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Hochschule der Medien

Praktikum im Ausland

Sechs Monate mit Drill Bits, Jazz und Fine Dining

Seit fast vier Monaten bin ich schon in den USA und mache ein Praktikum bei der Robert Bosch Tool Corporation in einem Vorort von Chicago. Die Zeit seit meinem Arbeitsbeginn am 1. September 2015 ging rasend schnell vorbei und noch immer ist jeder Tag aufregend und neu in der Stadt des Jazz, der Restaurants und der Architektur.

Seit drei Monaten mache ich ein Praktikum in Chicago.
Als ich im Wintersemester 2014/2015 mein Praxissemester bei Bosch in Leinfelden im Bereich Marketing für Power Tool Accessories antrat, dachte ich nicht, dass ich exakt ein Jahr später ein Praktikum bei Bosch in Chicago anfangen würde. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir noch nicht großartig Gedanken über einen Auslandsaufenthalt gemacht. Durch Erfahrungsberichte von Kollegen und anderen Praktikanten wurde mir im Laufe des Praktikums jedoch klar: Ich möchte auch ein Semester im Ausland verbringen. Da ich gleichzeitig Arbeitserfahrung sammeln wollte, bewarb ich mich auf eine Praktikumsstelle bei Bosch im englischsprachigen Ausland. Zwei Monate später bekam ich die Zusage für ein sechsmonatiges Praktikum bei der Robert Bosch Tool Corporation im Bereich Marketing Zubehör für Nordamerika, in Mount Prospect (Illinois), dem Hauptsitz von Bosch Power Tools in den USA.

Auf einen Kaffee mit dem CEO

Chicago bei Nacht.
Seit dem 1. September 2015 bin ich nun Praktikantin in der Abteilung Marketing Zubehör, die aus neun Mitarbeitern und einem Marketingleiter besteht. Das Aufgabengebiet ist sehr vielseitig und reicht von "Research" über die Entwicklung neuer Produkte bis hin zu deren Einführung und Vermarktung.
Besonders auffällig sind die flachen Hierarchien: Vorgesetzte arbeiten auf Augenhöhe mit ihren Mitarbeitern zusammen und geben ihnen ein Gefühl der Wertschätzung. Es herrscht ein lockerer und freundlicher Umgangston, was sicher daran liegt, dass sich jeder beim Vornamen anspricht. Zudem ist es nicht ungewöhnlich, dass der Vice President mit Praktikanten zu Mittag isst oder der CEO in der Kaffeepause im Büro vorbeischaut und sich nach dem Verlauf des Praktikums erkundigt. Es wird hier großen Wert auf Networking gelegt. In neu eingerichteten "Coffee-Areas" kann man sich ungezwungen mit Mitarbeitern und Vorgesetzten austauschen. Darüber hinaus finden regelmäßige Networking Events statt, bei denen die verschiedenen Abteilungen ihre Arbeit vorstellen und Mitarbeiter die Möglichkeit haben, sich kennenzulernen und neue Kontakte zu knüpfen.

Gesund ist teuer

Die Lebenshaltungskosten in Chicago sind sehr hoch. Wohnraum ist teuer, ebenso wie viele Lebensmittel und Hygieneartikel. Für frische Lebensmittel muss man einiges mehr zahlen als in Deutschland. Es ist schwierig, "non processed food" zu bekommen. Zwar gibt es alles in verschiedenen kalorienreduzierten und kalorienlosen Varianten sowie in verschiedenen Geschmacksrichtungen, nicht jedoch in der natürlichen Form. Gesunde Ernährung ist kostspielig in den USA. Für mich war es sehr schwierig, meine Ernährungsgewohnheiten hier beizubehalten, da es nur wenige Feinkostläden und Biosupermärkte gibt.

Spürbare Gastfreundschaft

Der North Avenue Beach mit der Chicagoer Skyline im Hintergrund. (Fotos: Jasmin Lanz)
Chicago ist bekannt für seine Offenheit und Freundlichkeit und das ist auch spürbar. Hier ist es sehr einfach, neue Leute kennenzulernen. Die Menschen sprechen einen aus Neugier an, weil sie eine fremde Sprache hören, aus Hilfsbereitschaft, wenn sie sehen, dass wir uns nicht auskennen, oder einfach nur so. Ich habe etwas Zeit gebraucht, um mich daran zu gewöhnen, dass fremde Menschen mich ansprechen und sich unterhalten wollen, aus reinem Interesse. Das ist aus deutscher Sicht sehr ungewöhnlich, aber ich finde es toll. Die Menschen sind immer freundlich und begegnen sich mit mehr Respekt. Sie sind geduldiger und netter - egal wie lange die Kassiererin an der Supermarktkasse braucht oder wieviel Verspätung der Zug hat. Auch der Umgang mit Servicekräften ist ein anderer. Ihre Arbeit wird geschätzt, ganz gleich ob es der Wachmann an der Tür des Einkaufszentrums oder die Reinigungskraft in der Damentoilette des Nachtclubs ist. Am deutlichsten wird das beim Busfahren: Die Menschen bedanken sich jedes Mal beim Busfahrer, wenn sie aussteigen. Das finde ich beeindruckend. Davon können sich die Deutschen eine große Scheibe abschneiden.

Strand und architektonische Highlights

Neben ihrer spannenden Geschichte und der interessanten Architektur bekommt die Stadt Chicago vor allem durch ihre Lage am Lake Michigan und den Chicago River, der durch die Stadt fließt, einen besonderen Charme. Von Downtown fährt man 20 Minuten mit dem Fahrrad in Richtung Norden zum North Avenue Beach. Die Kombination aus Ruhe und Entspannung, von Strand und Meer und Skyline einer Großstadt hat mich von Anfang an begeistert. Im Winter können die Temperaturen jedoch auf minus 30 Grad Celsius sinken. Durch die Lage am See kann es auch sehr stürmisch werden - daher auch der Beiname "The Windy City". Aufgrund der verhältnismäßig geringen Anzahl an Touristen ist Chicago nicht so hektisch und überfüllt wie andere US-Großstädte.

Küche und Kultur

Chicago ist bekannt für seine kulinarische Vielfalt. Durch die zahlreichen kulturellen Einflüssen gibt es viele außergewöhnliche Restaurants. Ich besuche mindestens jede Woche ein neues, und bin immer wieder begeistert vom Ambiente, dem Essen und dem Service. Chicago steht aber auch für tolle Museen und Jazz Bars. Im Comedy Club "Second City" wurden viele Stars, wie beispielsweise Bill Murray, entdeckt. Chicago ist eine besondere Stadt. Ihre Schönheit, ihr Charme und die Freundlichkeit der Menschen haben mir gleich das Gefühl gegeben, zu Hause zu sein.

Ich könnte mir vorstellen zumindest für ein paar Jahre hier zu leben. Das habe ich vor dem Praktikum nicht gedacht. Ich werde versuchen, ein Stück der Kultur mit zurück nach Deutschland zu nehmen. Ein bisschen Chicagoer Freundlichkeit, Zufriedenheit und Gelassenheit würde den meisten Deutschen gut tun.

Jasmin Lanz

VERÖFFENTLICHT AM

11. Januar 2016

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