehabt zu haben, gehen wir nach Hause.

 

Joelle Mittnacht

VERÖFFENTLICHT AM

16. Dezember 2015

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