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Netzkultur

Popstar ex machina.

Sie ist 16 Jahre alt, hat Millionen von Fans weltweit und ist das Zentrum japanischer Pop-Musik. Sie wirbt für Google, Toyota und Louis Vuitton als Testimonial und auf Livekonzerten jubeln ihr begeisterte Anhänger zu. Hatsune Miku ist vermutlich die künstlichste Figur der Musikbranche. Ihr Name, der übersetzt etwa "Erster Klang aus der Zukunft“ bedeutet, ist Programm, denn sie selbst ist kein Mensch, sondern eine Software.

Zur Detailansicht Hatsune Miku bei David Lettermans Late Night Show (YouTube-Screenshot)

Hatsune Miku bei David Lettermans Late Night Show (YouTube-Screenshot)

Zur Detailansicht Hatsune Miku wird bei einem Live Konzert bejubelt (YouTube-Screenshot)

Hatsune Miku wird bei einem Live Konzert bejubelt (YouTube-Screenshot)

Die Software Hatsune Miku, von der 2016 bereits die dritte Version auf dem Markt erscheint, ist sowohl eine kulturelle, als auch finanzielle Erfolgsgeschichte. Als Crypton Future Media Inc. 2007 die erste Version des Gesangssynthesizers auf den Markt brachte, hätten sie ihren eigenen Erfolg wohl kaum vorhersehen können, schließlich war die virtuelle Figur Hatsune Miku zu Beginn nur als Maskottchen zur gleichnamigen Software gedacht. Ausgestattet mit einer eigenen fiktiven Vita, einem spezifizierten Aussehen und mit einer "eigenen" unvergleichlichen, synthetischen Stimme, wird das Produkt Hatsune Miku heute viel eher als Person, denn als Software vermarktet. Dass ein solches Phänomen in Japan seinen Anfang nahm, kommt nicht von ungefähr: Dem shintoitstischem Glauben nach, können nicht nur Lebewesen einen Geist haben, sondern auch unbelebte Gegenstände oder Dinge, wie Steine, Schwerter oder eben auch eine komplexe virtuelle Persona wie Hatsune Miku.

Ein transmediales Phänomen

Als programmiertes Hologramm in Lebensgröße begeistert sie bei Livekonzerten weltweit die Massen und promotet ihre Konzerte im TV, wie im Oktober 2014 bei David Lettermans Late Night Show. Sie bewirbt als Testimonial von Autos, über Pizzarestaurants, bis hin zu Make-up so ziemlich alles, was man sich vorstellen kann. Sie hat außerdem ihre eigene Videospielreihe, ist das Gesicht des japanischen Rennteams Goodsmile Racing, zierte das Cover des britischen Musikmagazins Clash und wurde von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA sogar schon an Bord einer Sonde in die Umlaufbahn der Venus gebracht. Hatsune Miku Content kann aber vor allem über Musik konsumiert werden kann. Mit der Gesangssoftware, die für rund 130€ zu kaufen ist, schafften Musikproduzenten und Amateure bisher weit über 100.000 unterschiedliche Songs die Hatsune Mikus Stimme featuren - alle als sogenannter User Generated Content.

Vom Programm zur Person

Die populäre Figur dient im Netz als Projektionsfläche menschlicher Fantasien und Bedürfnisse. So findet man mit den richtigen Suchbegriffen bei der Google-Bildersuche, auch unzählige erotische Illustrationen des "16-jährigen Mädchens". Ihr Charakter, der Hatsune Miku von ihren Usern mittels transmedialem, User Generated Content verliehen wird, ist äußerst menschlich. Obwohl sie gänzlich virtuell ist, handeln beispielsweise "ihre" Songtexte von verbotener Liebe oder der Angst davor zu sterben - im Falle Hatsune Mikus würde dies bedeuten, vom Computer deinstalliert zu werden und somit den virtuellen Tod zu erfahren. Generell scheint Hatsune Miku eine Personifizierung des Cyberspace an sich zu sein, durch die verbotene Gefühle und unerfüllte Bedürfnisse vorwiegend männlicher Schöpfer der Netzkultur ein Sprachrohr finden. So spielt in ihren Songs oft die Hoffnung auf Vereinigung des Users mit Hatsune Miku selbst und somit der Vereinigung der physischen und der virtuellen Welt an sich eine essenzielle Rolle.

 

Quelle:

Gilles Claude Förstner, 2015, Personifizierung virtueller Figuren durch Transmedialität. Analyse von Hatsune Miku, München, GRIN Verlag

 

Gilles Förstner

VERÖFFENTLICHT AM

21. März 2016

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